Binge Eating

Steckbrief: Binge Eating

  • Name(n): Binge-Eating-Störung (BES); Binge-Eating-Disorder (BED)
  • Art der Krankheit: Essstörung
  • Verbreitung: weltweit
  • Erste Erwähnung der Krankheit: in den 90er Jahren
  • Behandelbar: ja
  • Art des Auslösers: Psyche
  • Wieviele Erkrankte: etwa zwei Millionen
  • Welchen Facharzt sollte man aufsuchen: Psychotherapeuth
  • ICD-10 Code(s): ICD-10-GM-2017 F50

Binge Eating – Heilbar?

„Binge“

bedeutet übersetzt so viel wie „Exzess“ oder „Gelage“ und beschreibt bei der Essstörung „Binge Eating“ die exzessiven Essanfällen, unter welchen die Betroffenen leiden. Während dieser Phasen nehmen die Patienten massive Mengen an Essen zu sich. Diese Anfälle können zu jeder Tageszeit auftreten und betreffen zu etwa 60 Prozent Frauen.

In Deutschland leiden schätzungsweise etwa 2 Prozent der Menschen unter Binge Eating. Dabei tritt sie – wie sonst bei Bulimie und Magersucht weit verbreitet – nicht vorwiegend bei jungen Menschen auf, sondern zieht sich durch alle gesellschaftlichen Schichten jeden Alters.


Definition Binge Eating

Wer unter Binge Eating leidet, nimmt große Mengen an Nahrung innerhalb relativ kurzer Zeit zu sich. Dabei empfinden die Betroffenen meist einen Verlust der Kontrolle über ihre Nahrungsaufnahme.

Sie spüren kein Sättigungs- oder Völlegefühl. Auch wird kein Genuss beim Essen empfunden, sondern hastig geschlungen. Vorwiegend werden Produkte mit hohem Zucker– und/oder Fettgehalt konsumiert. Es kann teilweise über Stunden hinweg dauern bis die Betroffenen die Nahrungsaufnahme dann schließlich einstellen. Stoppen können sie das Essen allerdings nicht, weil sie Lust am Essen verspüren, sondern weil sie unter einem Zwang leiden.

Binge Eating ist eine ernsthafte psychologische Essstörung, die das Leben der Patienten sehr einschränkt und zwingend behandelt werden muss.


Was ist Binge Eating?

Momente, in denen man sich selbst nicht mehr allzu gut unter Kontrolle hat und sich die ganze Tafel Schokolade gönnt, obwohl man eigentlich nur ein kleines StüCK davon nehmen wollte – Das kennt fast jeder. Wer allerdings unter Binge Eating leidet, erlebt diese Momente regelmäßig und in einem wesentlich größeren Ausmaß. Die Anfälle könnten ALS Heißhungerattacken beschrieben werden, sind aber weitaus mehr.

Während eines Essanfalls konsumieren die Betroffenen teilweise 2000 bis 3000 Kalorien innerhalb sehr kurzer Zeit. Danach wird allerdings kein Erbrechen herbei geführt, was die Krankheit von der Bulimie unterscheidet.

Wie häufig Essanfälle dieser Art auftreten kann nicht pauschal festgelegt werden. Manche Patienten erleiden nur einen Anfall pro Monat, während andere Patienten fast täglich Unmengen an Essen konsumieren. Davon hängt auch ab, wie sehr das Binge Eating das Körpergewicht beeinträchtigt. Viele Betroffene leiden aufgrund der massiven Kalorienaufnahme an Übergewicht. Ihre Krankheit allerdings ist für Außenstehende nicht erkennbar, da die meisten Patienten die Essanfälle in ihren eigenen vier Räumen erleiden und dabei fast immer alleine sind.

Außenstehende können sich oftmals nicht erklären, weshalb die Betroffenen übergewichtig sind, da sie in der Öffentlichkeit meist wenig essen oder die Nahrungsaufnahme sogar vollständig einstellen. Gegessen wird stattdessen nur in der gewohnten, sicheren Umgebung. Aber es gibt auch Patienten, die das Binge Eating in Gesellschaft ausleben. Den Betroffenen ist ihre Erkrankung sehr unangenehm, weil sie sich für den totalen Kontrollverlust schämen.


Welche Ursachen gibt es?

