HELLP-Syndrom

Steckbrief: HELLP Syndrom

  • Name(n): HELLP-Syndrom
  • Art der Krankheit: schwere Schwangerschaftvergiftung; hypertensive Störung
  • Verbreitung: weltweit
  • Erste Erwähnung der Krankheit: 1982
  • Behandelbar: ja
  • Art des Auslösers: Schwangerschaft
  • Wieviele Erkrankte: 1 bis 2 von 300 Schwangerschaften
  • Welchen Facharzt sollte man aufsuchen: Gynäkologe
  • ICD-10 Code(s): ICD-10-GM-2017 o14.2

HELLP-Syndrom frühzeitig erkennen

Es gilt als eine der gefährlichsten Erkrankungen während der Schwangerschaft und beschreibt eine hypertensive Störung, die für Mutter und Kind lebensgefährlich werden können: Das HELLP-Syndrom.

Die Abkürzung steht für „Hemolysis“ (Hämolyse), „Elevated Liver Enzymes“ (bezeichnet erhöhte Leberwerte) und „Low Platelets“ (eine zu geringe Anzahl an Blutplättchen). Kurz: HELLP.

Was bedeutet dies im Einzelnen und welche Frauen sind während der Schwangerschaft besonders gefährdet? Außerdem: Was macht das HELLP-Syndrom so gefährlich und wie erkennt man es frühzeitig?


Definition HELLP-Syndrom

Es passiert relativ häufig, dass es während einer Schwangerschaft zu einer so genannten Präeklampsie kommt. Rund 2 bis 3 Prozent aller Schwangeren entwickeln das, was auch als Schwangerschaftsvergiftung bezeichnet wird.

Dabei entsteht immer ein erhöhter Blutdruck und es bildet sich Eiweiß im Urin (Proteinurin). In etwa einem Drittel der Fälle erhöhen sich außerdem die Leberwerte. Die Symptome werden für Mutter und ihr ungeborenes Kind zur Lebensgefahr.

Heilung bietet lediglich die Beendigung der Schwangerschaft – also die Geburt. Der Körper der Mutter heilt sich dann in der Regel schnell und unkompliziert selbst. Das HELLP-Syndrom beschreibt eine besonders schwere Form der Präeklampsie.
Von jenen Frauen, die unter einer Präeklampsie leiden, entwickeln 4 bis 12 Prozent das HELLP-Syndrom.

Grundsätzlich können alle Schwangeren davon betroffen sein und werden unter anderem deshalb im Laufe der Schwangerschaft relativ engmaschig kontrolliert. Lebengefahr entsteht durch eine rasche Verschlechterung des Zustandes der Mutter. Es drohen Nierenversagen, Lungenödem und Hirnblutung. Nach der Diagnose ist schnelles ärztliches Handeln unerlässlich.


Was ist das HELLP-Syndrom?

Das HELLP-Sydrom ist eine schwere Erkrankung während der Schwangerschaft, die sogar zum Tod führen kann. Vielleicht hat sich die ein oder andere Schwangere schon einmal gefragt, weshalb sie bei jedem Arztbesuch Urin abgeben muss und wieso ihr Blutdruck immer gemessen wird. Der Grund hierfür ist ein möglichst frühzeitiges Erkennen einer Schwangerschaftsvergiftung bzw. der schwersten Form davon, dem HELLP-Syndrom.

Es kündigt sich nicht lange vorher an und kann mitunter ziemlich plötzlich auftreten. Auch muss der Blutdruck nicht immer schon lange vorab erhöht gewesen sein, wenn er unerwartet in die Höhe schnellt.

Definiert wird eine Präeklampsie durch einen erhöhten Blutdruck ab 140/90. Stellt eine gynäkologische Praxis die fest, eventuell noch in Kombination mit Eiweiß im Urin, muss eine Einweisung in die Geburtsklinik erfolgen. Da die Heilung lediglich durch die Beendigung der Schwangerschaft erfolgen kann, ist es von Vorteil, wenn diese schon weit fortgeschritten ist. Ist die nicht der Fall, droht eine Frühgeburt.

Wie nach der Diagnose exakt vorgegangen wird, hängt immer sehr stark vom Einzelfall ab. Teilweise kann der ungeborene Baby weiterhin im Mutterleib verbleiben während die Mutter in einer Klinik fast rund um die Uhr überwacht wird. In anderen Fällen ist die Gefahr für die Mutter so groß, dass die Geburt eingeleitet werden muss. Je kritischer der mütterliche Zustand, desto eher ist ein sofortiger Kaiserschnitt das Mittel zur Wahl. Droht eine Blutgerinnung durch einen immer niedriger werdenden Fibrinogen-Wert, ist diese Maßnahme lebensrettend.

