Lisinopril

In der Behandlung von Bluthochdruck nimmt Lisinopril eine wichtige Position ein. Der Wirkstoff wird meist in Tablettenform angewendet und über einen längeren Zeitraum eingenommen. Es kann durch die Einnahme des Wirkstoffs häufiger zu Nebenwirkungen wie Husten, Benommenheit und Kopfschmerzen kommen.

Doch, wie wirkt Lisinopril eigentlich, wann kommt der Wirkstoff zum Einsatz und was sollte bei der Einnahme beachtet werden? Nachfolgend werden die wichtigsten Fragen zu dem Wirkstoff detailliert beantwortet.

LisinoprilWas ist Lisinopril?

Es handelt sich bei Lisinopril um einen Wirkstoff aus der Gruppe der ace-Hemmer, welche typischerweise gegen Bluthochdruck beziehungsweise einen arteriellen Bluthochdruck eingesetzt werden.

Bei Lisinopril speziell handelt es sich um einen Wirkstoff der „zweiten Generation“ der ace-Hemmer. Dieser dient zum einen dem Zweck, den Blutdruck zu senken.

Zudem dient der Wirkstoff dem Zweck, den Blutdruck durch eine Senkung langfristig zu normalisieren. Dabei kann es auch zu einer längeren Anwendung kommen, welche vom behandelnden Arzt festgelegt wird.

Des Weiteren dient Lisinopril der kurzfristigen Behandlung bei einem Herzinfarkt. Hier liegt der Zweck auch darin, nach einem Herzinfarkt einen krankhaften Umbau des Herzens zu verhindern.

Der Einsatz bei einer Herzschwäche beziehungsweise Herzinsuffizienz kann ebenfalls erfolgen. Lisinopril dient hier insbesondere dem Zweck, das Herz bei einer Muskelschwäche zu entlasten.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Senkung des Blutdrucks bei einem vorliegenden Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Entlastung des Herzens bei einer Herzmuskelschwäche
  • Verhinderung des krankhaften Umbaus des Herzens nach einem Herzinfarkt

Allgemeines

Allgemeines
NameLisinopril
Andere Namen
  • (all-S)-1-[6-Amino-2-(1-carboxy-3-phenyl-propyl)amino-hexanoyl]pyrrolidin-2-carbonsäure (Dihydrat)
  • (all-S)-1-{6-Amino-2-[(1-carboxy-3-phenylpropyl)amino]hexanoyl}pyrrolidin-2-carbonsäure (IUPAC)
SummenformelC21H31N3O5
Wirkstoffklasseace-Hemmer

Wirkungsweise

So wirkt Lisinopril

Gelangt der Wirkstoff Lisinopril in den Blutkreislauf, so sorgt dieser hier für die Hemmung von ace – dabei handelt es sich wiederum um ein Enzym, welches für die Umwandlung von Angiotensin I zu Angiotensin II verantwortlich ist.

Angiotensin II ist ein Botenstoff, welcher die Verengung der Gefäße verursacht. Verengte Gefäße führen wiederum zu Bluthochdruck.

Da Lisinopril allerdings die Umwandlung von Angiotensin I zu Angiotensin II hemmt, wird diese gefäßverengende Wirkung unterdrückt, wodurch sich der Blutdruck wiederum nicht steigern kann. Durch die ace-Hemmung wird also gegen den Bluthochdruck angewirkt.

Neben der Hemmung der Bildung von gefäßverengenden Botenstoffen sorgt Lisinopril gleichzeitig für die Bildung von gefäßerweiternden Botenstoffen, welche auch unter dem Namen Bradykinin bekannt sind.

Dadurch wird die blutdrucksenkende Wirkung nochmals verstärkt und zugleich für die Entlastung des Herzens gesorgt.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung von Lisinopril

In der Regel wird Lisinopril oral über Filmtabletten eingenommen und löst sich im Magen auf. Anschließend gelangt der Wirkstoff in den Darm, wo dieser in den Blutkreislauf aufgenommen wird. Danach verteilt sich der Wirkstoff über den Blutkreislauf im gesamten Körper.

Die Wirkungsdauer beträgt hier circa 24 Stunden. Da Lisinopril nicht verstoffwechselt wird, erfolgt die Ausscheidung anschließend in unveränderter Form über das Urin.


Anwendungsgebiete

Die Anwendung von Lisinopril erfolgt bei Bluthochdruck, der kurzzeitigen Behandlung von einem Herzinfarkt, einer Herzinsuffizienz und Diabetes mellitus Typ 2.

