Limbisches System

Das limbische System bestimmt unsere Persönlichkeit

Das Gehirn ist das Organ, das dem Menschen seine Überlebensfähigkeiten verleiht. Alle anderen Organe und Organsysteme hängen unmittelbar oder mittelbar mit diesem höchst komplexen und noch nicht in allen Einzelheiten erforschten Körperteil zusammen. Das Gehirn übernimmt eine enorme Palette an Aufgaben und Funktionen. Im Ergebnis dieser vielgestaltigen Anforderungen und der überaus großen Flexibilität aller Bausteine des Gehirns haben sich mannigfaltige Gehirnbereiche entwickelt. Nur auf dieser Basis kann das Gehirn allen Erfordernissen gerecht werden.

Wie unterschiedlich diese sind, soll anhand der folgenden Aufstellung verdeutlicht werden:

  • Steuerung sämtlicher Prozesse im Körper
  • Verarbeitung der verschiedenartigsten Sinneseindrücke
  • Ermöglichung des emotionalen (gefühlsmäßigen) Erlebens
  • Bedingung für das Bewusstsein und das Denken

Vom Gehirn aus werden die Rahmenbedingungen geschaffen, damit alle Körperorgane ausgewogen miteinander zusammenarbeiten können. Im Organismus existieren zahlreiche Punkte, die innerhalb von Regelkreisen das Aussenden von Informationen übernehmen. Unter dieser Voraussetzungen kann den Organen mitgeteilt werden, wann sie ihre Tätigkeit beenden oder fortführen sollen.

In dieser Weise vom Gehirn kontrollierte und geregelte Körperfunktionen sind:

Die Wortkombination emotionales Erleben umfasst alle Gefühle (Empfindungen), die sich aus speziellen Erfahrungen oder Ereignissen ergeben. Emotionen oder Gefühle sind Empfindungen, die nach außen hin gerichtet sind. Dazu gehören unter anderem Überraschung, Traurigkeit, Furcht oder Freude. Gefühle sind immer ein Spiegel der jeweiligen Erfahrungswerte eines Menschen und der durchlebten Situationen. Gefühle können in Eigenschaften wie der Richtung, der Stärke und der Qualität voneinander abweichen.

Das Denken als ein ausschließlich geistiger Vorgang ist wohl einer der komplexesten Vorgänge im menschlichen Körper überhaupt. Denkabläufe sind eng mit Gedanken, Begriffen, Vorstellungen und Erinnerungen verknüpft. Die Ergebnisse des Denkens sind neue Erinnerungen und Gefühle, logische Erkenntnisse und die Sprache.

Sinneseindrücke sind gute oder schlechte Empfindungen, die auf den Körper (Physis) sowie auf den Geist und die Seele (Psyche) einwirken. Die Sinneseindrücke werden in physische oder körperliche (haptische) und subjektive Empfindungen unterteilt. Körperliche Sinneseindrücke sind beispielsweise Berührung, Schmerz oder Wärme. Hinter den subjektiven Empfindungen verbergen sich die Emotionen.

Das Gehirn, dessen wesentlicher Bestandteil das limbische System ist, kann die von den Nervenbahnen ankommenden Sensationen oder Reize aufnehmen und diese verarbeiten. Eine Vielzahl der dabei ablaufenden Hirnabläufe sind dem Menschen nicht bewusst. Darüber hinaus gibt es unendlich viele Hergänge, die vom Menschen nicht willkürlich gesteuert werden können. Diese Aspekte sind wichtig, um die Funktion und die mit dem limbischen System zusammenhängenden Erkrankungen richtig zu verstehen.

Was ist das limbische System?