Aber auch das Baby kann im Mutterleib unterversorgt werden. Kommt es zu einer Mangelversorgung des Babys, so ist eine Geburtseinleitung nicht mehr abzuwenden.


Welche Ursachen gibt es?

Eine familiäre Vorbelastung erhöht das Risiko um etwa 25 %. So sollten Schwangere sich informieren, ob beispielsweise ihre eigene Mutter eine Gestose im Laufe ihrer Schwangerschaft entwickelt hat. Auch Schwestern und Tanten sollten einmal zu ihrem Schwangerschaftsverlauf, vor allem zu ihrem Blutdruck, befragt werden.

Wer sich dem erhöhten Risiko bewusst ist, achtet verstärkt an eventuelle Anzeichen, die mitunter lebenswichtig sind. Trotzdem sollten sich alle Frauen darüber im Klaren sein, dass eine Schwangerschaftsvergiftung auftreten kann.

Es gibt einige Ursachen, außer das vorbestimmte, genetische Risiko, die als Auslöser für eine Präeklampsie und somit auch für das HELLP-Syndrom gelten:

  • Seelische Belastungen,
  • Stress,
  • chronischer Bluthochdruck,
  • familiäre Vorbelastungen und
  • Neigung zu Blutgerinseln bzw. Thrombose,

Aber nicht jede Schwangere, die unter hohem Blutdruck leidet, entwickelt zwangsläufig eine Schwangerschaftsvergiftung oder gar das HELLP-Syndrom. Aber sie muss in jedem Fall sehr engmaschig kontrolliert werden und die Entwicklung ihres Blutdrucks im Auge behalten. Es empfiehlt sich, diese zu Hause tagtäglich selbst zu messen und vor allem auf alle anderen Symptome verstärkt zu achten.

Sowohl den Blutdruck als auch das Eiweiß im Urin können ohne den Besuch der betreuenden Praxis daheim kontrolliert werden. Wer sich unwohl fühlt und Angst vor einem immer weiter steigenden Blutdruck hat, sollte aber schleunigst die betreuende Arztpraxis aufsuchen.


Symptome & Anzeichen

Jede Schwangere sollte darüber aufgeklärt werden, womit sie eventuell zu rechnen hat, wenn eine Präeklampsie vorliegt, damit sie im Ernstfall reagieren kann.

Typische Anzeichen für ein entstehendes HELLP-Syndrom sind:

  • erhöhter bis hoher Blutdruck (ab 140/90),
  • Eiweiß im Urin,
  • Schwindelgefühle,
  • plötzliche starke Kopfschmerzen,
  • Schmerzen im rechten Oberbauch (ausstrahlend von der Leber),
  • angeschwollene Arme und Beine,
  • Sehstörungen sowie
  • teilweise auch Übelkeit und Erbrechen

Es kann sein, dass die Symptome nie zuvor da waren und sehr plötzlich auftreten. Auch ist es üblich, dass sich der Zustand der Mutter innerhalb sehr kurzer Zeit verschlechtert. Wer ein oder zwei Symptome erkennt, sollte zwingend einen Arzt aufsuchen.

Am Wochenende empfiehlt es sich keinesfalls bis zum Montag zu warten, wenn einige dieser Anzeichen auftreten. Auch wenn viele Schwangere oft übervorsichtig sind, kann dies im Falle des eventuellen HELLP-Syndroms lebensrettend sein. Ein Krankenhaus ist dann die einzig richtige Anlaufstelle, wenn der Blutdruck in die Höhe schnellt und Schmerzen im rechten Oberbauch auftreten.

Es lässt sich nicht pauschal sagen, dass es einige Stunden dauert bis ernsthafte Lebensgefahr besteht. Oft entscheiden wenige Minuten über die Gesundheit von Mutter und Kind. Wer Fälle von Schwangerschaftsvergiftung in der eigene Familie hat, geht lieber einmal zu früh als einmal zu wenig zum Arzt und sollte auf eine engmaschige Kontrolle bestehen.

