Bitterstoffe

Allgemeines über Bitterstoffe

Innerhalb der sekundären Pflanzenstoffe stellen die Bitterstoffe eine eigene Wirkstoffklasse dar. Sie sind keine Nährstoffe und stellen den bitteren Teil einer Pflanze dar. Für die Verdauung sind Bitterstoffe essenziell, fördern sie diese doch und bringen so ein harmonisches Gleichgewicht im Magen-Darm-Trakt zustande.

Besonders für die verstärkte Produktion von Magensaft und Speichel sind Bitterstoffe entscheidend. Dieser Vorgang sorgt im Körper wiederum dafür, dass Leber, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse bestens funktionieren.

Fast jeder in Deutschland lebende Mensch weißt einen Mangel an Bitterstoffen auf. Dies liegt zu guter Letzt daran, weil alte Nutzpflanzsorten immer neueren Züchtungen ihrer Art weichen müssen. Diese neuen Sorten beinhalten oftmals einen deutlich geringeren Anteil an Bitterstoffen, sie sollen somit milder im Geschmack sein.

Die heutigen Essgewohnheiten der Menschen in Deutschland beschränken sich fast ausschließlich auf salzige, süße und saure Nahrungsmittel, die wertvollen Bitterstoffe sind beinah gänzlich aus dem täglichen Essen verschwunden.

Die Folgen bitterstoffarmer bzw. bitterstoffloser Ernährungsweisen sind markant und nehmen immer mehr zu. So sind Stoffwechselkrankheiten, Übergewicht und Störungen der Verdauung nur einige wenige Beispiele dafür.

Sind genügend Bitterstoffe im Essen enthalten, so sorgen diese für einen intensiven Geschmack, der wiederum regt den Speichelfluss und andere Verdauungssäfte zur intensiven Produktion an. Das Sättigungsgefühl tritt wesentlich schneller ein. Durch diesen positiven Effekt werden unbewusst kleiner Nahrungsmengen aufgenommen.

Bitterstoffe sind so gesehen die Allrounder unter den Wirkstoffen der Pflanze und für die Gesundheit von Mensch und Tier enorm wichtig.

Kleine Geschichtsstunde

Bitterstoffe und ihre Entdeckung
Unsere Vorfahren, die noch auf bitterstoffreichere Kost wie Kräuter, Salate, Wurzeln und Gemüse zurückgreifen konnten, hatten dadurch einen natürlich Fettverbrenner innerhalb ihrer Nahrungskette. Schon Hippokrates (ca. 460 bis 377 v. Chr.) sprach sich für das Fasten durch den Verzehr bitterer Kräuter aus. Dies galt damals schlechthin als Prophylaxe und Heilmethode.

Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) war ebenfalls eine Verfechterin der organischen Bitterstoffe. Viele ihrer eigenen Rezepte und andere Rezepte aus dieser Zeit beinhalten Kräuter, welche reich an Bitterstoffen sind. Hildegard von Bingen empfahl beispielsweise schon damals die Früchte der Mariendistel zu nutzen, um Leberleiden entgegenzuwirken.

Nicht erst durch moderne Bücher neuzeitlicher Auroren haben die Menschen vom Sitz des Darms als Mittelpunkt der Gesundheit erfahren. Bereits Paracelsus (1493 bis 1541) wusste dies und gab das Wissen darüber an seine Mitmenschen, in Form seines Elixiers des langen Lebens, weiter. Das Grundrezept des heutigen Schwedenbitters enthält eine Mischung aus Myrrhe, Aloe, Bitterwurzel und Safran.

Die Veröffentlichung der Apotheke Gottes durch Maria Treben hat das Kräuterelixier des Paracelsus in die ganze Welt getragen.

Auch im alten Indien und China kannte man bereits die Wirkung der bitteren Wirkstoffe von Pflanzen. Zwischen 5.000 und 6.000 Rezepte mit gesundheitsfördernder Wirkung durch Bitterstoffe sind hier bekannt. Die moderne Pharmazie hingegen nutzt lediglich etwas 250 Pflanzen mit einer hohen Konzentration an Bitterstoffen.

Wirkung von Bitterstoffen

Schon der berühmte Pfarrer Kneipp riet zum Anbau bitterstoffhaltiger Pflanzen wie etwa Wermut, Enzian oder Salbei, im heimischen Garten. Pharmakologisch werden Bitterstoffe in fünf folgende Klassen unterteilt.

  • Amara pura, hierbei handelt es sich um reinen Bitterstoff
  • Amara aromatica, aromatischer Bitterstoffe
  • Amara acria, scharfe Wirkstoffe
  • Amara adstringentia, sehr gerbstoffhaltig
  • Amara mucilaginosa, äußerst schleimstoffhaltig

Bauch und Bitterstoffe

Wie auch in manchen Lebenssituationen, so löst Bitteres beim Menschen zunächst ein Ablehnungsgefühl aus. Im Nachgang stellen viele Menschen aber oftmals fest, dass genau solche Erfahrungen gut für Körper und Seele sind. Die damit verbunden Veränderungen können sich positiv auf den weiteren Lebensweg auswirken und genauso ist es auch mit Bitterstoffen und der menschlichen Verdauung.