Das limbische System verdankt seine Bezeichnung seit 1878 Paul Broca, einem französischen Arzt. Im eigentlichen Sinne ist das limbische System kein selbstständiges, unabhängiges und strikt abgegrenztes Organ. Es stellt vielmehr eine funktionale Vereinheitlichung divergierender (gegensätzlich) und miteinander kooperierender Gehirnzonen dar.
Der Komplex des limbischen Systems ist eine der ältesten Bereiche des Hirns. Darüber hinaus gilt das limbische System als eine hervorragend strukturierte und damit äußerst leistungsfähige Komponente des menschlichen Gehirns. Sie wirkt sowohl die körperlich als auch die geistig-seelische Ebene.
Die Funktionseinheit des limbischen System wird von bestimmten Organen beeinflusst. Nicht unwichtig sind in diesem Zusammenhang die Hormone abgebenden Drüsen. Kommt es zu Funktionsstörungen des limbischen Systems, dann können die nachfolgenden Symptome (Krankheitszeichen, Krankheitsmerkmale) sehr differenziert und schwerwiegend sein.
Den Medizinern wird bezüglich der Diagnose (Erkennung, Feststellung einer Erkrankung) ein hohes Maß an Kompetenz und Erfahrung abverlangt. Verkompliziert wird diese Maßnahme durch die Vielzahl an Unterteilungen und Aufgaben, in innerhalb des limbischen Systems zu beachten sind.
Nicht alle vom limbischen System ausgehenden Krankheitsbilder lassen sich gegenwärtig in ausreichender Form behandeln und heilen.
Ursprünglich herausgebildet hat sich das limbische System bei den Säugetieren. Daher ist die Bezeichnung „Säugerhirn“ heute noch populär.

Lage und Morphologie (Gestalt) des limbischen Systems

Der medizinische Terminus Limbus oder Lobus limbicus lässt sich aus dem lateinischen Begriff limbus für Gürtel oder Streifen ableiten.
Im limbischen System sind mehrere Hirnzonen enthalten. Die eigenwillige Beschaffenheit des limbischen System macht es möglich, dass diese Bereiche einen engen Verbund darstellen. Integriert ist das limbische System im Zwischenhirn (Diencephalon) und den beiden Großhirnhälften (Großhirnhämispheren).
Das Aussehen des limbischen Systems kann mit einem Ring oder einem Kreis verglichen werden. Lokalisiert ist das limbische System im Schädel, in der Nähe des Mittel- und des Balkenhirns. Bei einer Freilegung des limbischen System erscheint es als Saum, von dem das Balken- und das Mittelhirn umschlossen wird.
Begrenzt wird das limbische System durch den Hypothalamus (Hirnanhangsdrüse) und das Zwischenhirn(Thalamus).

Funktionen und Aufgaben des limbischen Systems

Die Aufgaben des limbischen System überschneiden sich gleichzeitig mit mehreren anderen Gehirnarealen. Das limbische System übernimmt die angegebenen Funktionen nicht ausschließlich allein.
Die Aufgaben des limbischen Systems müssen in Abhängigkeit von dessen einzelnen Segmenten betrachtet werden. Das limbische System leistet einen außergewöhnlichen Beitrag in Hinsicht auf die Gesamtleistung des Gehirns.

Die Physiologie des limbischen System beinhaltet die Kontraktion und Entspannung der glatten Muskulatur in den Eingeweiden, in den Blutgefäßen und in den Bronchien. Damit ist eine Beeinflussung der vegetativen oder unwillkürlich ablaufenden Funktionen, eine Einflussnahme auf den lokomotorischen Antrieb (Fortbewegung) und ein Bewirken der Psychomotorik (psychische Prozesse) verkettet.