Grundsätzlich bestehen eher keine Beschwerden vor oder nach Auftreten des HELLP-Syndroms. Auch wenn der Blutdruck schon zuvor erhöht war, so verursacht dieser Umstand meist keine Beschwerden. Die Betroffenen fühlen sich trotz hohem Blutdruck meist gut. Umgekehrt erzeugt zu Niedriger Blutdruck oft starke Beschwerden. Und exakt das ist das Tückische: Beschwerden spüren die Betroffenen Frauen oft erst dann, wenn die Erkrankung schon relativ weit fortgeschritten ist. Dann sollte von jeder Form der Selbstbehandlung abgesehen werden.

In seltenen Fällen tritt eine Schwangerschaftsvergiftung auch nach der Entbindung auf, ist dann aber kein HELLP-Syndrom, sondern wird als Präeklampsie bezeichnet. Es handelt sich um eine Komplikation im Wochenbett.


Diagnose & Krankheitsverlauf

Um das HELLP-Syndrom eindeutig feststellen zu können, werden die Blutwerte im Labor untersucht. Die Leberwerte sind erhöht, die Thrombozyten und das Fibrinogen allerdings ist niedriger als gewöhnlich. Die Gefäße können geschädigt werden, im schlimmsten Fall kommt es zu Blutungen der Leber. Der Körper der Schwangeren reagiert dann mit der Ablösung der Plazenta, was wiederum spätestens dann für das Ungeborene zur Lebensgefahr wird, denn es droht unterversorgt zu werden.

Das Blut liefert meist sehr eindeutig Anzeichen für das HELLP-Syndrom. Die Schwangere selbst allerdings muss auf die äußeren Symptome achten.

Der Krankheitsverlauf kann innerhalb nur weniger Stunden zu einer massiven Verschlechterung bis hin zur Lebensgefahr führen.

Selbst bei einer Betreuung in der Klinik, lässt sich eine Schwangerschaftsvergiftung nur sehr schwer kontrollieren. Meist wird daher nach der 32. Schwangerschaftswoche eine Geburt eingeleitet, sofern die Mutter hierfür noch Kräfte aufbringen kann. Ansonsten wird ein Kaiserschnitt durchgeführt. Dieser ist außerdem auch unumgänglich, wenn akute Lebensgefahr für Mutter und Kind besteht. Vor der 32. Schwangerschaftswoche muss individuell entschieden werden, wie weiter verfahren wird. Das hängt auch davon ab, wie gut oder schlechte das Baby im Mutterleib versorgt wird.

Den meisten Schwangeren fällt sicherlich zunächst ein schmerzhafter Oberbauch auf, außerdem immer dicker werdende Arme und Beine. Was zunächst wie Wassereinlagerungen erscheinen mag, kann aber auch auf eine gefährliche Gerinnungsstörung hinweisen. Alleine diese Kombination der Beschwerden erfordert schnelles Handeln: Ab zum Arzt!


Häufigkeit & Diagnosedaten

Nur etwa 1 bis 2 von 300 Schwangeren ist vom HELLP-Syndrom betroffen. Auch wenn das zunächst nicht viel erscheint, ist es wiederum auch nicht so selten, dass es extrem unwahrscheinlich ist, daran zu erkranken.

Wer außerdem Vorerkrankungen aufweist, muss wachsam sein. Für zu Hause empfiehlt sich ein Blutdruckmessgerät, wenn dieser sich immer schon am oberen Rand befindet (unabhängig von der Schwangerschaft).

Allerdings ist es auch nicht sinnvoll, mit erhöhtem Blutdruck und einer genetischen Vorbelastung die gesamte Schwangerschaft über starke Ängste zu erleiden. Es sei erwähnt, dass selbst bei aufgetretenem HELLP-Syndrom in fast allen Fällen früh genug Hilfe geleistet wird, so dass nur sehr wenige Fälle tatsächlich zum Tod von Mutter und/oder Kind führen.

Statistisch ist das Risiko, am HELLP-Syndrom zu erkranken, erhöht, je älter die werdende Mutter ist. Ab dem 35. Lebensjahr wird davon pauschal auch von einer so genannt Risikoschwangerschaft gesprochen, weil die Risiken für bestimmte Komplikationen im Laufe der Schwangerschaft erhöht sind.


Komplikationen bei der Krankheit

Eine Präeklampsie alleine ist nicht allzu problematisch, wenn sie kontrolliert und im Fall einer Verschlechterung schnell reagiert wird. Sie tritt bei fast 10 Prozent aller Schwangerschaften auf. Auch die Symptome des HELLP-Syndroms sind, einzeln betrachtet, noch kein Grund zur Panik.