Überwiegend liegen die Ursachen – wie auch bei anderen Essstörungen – in einer psychischen Erkrankung. Meist tritt das Binge Eating außerdem gemeinsam mit Depressionen und Angststörungen auf. Die Ursachen sind vielfältig:

  • Unterdrückte Ängste und Sorgen,
  • Traurigkeit und Enttäuschungen,
  • Gestörter Umgang mit Emotionen und
  • geringes Selbstwertgefühl

Häufig beginnt die Essstörung bereits früh im Teenager-Alter, teilweise sogar schon in der Kindheit. Außerdem ist es durchaus möglich, dass sich aus einer anderen Essstörung, z.B. aus der Magersucht, später Binge Eating entwickelt. Da der Umgang mit Hunger und Essen häufig schon immer gestört war und die Betroffenen bemüht sind eine Sucht und einen Zwang loszuwerden, entsteht unbewusst oft eine andere.

In den miesten Fällen ist die Entstehung der Krankheit auf traumatische Erlebnisse in der Kindheit zurück zu führen. Meist ist zeitgleich ein Elternhaus vorzufinden, das bei der Verarbeitung nicht hilfreich war, z.B. durch fehlendes Verständnis. Es gibt aber durchaus ebenso Betroffene, die ihre Kindheit und Jugend als problemlos beschreiben würden und ihre Familie als liebevoll bezeichnen würden. Es ist möglich, dass Binge Eating erst im Erwachsenenalter entsteht und sein Auslöser auch erst dort zu finden ist.

Übergewicht ist eine Folge des Binge-Eating und kein Auslöser. Manche Betroffene waren ihr Leben lang schlank und litten nicht zwangsläufig unter Gewichtsproblemen. Auch Normalgewichtige können unter Binge Eating leiden. Das ist etwa dann der Fall, wenn auf Nahrung die meiste Zeit verzichtet wird und lediglich im Rahmen von Essanfällen gegessen wird. Die gesamte Kalorienzufuhr wird beispielsweise an einem einzigen Tag pro Woche vorgenommen während der Rest der Woche gefastet wird.


Symptome & Anzeichen

Für Außenstehende ist nicht einfach zu erkennen, dass eine Person unter Binge Eating leidet. Da die meisten Menschen ihren Zwang im Verborgenen ausüben, bekommt ihr Umfeld davon meist nichts mit. Es gibt dennoch einige Symptome, die auf ein gestörtes Essverhalten hinweisen können. Dazu zählen:

  • Übergewicht,
  • Kaum Nahrungsaufnahme in Gesellschaft, teilweise wird sogar auf das Trinken vor Anderen verzichtet,
  • Heißhunger,
  • Aufnahme sehr großer Kalorienmengen in kurzer Zeit,
  • Völlegefühl und
  • depressive Verstimmung und Schamgefühle

Für die Betroffenen ist es nicht besonders leicht über ihre Erkrankung zu Sprechen. Andererseits lässt sie sich nach außen hin durch entstehendes Übergewicht kaum verstecken. Dass die Patienten also viel zu viel essen ist für Außenstehende ziemlich eindeutig ersichtlich. Auch sehen sie, dass die Betroffenen in Gesellschaft meist wenig oder sogar überhaupt nicht essen. Vermutet wird also, dass sie es heimlich tun. Dadurch fühlen sich die Patienten oft zwangsläufig ertappt, was zu immer größer werdenden Schamgefühlen führt.

Auch die Essanfälle selbst führen auf lange Sicht dazu, dass ihre Umsetzung zu enormer Scham führt. Während Magersüchtige das Essen schlicht einstellen, müssen Menschen, die unter Binge Eating leiden, immer wieder große Mengen an Nahrung einkaufen. Da es sich meist um ungesunde und hochkalorische Produkte handelt, entsteht durch die Scham also selbst im Supermarkt eine enorme Stresssituation für die Betroffenen.

Zusätzlich kosten die Einkäufe eine Menge Geld. Nicht selten leiden die Patienten auch unter ihrer finanziellen Situation. Ihren Alltag meistern die Betroffenen trotzdem nicht selten völlig unauffällig, Gehen einer geregelten Arbeit nach und führen ein oft eher unauffälliges Leben.


Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Krankheit entsteht meist eher unauffällig und nicht direkt erkennbar. Die betroffenen Personen beginnen nach und nach sich mit Essen zu trösten. Es ist durchaus möglich, dass nach einem stressigen Arbeitstag oder einer zwischenmenschlichen Enttäuschung am Abend eine tröstende Tafel Schokolade herhalten muss. Das wäre ansich nicht sonderlich bedenklich.