Des Weiteren kommt es durch die Bewegungen der glatten Muskulatur zu Abläufen wie:

  • Steuerung der Nerventätigkeit in den Eingeweiden
  • Regulierung der Drüsensekretion
  • Gedächtnis– und Sexualfunktion (Triebe)
  • Weiterleitung von Erregungen zum Hippocampus, Gedächtnis
  • Bildung des Gedächtnisses, Beeinflussung der emotionalen und vegetativen Vorgänge
  • Produktion und Ausschüttung von Glückshormonen
  • Verarbeitung von Gefühlen und intellektueller (verstandesmäßig, geistig) Arbeit
  • Aufnahme und Ablegen von Gedächtnisinhalten, Beeinflussung der sexuellen und vegetativen Abläufe
  • Abrufen von Informationen aus dem Kurzzeitgedächtnis
  • Überführen von Informationen aus dem Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis (Langzeitpotenzierung)
  • Erzeugung und Bewertung von Angstgefühlen
  • Archivierung von Eindrücken
  • Steuerung des räumlichen Gedächtnisses

Ohne limbisches System würden dem Menschen bedeutsame Fertigkeiten und die Voraussetzungen zum Leben sowie zur Überlegenheit gegenüber anderen Säugetieren fehlen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das limbische System:

  • die Grundlage für das räumliche Orientierungsvermögen ist
  • die Basis für das Gedächtnis
  • das Speichermedium und die Verarbeitungszentrale für das Langzeitgedächtnis
  • die Verarbeitungsstelle für Sprache
  • das Fundament für das Lernen

ist.

Wenn sich Personen wichtige Dinge merken möchten, ihren Geruchssinn nutzen oder Schlafen und wach sind, dann ist das limbische System daran beteiligt. Dasselbe trifft auf das Erinnern an längst vergangene Erlebnisse zu. Pathologische (krankhafte) Veränderungen des limbischen Systems sind in Anbetracht dieser immensen Bedeutung häufig Auslöser für Krankheiten, bei denen ein ganzer Teil einer Persönlichkeit verloren geht.

Begriffserläuterung:

  • Intellekt = geistige Fähigkeit, ausschließlich durch das Denken eine Erkenntnis zu erzielen
  • Sekretion = Absonderung, Abgabe, Ausschüttung von Sekreten (meist Enzyme beziehungsweise Biokatalysatoren oder Hormone) aus spezifischen Drüsenzellen
  • vegetativ = nicht vom Bewusstsein oder dem Willen gesteuert (beispielsweise Verdauung, Atmung)

Die Funktionen der einzelnen Fragmente des Limbischen Systems sind entweder in allen Facetten gleich oder sie ähneln sich. Sie betreffen somatische, autonome und endokrine Aufgaben. Mit dem limbischen System werden alle allokortikalen mit isokortikalen Gefüge phylogenetisch vernetzt.

  • allokortikal = so viel wie anders
  • isokortikal = so viel wie gleich
  • phylogenetisch = Abstammungsgeschichte, stammesgeschichtliche Entwicklung von Lebewesen
  • somatisch = bezogen auf den Körper
  • autonom = eigenständig, unabhängig
  • endokrin = Abgabe von Sekret ohne Ausführungsgang in den Blutkreislauf

Allocortex

und Isocortex sind histologisch betrachtet (Histologie ist die Lehre von den Organgeweben) verschiedenartige Gebiete der Großhirnrinde. Auf diese Bestandteile wird im Abschnitt „Anatomie und Aufbau des limbischen Systems“ näher eingegangen.

Anatomie und Aufbau des limbisches System

Das Limbische System umschließt folgende Formationen ringförmig:

  • Fornix
  • Hippocampus
  • Gyrus cinguli
  • Corpora mamillare
  • Amygdala oder Corpus amygdaloideum
  • Gyrus parahippocampalis
  • Septum pellucidum
  • Subiculum
  • Nucleus interpenduncularis
  • Indusium griseum

Diese Organsegmente verfügen relevante funktionelle Kontakte zu den Schaltstellen in allen Regionen des Gehirns. Besonders auffällig ist in diesem Zusammenhang das Mesolimbische System (Freudengefühl, Suchtverhalten) das das limbische System mit dem Mittelhirn vereint. Im Mesolimbischen System erfolgt die Ausschüttung des Neurotransmitters oder chemischen Botenstoffes Dopamin (Dopamin ist bedeutsam für einige demenzielle Erkrankungen und für die Parkinson Erkrankung). Durch die Einnahme von Suchtmitteln wie Alkohol, Drogen oder Nikotin wird das mesolimbische System unmittelbar berührt.