Kompliziert wird die Krankheit dann, wenn sie außer Kontrolle gerät und der Körper so reagiert, wie es reagiert, wenn er Vergiftungserscheinungen zeigt. Im schlimmsten Fall droht ein Leberversagen, nachdem sich dort Ödeme gebildet haben. Hirnblutungen sind außerdem möglich, die schwere Schäden hinterlassen können.

Betroffene sollten auch darauf achten, ob sich ihre Hautfarbe leicht gelblich verfärbt. Das ist ein erstes Zeichen für ein bevorstehendes Leberversagen.

Außerdem bestehen weitere Risiken durch:

  • eine Unterversorgung des Ungeborenen (durch eine Ablösung der Plazenta),
  • schlechter, weil nicht reifer Zustand des Babys, wenn die Geburt früh eingeleitet werden muss,
  • Verletzung der inneren Gefäße und -wände

Eine schnelle Versorgung des Babys ist nach der Geburt ebenso wichtig wie die sofortige medizinische Behandlung der Mutter. Überwiegend bessern sich die Symptome allerdings innerhalb sehr kurzer Zeit nach der Entbindung von selbst. Nach der Entbindung kommt es nur sehr selten zu Komplikationen.

Die Psyche der Schwangeren sollte nicht außer Acht gelassen werden, denn wer selbst Todesangst erlebt hat und um das Leben seines Kindes fürchten musste, hat ein traumatisches Erlebnis überstanden. Auch wenn es bald Entwarnung gibt und alles schnell überstanden scheint, so kann oft ein seelischer Schaden zurück bleiben, der behandelt werden muss. Wer gerade eben so noch vor dem Tod gerettet werden konnte, darf mit dem Erlebten nicht einfach alleine gelassen werden. Eine Betreuung nach der Geburt ist sicherlich notwendig.


Wann sollte man zum Arzt Gehen?

Sobald Beschwerden im rechten Oberbauch erscheinen, ist höchste Vorsicht gegeben. Oft schmerzt die betreffende Stelle auch von außen und kann außerdem zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen.

Spätestens wenn Arme und Beine besonders dick erscheinen, Schwindel und Kopfschmerzen auftreten, muss die Klinik aufgesucht werden.

Ist eine werdende Mutter alleine und kann niemanden finden, der sie in die Klinik fährt, so sollte umgehend ein Rettungswagen gerufen werden. Wer sich unsicher ist kann auch vorab in der Klinik anrufen und sich ärztlichen Rat einholen.

Es ist allerdings dringen davon abgeraten, mit starken Schmerzen und aufgetretenen Symptome noch selbst im Auto zur Klinik zu fahren. Das Fahren des Autos ist durch den Schwindel und die Schmerzen stark beeinträchtigt.

Kommt einem selbst im Verlauf der Schwangerschaft der eigene Blutdruck immer erhöht vor und es findet sich immer wieder Eiweiß im Urin, sollte auf eine Untersuchung der Blutwerte bestanden werden. Wer sich nicht gut und ausreichend betreut fühlt, kann sich auch immer eine ärztliche Zweitmeinung einholen.


Behandlungsmethoden & Therapie

Wurde eindeutig festgestellt, dass es sich um das HELLP-Syndrom handelt, so gibt es nur eine einzige Behandlungsmethode: Die Geburt.

Da der Zustand der Schwangerschaft selbst für die Vergiftungserscheinungen der Mutter sorgen, kann nur eine Beendigung der Schwangerschaft für Heilung sorgen. Ist der mögliche gesundheitliche Schaden so groß, dass der mütterliche Zustand außer Kontrolle gerät, muss die Geburt als ausgelöst bzw. die Schwangerschaft beendet werden.

Eine Schwangerschaftsvergiftung tritt allerdings meist nicht in einem sehr frühen Stadium auf, so dass die Mutter sich meist bereits zwischen der 25. und 40. Schwangerschaftswoche befindet und das Ungeborene prinzipiell lebensfähig wäre. Jedenfalls ist das theoretisch der Fall. In der Realität ist natürlich immer individuell zu prüfen, wie groß und schwer das Baby bereits ist und ob ein Leben außerhalb des Mutterleibs möglich wäre.

Entscheidend ist, wie gut das Baby die letzten Woche versorgt wurde.