Nun entsteht aber ein Zwang. Es bleibt nicht bei einer Tafel Schokolade, sondern entwickelt sich zu einer unfassbaren Menge an Essen, die die Patienten regelrecht verschlingen und die Kontrolle über diesen Prozess verlieren.

Um eine Diagnose stellen zu können, müssen diese Essattacken an wenigstens zwei Tagen pro Woche auftreten. Allerdings ist ein Leidensdruck ebenso gegeben, wenn diese Essanfälle an weniger Tagen pro Monat auftreten. Sobald Essen zu einem Seelentröster wird, sich der Kontrollverlust nicht mehr kontrollieren lässt und die Betroffenen unter ihren Zwängen leiden, kann von einer Essstörung gesprochen werden. Wird absichtlich herbei geführtes Erbrechen oder die Einnahme von Abführmittel ausgeschlossen, kann Binge Eating wie folge diagnostiziert werden:

  • Essphasen, in welchen innerhalb kurzer Zeit (wenige Minuten bis einige Stunden) sehr viele Kalorien zugeführt werden (bis zu 5000 kcal, in Einzelfällen auch wesentlich mehr),
  • darauffolgende Phasen, in denen auf Nahrungsaufnahme überwiegend verzichtet wird,
    weil ein Völlegefühl besteht,
  • an wenigsten zwei Tagen pro Woche

Es gibt außerdem durchaus auch Phasen, in denen die Essattacken völlig ausbleiben. Es ist sogar möglich, dass die Krankheit sich von selbst heilt, einige Jahre nicht auftritt und dann plötzlich wieder ausbricht. Es gibt Studien, die den Verlauf mit so genannten ruhenden Phasen beschreiben. Bricht die Erkrankung plötzlich wieder aus, spricht man von einem Trigger (Auslöser), der dafür verantwortlich war.

Eine Therapie ist allerdings alleine schon deshalb empfehlenswert, weil nicht selten eine Depressionen mit einer Essstörung einher geht oder sich im Laufe der Jahre entwickeln kann.


Häufigkeit & Diagnosedaten

In Deutschland leiden einer Studie zufolge 0,1 % der Frauen und 0,1 % der Männer unter einer Binge-Eating-Störung. Eine Studie, die in Amerika im Jahr 2011 leiden unter den Jüngeren 1,4 % der Mädchen und 0,4 % der Jungen unter Binge Eating.

Die Dunkelziffer wird allerdings weitaus höher liegen, weil viele Betroffene sicherlich nicht wissen, dass es sich bei dem, was sie ausüben und nicht kontrollieren können, um eine ernsthafte Erkrankung handelt, die einen Namen hat. Viele Betroffene leben über Jahre hinweg mit den Symptomen bevor sie sich Hilfe suchen. Entdeckt wird die Binge-Eating-Störung auch häufig erst dann, wenn eine Folgeerkrankung behandelt wird, z.B. das starke Übergewicht.

Es kann davon ausgegangen werden, dass etwa zwei Drittel der Patienten weiblich sind. Von Essstörungen im Allgemeinen sind weniger Männer als Frauen betroffen.


Komplikationen bei der Krankheit

Das starke Übergewicht ist der größte gesundheitliche Risikofaktor, der durch das Binge Eating zwangsläufig enstehen kann. Aus dem Übergewicht wiederum resultieren weitere Erkrankungen wie:

Wer einen BMI von 30 oder sogar darüber erreicht hat, hat massive körperliche Einschränkungen durch seine Krankheit. Nicht selten schoten sich die Betroffenen gänzlich von ihrer Umwelt ab. Sie spüren Schuldgefühle und fühlen sich für ihr Leiden selbst verantwortlich. Häufige gehen Betroffene davon aus, dass es ihnen nur deshalb so schlecht geht, weil sie sich einfach nicht richtig im Griff haben. Was so einfach klingt, ist allerdings bei einer Zwangserkrankung ein erhebliches Problem.

Denn einfach nur aufhören mit etwas, das jemand zwanghaft tut, ob das nun Waschen, Putzen oder Essen ist, ist eben nicht möglich. Genauso kann jemand mit einer Depression auch nicht einfach so wieder fröhlich sein. Wenn das Essen sich über die Jahre zu etwas entwickelt hat, das jemand nur noch heimlich tut, ist das Leben in Gesellschaft kompliziert geworden.