Fornix cerebri(zu deutsch Wölbung, Erhöhung, Gewölbe) ist eine Ansammlung aus Fasern, der den Hippocampus mit dem Corpus mamillare verbinden. Der Fornix gehört zum sogenannten Trapezkreis.

Hippocampus ist Teil ein im Temporallappen verankertes Element des Archikortex, einem Abschnitt des Großhirns (Telencephalon), der mittig (medial) liegt. Im Hippocampus sind mannigfaltige Fragmente integriert. Mediziner nennen dieses Gebilde, das einem gebeugten Pferd ähnelt, die Hippocantusformation. Die zytologischen (Zytologie ist die Lehren von den Zellen in Organen und Organsystemen) Bausteine des Hippocampus sind unzählige Nervenzellen. Die Nervenzellen leiten Informationen aus der Großhirnrinde weiter. Im Hippocampus sind die Gedächtnis- oder Pyramidenzellen konzentriert, die für das Ortsgedächtnis verantwortlich sind. In der modernen Medizin hat sich für den Hippocamopus ebenso die Benennung „Neuigkeitsdetektor“ durchgesetzt.

Wird der Hippocampus direkt von vorn (frontal) vertikal durchtrennt, dann sind im Querschnittsprofil Bausteine wie:

  • Cornu ammonis beziehungsweise Ammonishorn (längliche Verdickung im Hippocampus)
  • Gyrus dentatus (gezahnte Windungen des Gehirns)
  • Subiculum (Verbindungsmedium zwischen Hippocampus und Zentralem Nervensystem)

sichtbar.

Das Septum pellucideum trennt die rechten und linken Vorderhörner des Seitenventrikels voneinander. Diese Haut ist eine Membran aus Gliazellen. Gliazellen haben die Aufgabe das Hirngewebe zu stützen.

Gyrus cinguli beinhaltet vier sogenannte Rindenfelder und liegt im mittleren Gehirnabschnitt, Gyrus cinguli ist ein Gehirnwindung, die zum limbischen System und zum Endhirn zählt

Das Corpus mamillare gibt es paarweise an der Hirnunterseite. Es ist Teil des Papez-Kreises.

Das Corpus amygdaloideum in der Mitte des Temporallappens wird als Kernbereich des Endhirns deklariert. Das wegen seiner eigenwilligen Gestalt paarweise angelegte Organ ist weitläufig als Mandelkern bekannt geworden. Der Mandelkern ist mit der Steuerung von gefühlsmäßigen Einflüssen betraut.
Das heißt, dass in der Amygdala vor allen Dingen die Wertung von emotionalen Ereignissen stattfindet. Würde man die Amygdala aus dem limbischen System entnehmen, könnten die Betroffenen keine Angst mehr haben. Damit Gehen lebenswichtige Abwehr- und Warnreaktionen verloren.

Graue Substanz ist das Gewebe, aus der der für das Gedächtnis wichtige Gyrus parahippocampails in der Großhirnrinde besteht.

Die Brücke zwischen dem Hippocampus und dem Gyrus parahippocampalis unweit des Ammonishorns (Cornu ammonis) ist das Subilicum mit seinen variierenden Teilen.

Nucleus interpeduncularis ist eine im Mittelhirn angesiedelte Ansammlung von insgesamt sieben untergeordneten Zellkernen.

Allocortex und Isocortex

Allocortex und Isocortex sind bestimmte Zonen der Großhirnrinde (Cortex cerebri). Der Allocortex setzt sich aus Hippocamous und Riechhirn Rhinencephalon)zusammen.
Der Allocortex ist ein Teil der Großhirnrinde (Cortex cerebri). Zu ihm werden das Riechhirn (Rhinencephalon) und der Hippocampus gerechnet. Beim Präparieren treten drei bis fünf Zellschichten zutage.
Der Isocortex ist der flächenmäßig umfangreichste Teil der beiden Hirnhälften (Hemisphären). Beim Isocortex werden die Primär-, Sekundär- und sogenannte Assoziationsfelder kategorisiert.