Mit Medikamenten lassen sich Blutdruck und Gerinnungsstörungen der Mutter außerdem gut in den Griff bekommen. So kann durchaus abgewartet werden, bis das ungeborene Baby gewisse Reife entwickelt hat und somit Risiken nach der Geburt minimieren. Das setzt allerdings voraus, dass die Mutter in der Klinik rund um die Uhr überwacht wird. Es ist unerlässlich, dass hierfür wenigstens einmal, eher zweimal täglich die Blutwerte untersucht werden und die Herztöne des Babys über das CTG ständig kontrolliert werden.

Abwarten kann eine Klinik allerdings nur dann, wenn der Zustand der Mutter noch nicht lebensgefährlich ist. Und klar sollte auch sein, dass der vermeintlich stabile Zustand jederzeit kippen kann und innerhalb weniger Minuten plötzlich doch ein Not-Kaiserschnitt gemacht werden muss.


Vorbeugung – Impfung & Prävention

Wer grundsätzlich immer schon unter hohem Blutdruck litt, wird diesen in der Schwangerschaft kaum senken können. Eher wird er gerade dann noch höher werden. Seit einigen Jahren gibt es allerdings einen Bluttest, mit dem ermittelt werden kann, ob ein stark erhöhtes Risiko einer Schwangerschaftsvergiftung bei der Mutter vorliegt oder nicht. Das bringt im Ernstfall Erleichterung – Oder erzeugt bei der Mutter erst recht Stress.

Es hat sich gezeigt, dass ausgewogene und gesunde Ernährung sind auch positiv auf den Blutdruck auswirken. Die Schwangere sollte sich außerdem schonen und viel liegen. Ausruhen muss nun an oberster Stelle stehen, auch wenn es zunächst übertrieben erscheint. Jeglicher Stress und auch die kleinste Aufregung können den Gesundheitszustand schnell verschlechtern.

Grundsätzlich lässt sich der erhöhte Blutdruck und eine leichte Form der Schwangerschaftsvergiftung in den Griff bekommen durch:

  • Verzicht auf Alkohol und Nikotin (was eine schwangere im Normalfall ohnehin tut),
  • viel Bettruhe
  • viel Wasser trinken sowie
  • wenig Bewegung und erst recht kein Sport

Trotzdem kann es sein, dass eine Schwangere alles einhält, sich schont, gesund lebt und dennoch einen immer höheren Blutdruck bekommt. Die Ursache ist dann meist genetischer Natur und kaum zu beeinflussen. Wichtig ist, dass die werdende Mutter dann keinesfalls Schuldgefühle entwickelt.

Es gibt keine Möglichkeit, sich wirklich gegen das HELLP-Syndrom zu schützen. Wer vorbelastet ist, trägt keine Schuld daran, wenn das ungeborene Baby nur schlecht versorgt wird oder gar sehr viel früher als gewünscht auf die Welt kommen muss.

Eine Impfung gegen das HELLP-Syndrom gibt es nicht. Und weil es kaum Schutzmaßnahme gibt, ist die Kontrolle die einzige Möglichkeit Mutter und Kind vor schweren Komplikationen zu schützen.


Prognose zur Heilung

Die Prognose zur Heilung ist gut. Das liegt allerdings auch daran, dass es im Prinzip nur ein Mittel zur Heilung gibt: Die Geburt. Fast alle Frauen erholen sich danach sehr schnell und können auch schon bald selbstständig ihr Baby versorgen. Nach der Geburt müssen sie trotzdem noch eine zeitlang medizinisch überwacht werden, um Komplikationen ausschließen zu können.

Auch für das Baby ist eine schnell eingeleitete Geburt oft die bessere Variante. Im Mutterleib droht ihnen Unterversorgung.

Eine Heilung der Krankheit ohne eine Geburt ist nicht möglich. Lediglich die Symptome können kontrolliert werden, der Zustand von Mutter und Kind wird permanent überwacht. Das aber führt nur zu einer Erhaltung der Schwangerschaft zum Schutz des Säuglings und dient nicht der Mutter.

Der Mutter selbst geht es erst wieder besser, wenn ihr Baby geboren wurde. Zeit für das Baby zu gewinnen, in dem es weiterhin reifen kann, bedeutet im Umkehrschluss, dass der Mutter körperlich viel zugemutet wird, denn es geht ihr in der Regel weiterhin sehr schlecht. Trotzdem kann für ein Baby in einer frühen Geburtswoche jeder einzelne tag entscheidend für seine Überlebensprognose sein.

Für die Mütter ist dieser Zustand oft sehr schlimm. Sie sorgen sich in erster Linie aber nicht um ihre eigene Gesundheit, sondern um die ihres Babys und wissen zeitgleich trotzdem, dass es ihnen selbst erst besser gehen wird, wenn ihr Kind (oft zu früh) geboren wurde.