Wann wird Lisinopril eingesetzt?

Am häufigsten wird Lisinopril bei einer vorliegenden Hypertonie beziehungsweise Bluthochdruck eingesetzt. Hier sorgt der Wirkstoff neben einer sofortigen Senkung des Blutdrucks auch für eine langfristige Normalisierung des Blutdrucks.

Durch seine Wirkungsweise trägt Lisinopril dazu bei, dass sich der Blutdruck nicht mehr erhöhen kann.

Bei einer Herzmuskelschwäche wird der Wirkstoff typischerweise im Anfangsstadium eingesetzt. Hier ist der Wirkstoff noch stark genug, um alleine eingesetzt werden. Mit dem Fortschritt der Herzmuskelschwäche erfolgt allerdings meist eine kombinierte Behandlung mit Betablockern oder weiteren Arzneimitteln.

Außerdem wird Lisinopril nach einem Herzinfarkt hauptsächlich eingesetzt, um einen krankhaften Umbau des Herzens zu verhindern – hier kann auch eine kurzzeitige Behandlung innerhalb von 24 Stunden nach einem Herzinfarkt erfolgen, welche einige Wochen in Anspruch nimmt.

Zuletzt erfolgt auch eine Behandlung von Nierenerkrankungen bei Bluthochdruck-Patienten, welche an Diabetes mellitus Typ 2 leiden.


Richtige Anwendung

Da es sich bei Lisinopril um einen ACE-Hemmer handelt, darf dieser zu keinem Zeitpunkt unter Selbstmedikation angewendet werden. Für die Anwendung wird stets eine ärztliche Untersuchung und Beratung vorausgesetzt.

So wird Lisinopril angewendet

Angewendet wird Lisinopril in der Regel in Form von Filmtabletten, welche eine unterschiedliche Konzentration des Wirkstoffes beinhalten können. Je nach Grund der Anwendung nehmen die Patienten eine Dosis von 10 bis 80 mg des Wirkstoffes pro Tag ein.

Aufgrund des langen Wirkungszeitraums muss der Wirkstoff nur einmal pro Tag eingenommen werden – jedoch sollte der Wirkstoff stets zur gleichen Tageszeit mit einem Glas Wasser eingenommen werden. Dabei schränkt Nahrung nicht die Wirkung von Lisinopril ein.


Medikamente

Lisinopril wird in Form von Tabletten oder Filmtabletten von unterschiedlichen Herstellern angeboten. Die Medikamente können sich dabei in ihrer Wirkstoffkonzentration sowie in ihrer Zusammensetzung unterscheiden.

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Lisinopril?

  • Acerbon Tabletten (2,5, 5, 10 und 20 mg)
  • Lisi-Puren Tabletten (2,5, 5, 10 und 20 mg)
  • Lisi-Lich Filmtabletten (2,5, 5, 10 und 20 mg)
  • Lisi-Hennig Tabletten (5, 10 und 20 mg)
  • Lisi-Hexal Tabletten (2,5, 5, 10 und 20 mg)
  • Lisibeta Tabletten (5 mg)
  • Lisigamma Tabletten (2,5, 5, 10 und 20 mg)
  • CT Lisinopril Tabletten (2,5 und 5 mg)
  • Heumann Lisinopril Tabletten (2,5, 5, 10 und 20 mg)

Handelsnamen

Monopräparate

Als Monopräparat ist Lisinopril unter folgenden Handelsnamen bekannt:

  • Acerbon
  • Acemin
  • Acetan
  • Prinil
  • Zestril

Kombinationspräparate

Als Kombinationspräparat ist Lisinopril unter folgenden Handelsnamen bekannt:

  • Acelisino
  • Acercomp
  • Co-Acetan
  • Prinzide
  • Zestoretic

Indikationen

Bluthochdruck stellt eine der Indikationen für eine Behandlung mit Lisinopril dar – dieser wird bei einer Messung des Blutdrucks festgestellt.

Außerdem stellen eine Herzschwäche beziehungsweise sämtliche Arten einer Herzinsuffizienz Indikationen für die Behandlung mit dem Wirkstoff dar. Gleiches gilt für das Vorliegen von Diabetes mellitus Typ 2 bei einem gleichzeitigen Bluthochdruck sowie einer Nierenerkrankung.


Gegenanzeigen

Wann darf Lisinopril nicht verwendet werden?