Auf der rückwärtigen Seite des Corpus callosum beziehungsweise des Balkens ist eine dünne Haut aus grauer Substanz zu finden.

Graue und weiße Substanz der Gehirns

Die graue Hirnsubstanz oder Substantia grisea enthält Zellkörper (Perikaya) und Neuronen. Neuronen sind Nervenzellen, die lediglich für die Leitung und die Übertragung von den durch Reize ausgelösten Erregungen zuständig sind.
Graue Substanz ist unter anderem typisch für die Groß- und die Kleinhirnrinde, die Hirnnervenkerne die Formatio reticularis und das Rückenmark (Medulla spinalis). An die graue Substanz sind hauptsächlich die Intelligenz– und die motorischen Leistungen (Motorik ist die Beweglichkeit) sowie die Wahrnehmungen gebunden.

Die weiße Hirnsubstanz ist reich an Fortsätzen von Nervenzellen (Axone), die dem Zentralnervensystem zugehörig sind. Liegt die graue Substanz einem Organ auf, trifft der Terminus Rinde oder Cortex zu. Umschließt weiße Substanz ein Organ ein, dann wird die Formulierung Nuclei oder Kerne verwendet. Sowohl das Rückenmark als auch das Großhirn beruhen teilweise auf weißer Substanz.
Mediziner Sprechen bei der weißen Substanz von der Substantia alba oder von der Marksubstanz. Neueste Entdeckungen sagen aus, dass die weiße Substanz etwa ab dem 40. Lebensjahr abnimmt. Der Schwund der weißen Substanz hat verschiedene Gründe. Infolge dieses Abbaus verläuft die Kommunikation zwischen den Hirnbereiche allerdings weniger effizient.

Informationen über das Kurzzeitgedächtnis

Das gesamte Gedächtnis des Menschen ergibt sich aus dem Kurz- und aus dem Langzeitgedächtnis. Beide Benennungen sind in der Psychologie üblich. Sie werden aber auch in anderen medizinischen Zusammenhängen erwähnt.
Das Kurzzeitgedächtnis nimmt alle frischen, erst kürzlich gelernten Informationen aus. Es wird auch als Primärgedächtnis definiert. Verglichen mit einem Computersystem kann das Kurzzeitgedächtnis als Zwischenspeicher angesehen werden. Das limbische System ist dabei fast unaufhörlich in Funktion.
Eine Begrenzung des Kurzzeitgedächtnisses wird deutlich, wenn man weiß, dass alle Informationen nur etwa 20 Sekunden im Zwischenspeicher des Gehirns verbleiben. Außerdem schaffen es nur bis zu sieben Mitteilungen, sich im Kurzzeitgedächtnis zu manifestieren. Dann werden sie automatisch gelöscht. Sobald das Gehirn während dieser knappen Zeitspanne abgelenkt ist, können solche Daten schon abhanden kommen.

Informationen über das Langzeitgedächtnis

Das Langzeit- oder Tertiärgedächtnis nimmt alle Informationen auf, die durch individuelle Vorgänge wie das Wiederholen, das Lernen und damit das Einprägen einer besonderen Auswahl (Selektion) unterliegen. Diese Inhalte werden dann mittels limbischem System in dem Langzeitspeicher des Gehirns abgelegt.
Dort angelangt, bleiben diese Daten ein Leben lang abrufbar erhalten, ohne im Normalfall verloren zu gehen. Engramme oder Gedächtnisspuren helfen dabei, diese oder jene Gedächtnisstücke wieder aufzufinden. Wir erinnern uns.
Sowohl das Kurz- als auch das Langzeitgedächtnis ist eine lebensnotwendige Einrichtung, die den Menschen gleichzeitig das Vergessen ermöglicht. Patienten und Patientinnen, die unter einer Verringerung der Gedächtnisleistung und unter Gedächtnisverlust leiden, bestreiten ohne Weiteres einen risikoreichen Alltag.