Die Vorsorge beim Frauenarzt ist wichtig

In der gynäkologischen Praxis werden Schwangere regelmäßig einberufen. Den meisten Schwangeren gehen die ständigen Untersuchungen ihres Blutes, des Urins und des Blutdrucks vielleicht auf die Nerven und sie möchten nicht ständig Werte und Daten lesen, sondern eher seltener zum Arzt gehen.

Grundsätzlich ist die Vorsorge beim Frauenarzt während der Schwangerschaft keine Pflicht. Jede Schwangere hat das Recht auf eine umfassende medizinische Betreuung, muss diese aber nicht wahrnehmen. Theoretisch könnte sich eine Schwangere auch von ihrer Hebamme betreuen lassen und müsste keinen Arzt aufsuchen. Aber auch in diesem Fall ist zwingend zu empfehlen, dass Blutdruck und Urin regelmäßig kontrolliert werden.

Wem die Abstände der Vorsorgeuntersuchungen zu lange dauern, kann den eigenen Gesundheitszustand auch zu Hause kontrollieren. Das Blut kann natürlich nicht selbst ausgewertet werden, Urin und Blutdruck aber schon. Letzteres empfiehlt sich sogar, wenn man in der Vergangenheit bereits immer wieder unter erhöhtem Blutdruck gelitten hat.

Allen Schwangeren wird die Vorsorge beim Gynäkologen dringend empfohlen. Sie sollen nicht nur bei der Behandlung kleiner Beschwerden helfen, sondern vor allem schwere Erkrankungen frühzeitig erkennen – und dazu zählt auch das HELLP-Syndrom.


Alternative Behandlungsmethoden

Da das HELLP-Syndrom selbst nur durch die Geburt geheilt werden kann, können auch alternative Heilmethoden nicht helfen. Aber es ist trotzdem möglich, einige Beschwerden, die meist vor einer massiven Verschlechterung schon auftreten, zu lindern. Wer sich hierfür entscheidet, sollte dennoch immer eines beachten: Eine Präeklampsie sollte niemals selbst alternativ behandelt werden. Es handelt sich um eine lebensgefährliche Krankheit, die immer medizinische Betreuung erfordert.

Wer es trotzdem gerne alternativ mag, kann wenigstens den Blutdruck und den allgemeinen Gesundheitszustand in Schach halten.

tcm (Traditionelle Chinesische Medizin
Wer gesund lebt, hat geringere Chancen eine Schwangerschaftsvergiftung zu entwickeln. Die traditionelle chinesische Medizin setzt auf die Ernährung nach dem Ying- und Yang-Prinzip – also immer in Hinblick auf eine gesunde Bilanz. Ratsam ist bei drohendem HELLP-Syndrom außerdem eine gewisse Ruhe und Entspannung, die das Ying- und Yang-Prinzip verfolgt.

Akupunktur
Fast jede gut ausgebildete Hebamme kann auch Akupunktur anwenden. Sicherlich ist das kein Wunderheilmittel bei einer ernsthaften Erkrankung und das sollte vor allem eine Hebamme wissen. Dennoch kann durch die Aktivierung wichtiger Punkte und dem Auflösen von Blockaden auch eine Chance auf Besserung besteht und vielleicht bleibt es ja „nur“ eine normale Präeklampsie, die engmaschige Kontrollen verlangt und entwickelt sich nicht zu einem lebensbedrohenden HELLP-Syndrom.

Massagen
Das Liegen auf dem Bauch ist ab einer fortgeschrittenen Schwangerschaft zwar nicht mehr möglich, dennoch gibt es sehr entspannende Nackenmassage. Auch die Seitenlange ist bei Massagen durchaus möglich. Wichtig ist, dass die Schwangere innere Ruhe spüren kann und sich während der Anwendung und auch danach ausruhen kann. Ruhe gilt auch wichtiger Faktor im Kampf gegen Bluthochdruck.

Welche Hausmittel können helfen?

Als gutes Hausmittel gegen Bluthochdruck gilt außerdem leichte, aber stetige Bewegung. Gerade das allerdings sollten Schwangere nun keinesfalls tun und ihnen wird viel eher das exakte Gegenteil empfohlen: Am besten sollten sie sich so wenig wie nur möglich bewegen und erst recht keinen Sport treiben. Wer kann, bleibt mit einer Präeklampsie vor allem im Bett liegen und rührt sich so wenig wie möglich.