Schlecht kann es auch um die Finanzen der Betroffenen stehen. Wer wöchentlich mehrere hundert Euro für Nahrungsmittel ausgeben muss, kommt schnell an seine Grenzen. Oft führt das zu Überschuldung. Manche Patienten beginnen sogar zu klauen, wenn ihnen das Geld ausgegangen ist und sie dringend Essen benötigen.

Im Prinzip gibt es auch einen Krankheitsverlauf, der ohne Komplikationen verläuft. Theoretisch ist es auch möglich über Jahre hinweg unter einer Binge-Eating-Störung zu leiden ohne dass massives Übergewicht entsteht. Die Kalorienaufnahme muss nicht mehrere tausend pro Essattacke betragen. Das allerdings bedeutet nicht, dass es den Betroffenen besser geht als anderen. Entscheidend für den Grad der Erkrankung ist alleine die psychische Verfassung der Betroffenen. So können beispielsweise Depressionen auch entstehen, weil ein Mensch von sich selbst enttäuscht ist und jeden Kontrollverlust als Versagen empfindet.

Theoretisch könnte jemand es also bereits als „Essattacke“ empfinden, wenn er mehr gegessen hat, als ursprünglich geplant war. Entscheidend ist also nicht die aufgenommene Nahrungsmenge, sondern was die Zwangserkrankung beim Patienten auslöst. Die große Menge an Nahrung, die aufgenommen wird, ist für den Körper dennoch nicht so leicht zu verarbeiten. Entstehen können:

  • Beschwerden des MagenDarm-Trakts,
  • Halsschmerzen durch hastiges Essen und
  • starkes Übelkeit, die sogar zum ungewollten Erbrechen führen kann

Vorbeugung – Impfung & Prävention

Eine Impfung gegen Essstörungen gibt es nicht. Die Krankheit kann aber dennoch frühzeitig erkannt werden, erfordert aber das Mitwirken der Betroffenen selbst. Für das Umfeld ist es nahezu unmöglich bereits in einem frühen Stadium zu erkennen, dass ein Mitmensch leidet. Denn äußerlich sieht man die Erkrankung zunächst niemandem an. Leichtes Übergewicht ist außerdem noch längst kein Zeichen für eine Essstörung.

Vorbeugen kann jeder selbst, indem er sich genau beobachtet und das eigene Essverhalten bewusst hinterfragt:

  • Esse ich immer häufiger, wenn es mir schlecht geht?
  • Ist Essen für mich ein Trost?
  • Kann ich einfach so aufhören zu essen, wenn ich satt bin?
  • Plane ich Essattacken bewusst im Voraus?
  • Ist es mir möglich in Gesellschaft normale Mengen zu essen?

Sobald ersichtlich ist, dass das Essverhalten immer häufiger außer Kontrolle gerät, sollten Betroffene sich Hilfe suchen. Genauso wie jene Menschen, die unter Magersucht oder Bulimie leiden, ist die Angst allerdings zunächst groß, dass die eigene Suchterkrankung einem „genommen“ werden könnte. Sie ist meist vertraut und sie loszulassen bedeutet auch, ein Stück Sicherheit im eigenen Leben aufzugeben. Es erfordert also großen Mut, sich von selbst Hilfe zu suchen.

Sobald das Leiden so groß ist, dass ein geregeltes Leben nicht mehr möglich ist, ist eine Therapie unumgänglich. Je früher sich jemand ärztlichen Rat holt, desto weniger schwer ist der Krankheitsverlauf.


Prognose zur Heilung

Essstörungen sind vollständig heilbar. Die Rückfallquote ist allerdings trotzdem relativ hoch (ca. 20 bis 30 %). Für die Binge-Eating-Störung liegen bislang keine ausreichenden Studien zur Heilungsprognose vor.

Die Heilungschancen sind aber besser, wenn die Erkrankung noch recht frisch ist. Wer bereits seit seiner frühesten Kindheit unter der Störung leidet und sich erst im Erwachsenenalter Hilfe sucht, wird es schwer haben die Gewohnheiten zu ändern. Sie sind bereits im Alltag fest etabliert.

Die Mitarbeit der Betroffenen ist unerlässlich. Wer von anderen zu einer Verhaltens- oder Psychotherapie gedrängt wird und selbst gar nicht das Verlangen verspürt, gesund zu werden, wird kaum geheilt werden können. Denn nur der Betroffene selbst kann seinen Alltag entsprechend gestalten. Die Heilung erfordert ein Mitwirken des Betroffenen und dessen Ehrlichkeit gegenüber den behandelten Ärzten.