Krankheiten, Beschwerden und Störungen des limbischen Systems

Nur in ganz wenigen Ausnahmefällen sind die vom limbischen System ausgehenden Erkrankungen durch einen leichten Verlauf oder durch eine Genesung gekennzeichnet.

Pathologische Auffälligkeiten des limbischen Systems ergeben sich meist aus Defekten an den äußerst empfindlichen Anlagen des Organs.

Klinisch impliziert sind vor allen fünf große Krankheitsbereiche, die mit dem limbischen System zu tun haben:

 

Morbus Alzheimer

Eine Krankheit mit schwerwiegenden Symptomen ist die Alzheimer Demenz. Dank umfassender Forschungen konnten bislang schon signifikante Erkenntnisse erzielt werden. Diese dienen zu einer genauen Feststellung der allgemeinen Ursachen, zu einer bedürfnisgerechten medizinischen Behandlung und zu einem besseren Verständnis. Definitive Auslöser für Morbus Alzheimer (Morbus heißt Krankheit) sind noch nicht ergründet worden.

Der bedeutendste Risikofaktor, an Morbus Alzheimer zu erkranken, ist das Lebensalter. Ab 65 steigt die Gefährdung rasant an.
Patienten und Patientinnen, die eine Alzheimer Erkrankung entwickeln, zeigen eine fortlaufenden Verschlimmerung der Symptome. Die ganze Persönlichkeit und das Wesen ändert sich. Die Betroffenen werden argwöhnisch und extrem launisch. Sie haben viele Ängste, werden unter Umständen aggressiv und halluzinieren. Im weiteren Verlauf kommt es zu einer Verschiebung des Tag-Nacht-Rhythmus und zu einem unaufhaltsamen Bewegungsdrang.

Krankhafte Unregelmäßigen beziehungsweise Defizite bei Morbus Alzheimer betreffen des Weiteren:

  • das Gedächtnis und das Erkennen
  • die Sprache und das Denken
  • die Handhabung von Gegenständen
  • die zeitliche und örtliche, teilweise auf Personen bezogene Orientierung

Rückschlüsse auf eine Demenz können durch folgende Beschwerden geschlossen werden:

  • Verlangsamung der Auffassungsgabe
  • vertraute Menschen werden nicht mehr erkannt
  • alltägliche gewohnte Tätigkeiten können nicht mehr ausgeführt werden
  • eingeprägte Vorgänge werden vergessen
  • Reduzierung des Kurzzeitgedächtnisses
  • Schwinden des Langzeitgedächtnisses
  • Stuhl- und Harninkontinenz
  • Schluck-, Kau- und Atmungsschwierigkeiten
  • Massiver Verlust der Selbstständigkeit und des Ich-Bezuges

Dieser unweigerlich fortschreitende geistige und später auch körperliche Verfall eines zuvor gesunden, leistungsfähigen Menschen ist sowohl für die Angehörigen als auch für die Patienten eine Qual. Insbesondere im beginnenden und im mittleren Stadium nehmen die Betroffenen die negativen Mängel an sich selbst war. Das führt meist zu einer immensen Verunsicherung. Im Endstadium erleben die Patienten die Symptome kaum noch bewusst.

Die Formulierung Demenz ist ein Überbegriff für alle Krankheiten, bei denen sich die geistigen, im Gehirn ablaufenden Funktionen immer mehr reduzieren. Fähigkeiten wie das Erinnern, das Denken, das Verknüpfen von Erkenntnissen und das Orientieren fallen weg, weil sich ebenfalls ein physiologischer (Physiologie ist die Lehre von Funktion der Organe und der Organsysteme) Rückgang am limbischen System eingestellt hat.