Wird beispielsweise bei einem mehrere Gänge Menü als Vorspeise ein Salat gegessen, welcher bitterstoffreiche Salatsorten oder Kräuter enthält, so stellt sich bereits während des Verzehrs des Hauptgangs der Körper auf Verdauung ein. Speichel und Magensaft werden ausgeschüttet, weil das vegetative Nervensystem auf die Bitterstoffe in der Nahrung reagiert hat.

Die Wirkstoffe im Speichel, die sogenannten Amylasen beginnen die Bestandteile der Nahrung in Enzyme aufzuspalten. Dies wird als Vorverdauung beschrieben und der Magen hat somit weniger Arbeit mit der eigentlichen Verdauung. Durch die Bitterstoffe wird die Durchblutung der Magenschleimhäute angeregt, Magensaft wird vermehrt produziert, gerade schwer verdauliche Lebensmittel wie Nudeln werden so umfassender verdaut.

Wirksamkeit im Allgemeinen

Bitterstoffe wirken sich auf den gesamten Magen-Darm-Trakt aus. Die Körpersäfte, die zur Verdauung benötigt werden, geraten schneller und in höherem Maße an die betreffenden Stellen. Organe wie Magen, Leber, Darm, Galle und Bauchspeicheldrüse sind Profiteure einer bitterstoffhaltigen Ernährung.

Allgemein betrachtet wird der gesamte menschliche Organismus durch Bitterstoffe angeregt. Menschen, die sich oft müde und schlapp fühlen, sollten zu Bitterarzneimittel greifen. Diese begünstigen die Aufnahme von Nährstoffen aus dem Darm. Aber auch Hautbeschwerden wie Ekzeme oder Akne lassen sich mit Bitterarznei wie z. B. Amara, behandeln.

Jungbrunnen

Das im Mittelalter durch Klostermediziner verbreitete Elixier „ad longam vitam“ enthielt unter anderem Angelikawurzel und Enzianwurzel sowie weitere bittere Kräuter. Das Mittel sollte den jenigen ein gesundes und langes Leben bescheren, die es regelmäßig zu sich nahmen.

Naturmediziner heutzutage empfehlen ebenfalls eine Kur aus Bitterarznei, vor allem für Patienten ab 50 Jahren. Ab diesem Alter setzt natürlich bedingt eine verminderte Produktion des Magensafts ein, was zu Verdauungsbeschwerden bis hin zu ungewollter Gewichtszunahme führen kann.

Gerade der gewichtsreduzierende Effekt von Bitterstoffen sollte viele Menschen der Industrienationen aufhorchen lassen. Da in diesen ein immer mehr zunehmendes Problem mit Übergewicht entsteht, werden bitterstoffhaltige Lebensmittel als begleitende, entschlackende Ernährung empfohlen.

Bitterstoffhaltige Pflanzen

Nachfolgend sind Pflanzen, welchen einen beträchtlichen Anteil an Bitterstoffen aufweisen, aufgeführt.

  • Wilder Hopfen
  • Ingwer
  • Beifuß
  • Baldrian
  • Schafgarbe
  • Pfefferminze
  • Löwenzahn
  • Zichorie (Wegwarte)
  • Rucola
  • Radicchio
  • Chicorée
  • Rosenkohl
  • Brokkoli
  • Endivien
  • Artischocke

Bitterstoffhaltige Heilkräuter

Nachfolgend eine Auflistung der wichtigsten Heilkräuter mit einem hohen Anteil an Bitterstoffen.

  • Aloe
  • Andorn
  • Benediktenkraut
  • Bitterklee
  • Bockshornklee
  • Bohnenkraut
  • Galgantwurzel
  • Gelber Enzian
  • Große Klette
  • Hopfenzapfen
  • Mariendistel
  • Melisse
  • Ringelblume
  • Salbei
  • Schafgabe
  • Tausendgüldenkraut
  • Wermut
  • Quendel (auch als Gartenthymian bezeichnet)

Mangel an Bitterstoffen

Leiden Patienten an einer Übersäuerung, vor allem im Magen-Darm-Bereich, so ist dies oft auf einen Mangel an Bitterstoffen zurückzuführen. Durch diesen Mangel können nachstehende Beschwerden auftreten.

  • Gicht
  • Rheuma
  • Müdigkeit
  • Bauchschmerzen
  • Haarausfall
  • Kopfschmerzen
  • mangelnde Durchblutung
  • Nervosität
  • Allergien
  • Neurodermitis

Vor allem einseitige Ernährung durch Fast Food stört die Verdauung, aber auch Umweltgifte wirken sich negativ auf eine gesunde Darmflora aus. Durch eine abwechslungsreiche und gesunde Ernährung mit bitterstoffhaltigen Lebensmitteln werden der gesamte Organismus und die Psyche des Menschen gestärkt und dies äußert sich letztendlich in allgemeinem Wohlbefinden. Unterstützend können in einigen Fällen Produkte der Bitterarznei verwenden werden.

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