Eine Anwendung von Lisinopril darf nicht erfolgen, wenn eine Überempfindlichkeit gegen sämtliche Arten von ACE-Hemmern vorliegt. Durch diese kann es nämlich zu schweren Nebenwirkungen kommen.

Weiterhin darf der Wirkstoff nicht eingenommen werden, wenn zuvor eine Gesichtsschwellung beziehungsweise ein Angioödem vorlag, ein zu niedriger Blutdruck vorhanden ist oder ein primärer Hyperaldosteronismus vorliegt.

Außerdem ist die Einnahme von Lisinopril bei einem Herzklappenfehler, Herzmuskelerkrankungen mit einer Vergrößerung des Herzens sowie bei Patienten nach einem akuten Herzinfarkt mit weiteren Beschwerden zu vermeiden.

Des Weiteren dürfen zuckerkranke Patienten mit einer eingeschränkten Nierenfunktion, welche den Blutdrucksenker Aliskiren einnehmen, den Wirkstoff nicht einnehmen.

Gleiches gilt für Patienten mit einer verpflanzten Niere, einer Verengung der Nierenarterien oder mit nur einer gesunden Niere.

Ausgeschlossen von der Anwendung des Wirkstoffes sind darüber hinaus Schock-Patienten und Patienten, welche eine regelmäßige Dialyse benötigen.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Während der Schwangerschaft darf auf keinen Fall eine Einnahme von Lisinopril erfolgen, denn diese kann in Schäden des ungeborenen Kindes resultieren. Gleiches gilt für die Stillzeit, denn der Wirkstoff kann in die Muttermilch gelangen und stellt eine Gefahr für den Säugling dar.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Nur falls dringend notwendig, kann eine Anwendung von Lisinopril bei Kindern erfolgen. Diese wird grundsätzlich nur in Einzelfällen durchgeführt und muss unter Rücksprache mit einem Arzt erfolgen. In der Regel erfolgt jedoch keine Anwendung des Wirkstoffes bei Kindern.


Risiken & Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Lisinopril?

Natürlich kann auch die Einnahme von Lisinopril zu gewissen Risiken und Nebenwirkungen führen, welche sich in jedem individuellen Fall auf unterschiedliche Art und Weise zeigen können.

Häufige Nebenwirkungen

Häufiger kommt es durch die Einnahme von Lisinopril zu Nebenwirkungen, welche sich in einem Abfall des Blutdruckes zu Beginn der Einnahme bemerkbar machen. Dieser sorgt wiederum für ein Schwindelgefühl, Schwäche sowie Sehstörungen.

Außerdem kommt es durch die Einnahme von Lisinopril häufig zu:

Gelegentliche Nebenwirkungen

Gelegentlich können sich durch die Einnahme von Lisinopril Symptome einer Erkältung bemerkbar machen. Zu diesen zählen unter anderem:

Gelegentlich kommt es außerdem noch zu folgenden Nebenwirkungen:

  • Allergische Reaktionen an der Haut
  • Anstieg der Blutkalium-Konzentrationsanstieg
  • Blutharnstoff-Konzentrationsanstieg
  • Blutkreatinin-Konzentrationsanstieg
  • Blutnatrium-Konzentrationsabfall
  • vermehrte Eiweißausscheidung im Urin
  • Weiße Blutkörperchen-Mangel
  • Rote Blutkörperchen-Mangel
  • Blutplättchen-Mangel
  • Blutarmut

Seltene Nebenwirkungen

Selten treten kommt es durch die Einnahme von Lisinopril zu Nebenwirkungen wie:

Darüber hinaus zählen Lungeninfiltrate, Mundschleimhautentzündungen, Entzündungen der Zunge und Mundtrockenheit zu den selten auftretenden Nebenwirkungen.

Sehr seltene und vereinzelte Nebenwirkungen

Nur in sehr seltenen Fällen kann es zu Nebenwirkungen wie:


Wechselwirkungen

Wechselwirkungen, welche bei der Einnahme von Lisinopril mit anderen Arzneimitteln auftreten, sollten nicht unterschätzt werden und können zu schweren Nebenwirkungen führen. Je nach Arzneimittel können sich diese auf unterschiedliche Art und Weise bemerkbar machen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Lisinopril?

Zu Wechselwirkungen kann es unter anderem bei der Einnahme von Lithium kommen, da Lisinopril die Ausscheidung von Lithium hemmen kann.