Jede Anstrengung ist eine zu viel! Das erhöht nämlich das Risiko für weiter erhöhten Blutdruck im Laufe der Schwangerschaft.

Körperliche Aufregung, erhöhter Puls: Das sollte dringend vermieden werden. Das klassische Hausmittel, die Bewegung, sollte also während der Schwangerschaft keinesfalls ausgeführt werden, wenn bereits das Risiko für eine Schwangerschaftsvergiftung erhöht ist.

Grundsätzlich ist davon abzuraten, sich mit erhöhtem Blutdruck bei der Schwangerschaft selbst zu behandeln. Natürlich kann auch immer eine zweite oder dritte ärztliche Meinung eingeholt werden und auch alternativer Mediziner dürfen aufgesucht werden.

Trotzdem darf keinesfalls auf die Kontrolle des Blutdrucks, Urins und Blutes verzichtet werden, ansonsten besteht Lebensgefahr für Mutter und Kind. Die Symptome müssen immer ernst genommen werden. Wer kann, verzichtet also auf Hausmittel jeglicher Art und begibt sich im Ernstfall in ärztliche Hände, die exakt wissen, was zu tun ist. Etwas vertrauen in die Medizin ist bei einer schweren Erkrankung wie dem HELP-Syndrom unverzichtbar.

Heilkräuter & Heilpflanzen

Die Welt der Heilkräuter bietet einiges, was für Schwangere sehr wohltuend sein kann und damit den grad der Entspannung erhöht.

Kamille
Sie gilt als beruhigend und kann als Tee auch im Bett genossen werden: Die Kamille. Sie duftet gut und lädt vielleicht dazu ein, noch etwas länger tatenlos zu liegen. Genau das tut Mutter und Kind besonders gut.

Fenchel
Vielen Schwangeren vergeht der Appetit sehr schnell, wenn sie sich Sorgen machen und sie entwickeln sogar Übelkeit. Fenchel in Form von Tee hilft sehr gut gegen auftretende Übelkeit und kann sogar den Appetit anregen, so dass auch die Lust am Essen nicht vergeht.

Ätherische Öle

Im besten Fall werden ätherische Öle in einem Entspannungsbad eingesetzt. Allerdings sollte vorher zwingend abgeklärt werden, ob das Baden im jeweiligen Gesundheitszustand noch zu empfehlen ist. Möglicherweise schadet es Mutter und Kind. Auch muss darauf geachtet werden, dass das Wasser 37 Grad nicht übersteigt. Vorsicht: Baden kann außerdem Schwindel auslösen. Im besten Fall ist immer jemand dabei, wenn man sich bei einem Vollbad entspannt und verschiedene ätherische Öle genießt.

Zitronengras
Es klingt zwar alles andere als entspannend, sondern eher anregend, aber Zitronengras ist mehr als nur vitalisierend. Der Duft der dezenten Säure kann entstehende Übelkeit beseitigen. Außerdem soll es duchblutungsfördernd sein.

Arnika
Arnika wirkt äußerlich sehr effektiv gegen Schwellungen und beruhigt die Haut. In der Schwangerschaft tut es vor allem gut und kann sogar gegen Verspannungen helfen.

Rosmarin
Rosmarin-Öl wird sehr gerne von Sportlern genutzt, weil es die Durchblutung fördert und somit Schmerzen in den Muskeln, z.B. durch Muskelkater, lindert. Diese Beschwerden haben oft auch Schwangere.

Homöopathie & Globuli

Natürlich können Globuli niemals den Blutdruck senken und auch gegen eine Vergiftungserscheinung des Körpers nichts ausrichten. Sie können allerdings eingesetzt werden im Kopf gegen den entstehenden Stress und die Innere Unruhe.

Aconitum napellus (Potenz: D12)
Wird eingesetzt, wenn der Körper keine Ruhe findet und man viel eher unter einem Bewegungsdrang leidet als Lust auf Bettruhe zu empfinden.

Arnica (Potenz: D12)
Wirkt beruhigend auf Menschen, die zu Überempfindlichkeit neigen oder durch traumatische Erlebnisse besorgt sind. Nicht selten löst eine Diagnose in der Schwangerschaft für die werdenden Mutter ein tragisches Empfinden aus, denn sie können nichts gegen das HELLP-Syndrom unternehmen.

Chamomilla (Potenz: D12)
Hilfe gegen Reizbarkeit, die oft entsteht, wenn eine Person eine Situation nicht kontrollieren kann und sich hilflos fühlt. Auch der Schlaf soll sich so verbessern.