Die Alzheimer Demenz ist nur eine Erkrankung dieser Sparte. Weitere charakteristische Beispiele sind Morbus Pick, die Frontotemporale Demenz und Morbus Pick.

Autismus

Ein nicht unerheblicher Anteil an der Ausprägung von Autismus wird unter anderem dem limbischen System zugeschrieben. Erkrankungen oder Funktionsstörungen des limbischen System erzeugen zahlreiche Beschwerden, die sich beim Autismus, bei adhs (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung), ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Störung) und bei Morbus Asperger überschneiden. Dieser Aspekt setzt daher eine hochprofessionelle Diagnostik voraus.

Ausgehend von den kennzeichnenden Funktionen des limbischen Systems stellen sich beim Autismus folgende Krankheitszeichen ein:

  • Vermeiden von Kontakten zu anderen Menschen
  • Aggressionen
  • eingeschränkte Wahrnehmung von nonverbalen Aktionen und Körpersprache
  • extreme Empfindsamkeit
  • Panikatattacken
  • Chaos- und Verwirrtheitszustände
  • Depressionen
  • Schlaf- und Essstörungen
  • SuchtverhaltenAbweichungen in der Grob- und Feinmotorik
  • Panik- und Angsterkrankungen

Wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass Autismus auch in der leichteren Ausprägung als Morbus Asperger durch eine übermäßige Funktion des Mandelkerns beziehungsweise der Amygdala hervorgerufen wird. Darüber hinaus wird davon ausgegangen, dass Autismus von einer Behinderung der Wahrnehmung und der Verarbeitung von Informationen herrühren kann. Es liegen Abnormitäten im limbischen System, im Großhirn und in der unteren olive vor. Zusätzlich dazu konnten Hirnschädigungen an den Basalganglien, der Amygdala und am Balken festgestellt werden.

Typische und häufige Erkrankungen des limbischen Systems

 

 

Fragen und Antworten des limbischen Systems

 

Was ist eine Lobotomie?

In der Vergangenheit wurden psychische Leiden und Auffälligkeiten mit Mitteln und Methoden behandelt, die uns eher unwahrscheinlich und suspekt erscheinen. Einige Vorgehensweise verursachen regelrecht Gänsehaut. Ein klassisches Verfahren, das oftmals in Filmen gezeigt wird, ist die sogenannte Lobotomie. Psychiatrische Fachärzte nutzten diese Therapievariante, um verschiedene geistige und seelische Störungen zu beheben.
Das Synonym Lobotomie ist hergeleitet aus den Begriffen lobós für Lappen und tomé für Schnitt. Das Ziel einer Lobotomie ist es, die ausgehend vom Frontallappen und des Thalamus zu Partien der grauen Substanz Verknüpfung durch das Beibringen tiefer Einschnitte in das Gehirn zu durchtrennen. Diese Tätigkeit wird in der Medizin als Denervieren deklariert.
Diese recht martialisch anmutende neurochirurgische Operationstechnik, die mit einem speziellen Instrument, einem eispickelartigen Leukotom wurde im Zuge der modernen Neurologie verworfen.
Die eigentlich zur Behandlung von Schmerzzuständen eingesetzte Lobotomie rief bei den Behandelten eine emotionale Abstufung sowie schwerste Depressionen, Schizophrenie, Gesichtsstarre, örtliche und zeitliche Desorientiertheit, Fieber, Apathie, Hirnblutungen mit Todesfolge.

Was ist eine Amnesie?

Amnesie heißt „ohne mein Gedächtnis“.

Beim Gedächtnisverlust funktioniert der Papez-Kreis im limbischen System nicht mehr. Es können durchaus irreparable (nicht mehr zu behandelnde) und irreversible (nicht mehr rückgängige) Beeinträchtigungen des Gedächtnisses auftreten (Beispiel Korsakow-Syndrom)
Beim Korsakow-Syndrom kommt es zu einer Schädigung des limbischen Systems durch Alkoholmissbrauch. Bei einer Amnesie können die alten Erinnerungen oder die neuen Gedächtnisinhalte oder jegliches Gedankengut nicht mehr zugänglich sein.