Bei einigen Wirkstoffen kann es außerdem zu einer Verstärkung des Blutdruckabfalls kommen. Dies ist unter anderem der Fall bei Baclofen, Entwässerungsmitteln, Amifostin, Schmerzmitteln sowie Narkose – und Beruhigungsmitteln.

Alkohol sollte ebenfalls nicht zusammen mit dem Wirkstoff konsumiert werden, da der ACE-Hemmer die Wirkung von Alkohol verstärkt – gleichzeitig verstärkt Alkohol auch die Wirkung von Lisinopril.

Die Wirkung von Lisinopril fällt wiederum schwächer aus, wenn Antazida, Sympathomimetika, Kochsalz, Schmerzmittel und Antiphlogistika eingenommen werden.

Schmerzmittel und Antiphlogistika führen außerdem gleichzeitig zu einer schwächeren Durchblutung der Nieren.

Bei der Einnahme von kaliumsparenden Entwässerungsmitteln und Kaliumersatzmitteln kann es zu Wechselwirkungen kommen, welche sich in einer Erhöhung der Kaliumkonzentration im Blut bemerkbar machen.

Glukokortikoide, Procainamid, Allopurinol, Arzneimittel gegen Krebs sowie Immunsuppressiva erhöhen wiederum das Risiko für einen Mangel an weißen Blutkörperchen.

Darüber hinaus kann es bei der Einnahme von oralen Antidiabetika oder Insulin zu einer Verstärkung der blutdrucksenkenden Wirkung dieser Arzneimittel kommen. Grundsätzlich sollten alle hier genannten Mittel nicht zusammen mit Lisinopril eingenommen werden.


Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Lisinopril zu beachten?

Zunächst sollte bei der Einnahme von Lisinopril stets auf die tägliche Dosis geachtet werden. Wird diese überschritten, so können schwere Nebenwirkungen auftreten, welche unter anderem auch lebensbedrohlich ausfallen können.

Zudem sollte die Anwendung bei zuckerkranken Patienten mit besonderer Vorsicht stattfinden, da diese auf ACE-Hemmer wie Lisinopril meist empfindlicher reagieren.

Beachtet werden sollte auch, bei starken Nebenwirkungen sofort einen Arzt aufzusuchen. Werden andere Medikamente zusammen mit Lisinopril eingenommen, so muss dies stets im Voraus mit dem behandelnden Arzt abgeklärt werden.

Darüber hinaus darf die Anwendung von Lisinopril in keinem Fall unter Selbstmedikation geschehen. Beachtet werden sollte zudem, dass während der Behandlung mit Lisinopril eine stetige Kontrolle der Laborwerte des Herzens, der Leber und der Nieren erfolgen muss.


Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Lisinopril

Alle Medikamente, welche den Wirkstoff Lisinopril enthalten, sind rezeptpflichtig, da die Behandlung mit Lisinopril regelmäßigen Arztbesuchen unterliegt. Somit muss Lisinopril von einem Arzt verschrieben werden und ist nicht frei verkäuflich.


Geschichte

Seit wann ist Lisinopril bekannt?

ACE-Hemmer wie Lisinopril sind seit den 1980er Jahren bekannt und im Einsatz. Angeboten wird Lisinopril heute von verschiedenen Herstellern weltweit. Ursprünglich begann die Entwicklung der ACE-Hemmer in den 1950er Jahren – über die Jahrzehnte wurden diese immer weiterentwickelt, bis eine Anwendung möglich war.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Es sollte bei der Anwendung von Lisinopril stets beachtet werden, dass der Wirkstoff zu einem starken Blutdruckabfall führen kann. Gerade vor Operationen sollte der Chirurg daher über die Anwendung von Lisinopril unterrichtet werden.

Zudem sollte beachtet werden, dass es unmittelbar nach der Anwendung von Lisinopril zu Nebenwirkungen wie Schwindel und Müdigkeit kommen kann. Fahrzeuge und Maschinen sollten beim Auftreten dieser Nebenwirkungen nicht betätigt werden.


Quellen

  • Herdegen, T.: Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2010
  • Europäisches Arzneibuch PhEur
  • Joos, L: Pharmakologie aktiv, Govi-Verlag, 1. Auflage, 2009
  • Arzneimittel-Fachinformation (CH, D, USA)
  • Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin
  • Mutschler, E.: Arzneimittelwirkungen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 10. Auflage, 2013
  • Lennecke, K. et al.: Selbstmedikation für die Kitteltasche, Deutscher Apotheker Verlag, 5. Auflage, 2012

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