Schüssler-Salze

Ob die Einnahme von Schüssler-Salzen medizinisch bei einem eventuellen HELLP-Syndrom unbedenklich ist oder nicht, ist immer mit einem Mediziner zu klären. Auf eigene Faust sollte keine Anwendung erfolgen, wenn man sich bereits wegen zu hohem Blutdruck während der Schwangerschaft in Behandlung befindet. Wenn es grünes Licht gibt, dürfen die Salze aber angewendet werden:

Schüßler-Salz Nr. 5 – Kalium phosphoricum
Für die Psyche und die Nerven empfiehlt sich die zusätzliche Aufnahme von Kalium. Wer sich erschöpft oder sogar depressiv fühlt, weil er eine schwierige Lebensphase durchmacht, kann durch die Salze bald schon Besserung spüren.

Diät & Ernährung

Zwar wird angenommen, dass Bluthochdruck auch in direktem Zusammenhang mit Übergewicht und/oder ungesunder Ernährung steht, aber in Bezug auf das HELLP-Syndrom konnte dies bislang nicht erwiesen werden.

Auch sehr schlanke Frauen, die sich nach eigenen Angaben sehr gesundheitsbewusst ernähren, können eine Schwangerschaftsvergiftung entwickeln. Trotzdem sollte gerade in der Schwangerschaft auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Wasser nicht verzichtet werden. Völlig unabhängig davon, wie gut oder schlecht nun die genetische Risikolage ist, darf die Ernährung nicht vernachlässigt werden. Das Baby lebt auch entscheidet von dem, was die Mutter konsumiert bzw. nicht konsumiert.

FAQ – Fragen & Antworten

Ich habe immer zu hohen Blutdruck – Muss ich mir Sorgen machen?
Erst einmal gilt es Ruhe zu bewahren. Hoher Blutdruck ist erst einmal nicht tragisch, ebenso wie auch zu niedriger Blutdruck. Er muss allerdings wesentlich intensiver beobachtet werden als der niedrige Blutdruck. Wichtig ist, dass die Betroffenen darüber aufgeklärt werden, bei welchen weiteren Beschwerden sie dringend ins Krankenhaus fahren sollten. Hoher Blutdruck alleine ist kein Grund zur Sorge.

Wann müssen Blutdrucksenker eingenommen werden?
Das ist erst dann der Fall, wenn die Patientin sich im Krankenhaus befindet und dort die Geburt des Kindes noch verzögert werden soll. Vielleicht muss für die Lungenreife des Babys noch 48 Stunden gewartet werden. Bis dahin muss der Blutdruck gesenkt werden und die Einnahme von Medikamenten ist erforderlich.

Kann auch zu niedriger Blutdruck lebensgefährlich werden?
HELLP-Syndrom in Kombination mit sehr niedrigem Blutdruck gibt es nicht. Niedriger Blutdruck ist für die Schwangeren sehr unangenehm und führt oft zu Schwindel und Übelkeit. Er ist allerdings nur schwer zu behandeln und meist besteht auch kein Druck, denn er schadet dem Baby überhaupt nicht. Lediglich für die Mutter kann er unangenehm werden. Gefährlich ist zu niedriger Blutdruck nicht.

Kann das HELLP-Syndrom vererbt werden?
Wenn bereits die eigene Mutter an einer Schwangerschaftsvergiftung litt, so ist die Wahrscheinlich erhöht, dass es einen selbst auch trifft. Und das ist gut zu wissen. Denn wer vorsichtig ist und auf Symptome achtet, kann sich frühzeitig Hilfe suchen, bevor es zu einer ernsthaften Gefährdung von Mutter und Kind kommt.

Wie gefährlich ist das HELLP-Syndrom für das Baby?
Mitunter sehr gefährlich. Kommt es im Verlauf der Krankheit zu einer Ablösung der Plazenta, so wird das Ungeborene nicht mehr versorgt. Es muss umgehend geborene werden, denn es besteht Lebensgefahr. Zu dieser Krankheitsphase kommt es allerdings erst, wenn es der Mutter bereits spürbar so schlecht geht, dass sie längst medizinische Hilfe erhalten hat. Mutter und Kind müssen dann beide sehr schnell behandelt werden. Bluthochdruck selbst oder nur eine leichte Schwangerschaftsvergiftung ist zwar zu beobachten, aber grundsätzlich nicht lebensgefährlich für das Baby.

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