Ein Syndrom ist eine Ansammlung mehrerer Symptome.

Auslöser wie posttraumatischer (nach einer Verletzung, einer Gewalteinwirkung) Stress, eine multiple Persönlichkeit, Hirnschäden oder das Borderline-Syndrom können durch das Löschen von Teilen des Langzeitgedächtnisses eine retrograde (rückwirkend) oder anterograde Amnesie bedingen.

Eine retrograde Amnesie ist weitaus schlechter zu bewältigen als ein anterograder Gedächtnisverlust. Die betroffenen Personen können sich an alle Ereignisse erinnern, die vor der Zeit des Eintritts einer Schädigung des Gehirns stattfanden.
Anterograde (vorwärts gerichtete) Gedächtnisverluste beziehen sich auf ein spezielles Geschehen. Bei der anterograden Amnesie werden einzelne Inhalte des Kurzzeitgedächtnisses nicht im Langzeitgedächtnis aufgehoben werden. Das bedeutet im Alltag, dass Gedächtnisinhalte nur schwer aufzunehmen und zu behalten sind.
Patienten mit dieser Gedächtnisstörung vergessen meist ihre Vergesslichkeit. Insbesondere Daten aus dem Langzeitgedächtnis sind kaum aktualisierbar. Die Patientinnen und Patienten können ihr Leben jedoch noch selbstständig bestreiten, indem sie sich „Hilfsmittel“ schaffen.
Bei der globalen Amnesie, der am schwierigsten in den Alltag zu integrierenden Gedächtnisstörung, sind Gedächtnisinhalte bis auf lange Zeit zurück vor der Hirnstörung nicht mehr zugänglich. Dann sind beide Systeme betroffen. Die Patienten erinnern sich nicht mehr und sie können keine neuen Informationen mehr behalten. Nur die als prozedurales Gedächtnis vorliegenden ständig wiederholten Abläufe und Prozeduren sind noch verfügbar.

Der Vollständigkeit halber sollen an dieser Stelle noch die:

  • transiente globale Amnesie
  • kongrade Amnesie
  • psychogene Amnesie

erwähnt werden.

Die Problematik der Amnesie spielt eine wichtige Rolle bei den demenziellen Erkrankungen und beim Rückgang der Gedächtnisleistungen im Alter.

Was ist ein Papez-Kreis?

Hinter der Formulierung Papez-Kreis verbirgt sich eine organische Struktur, die mehrere Gehirnareale streift. Ausgehend vom Hippocampus lässt sich der Papez-Kreis über den Fornix bis zu den Corpora mamillaria verfolgen. Von dieser Position aus berührt der Papez-Kreis den Thalamus mit dem Gyrus singuli und kehrt wieder zum Hippocampus zurück. Kommt es zu Unterbrechungen des Papez-Kreises ist nicht auszuschließen, dass die Patienten nicht mehr in der Lage sind, Gedächtnisinhalte im Gehirn zu sammeln.
Es tritt ein Phänomen auf, bei dem das Vergangene noch in der Erinnerung geblieben ist, neu erworbene Gedächtnisinhalte oder Erlerntes jedoch nicht mehr abgerufen werden kann. Die Ursache dafür ist die Zerstörung des Überganges, der die Informationen vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis bringen soll. Eine solche anterograde (rückwärts gerichtete) Amnesie (Gedächtnisverlust) kann beispielsweise durch chirurgische Eingriffe, durch Unfälle und Verletzungen oder durch einen Abbau von Hirngewebe bei Demenz, Psychosen sowie durch Medikamente, Vergiftungen und Epilepsie verursacht werden.
Der Papez-Kreis oder der Neuronen-Kreis wurde nach seinem Entdecker, dem amerikanischen Neuro-Anatomen James Papez benannt.

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