Wer bei einer nahe stehenden Person eine Esssucht vermutet, sollte dies nicht einfach so ansprechen und mit der Tür ins Haus fallen. Sensibilität ist das A und O beim Umgang mit einer Essstörung. Zunächst einmal sollte, z.B. wenn starkes Übergewicht vorliegt, die betroffene Person gefragt werden, wie sie selbst sich fühlt. Erst wenn sicher ist, dass sie sich unwohl fühlt und eigentlich gerne schlanker wäre, kann nach der Ursache hierfür gesucht werden. Niemandem sollte Heilung aufgedrängt werden, der sie womöglich einfach nicht möchte.

Und nicht jeder Mensch möchte auch mit seinem Umfeld über seine (oft psychischen) Probleme sprechen. Der Mensch, den es betrifft, muss das schon selbst wollen. Andernfalls ist jede aufgedrängt Unterstützung verschenkte Zeit, denn sie wird keinen Erfolg bringen können. Niemand muss geheilt werden. Entscheidet sich jemand gegen Hilfe und lebt mit der Erkrankung stattdessen lieber weiter, so ist das eine freie Entscheidung, die grundsätzlich erst einmal von niemandem zu verurteilen ist. Leben muss damit nur die betroffene Person selbst.

Genauso wie z.B. bei einer Krebserkrankung auch, kann nicht pauschal geurteilt werden darüber, ob sich diese schwer kranke Person nun behandeln lässt oder nicht. Tut sie es nicht, so ist das ihre freie Entscheidung. Genauso wie zu akzeptieren ist, wenn jemand sich gegen Bestrahlung oder Chemotherapie entscheidet, muss auch ein „Nein“ zu einer Psychotherapie akzeptiert werden. Begrifflichkeit wie „falsch“ oder „richtig“ sind in diesem Kontext kaum zulässig, denn die Krankheit betrifft nur die kranke Person selbst. Sie entscheidet sich für oder gegen Maßnahmen.

Binge Eating bei Kindern und Jugendlichen

Wie können Eltern bei ihren Kindern eine Binge-Eating-Störung vorbeugen und erkennen? Eltern haben einen guten Sinn dafür, wie gut oder schlecht es um die seelische Gesundheit ihrer Kinder steht. Und sie können ein gutes Vorbild sein.

In der Familie sollte es also üblich sein, dass gemeinsame Mahlzeiten eingenommen werden. Wer immer nur alleine im eigenen Zimmer isst, wird das heimliche Essen schneller verinnerlichen als jemand, der in Gesellschaft isst. Außerdem sollten die Mahlzeiten in Ruhe am Tisch eingenommen werden, idealerweise ohne Störfaktoren wie Fernseher oder laute Musik. Unterhaltungen am Tisch sind angenehm und lockern die Atmosphäre. Das gemeinsame Essen innerhalb der Familie sollte etwas Schönes darstellen, auf das sich alle freuen, weil es auch Raum für Gespräche lässt und alle Zeit füreinander haben.

Je früher Kinder mit der Nahrungsaufnahme etwas Schönes und Angenehmes empfinden, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich daraus eine Zwangserkrankung entwickelt.

Es sollte keine Bewertung des Essverhaltens vorgenommen werden. Wer ständig zu hören bekommt, er esse zu wenig oder zu viel, zu schnell oder zu langsam, beginnt seinem eigenen Gefühl zu misstrauen. So verlernt ein Mensch auch nach und nach auf das eigene Sättigungsgefühl zu vertrauen. Je entspannter eine Familie mit Essen im Allgemeinen umgeht, desto wahrscheinlicher kann ein Kind dies auch verinnerlichen.

Aber so ganz egal sollte das Essen eben auch nie werden. Es steht schließlich nicht einfach so auf dem Tisch und ist wie von Zauberhand zubereitet. Auch das Kochen gehört dazu. Wer Kinder so früh wie möglich an die Zubereitung der Speisen gewöhnt, hat gute Chancen, dass sich deren Essverhalten relativ normal entwickelt. Tut es das nicht, so ist der Umkehrschluss allerdings nicht allgemeingültig. Denn Schuld an einer entwickelten Essstörung – egal welcher Art – ist eben nicht schlicht und einfach immer das eigene Elternhaus. So kann auch ein traumatisches Erlebnis oder eine Persönlichkeitsstörung zu Essproblemen im Laufe des Lebens führen.

Alternative Heilmethoden

Nicht nur die klassische Medizin bietet Heilungsmöglichkeiten. Auch alternative Produkte aus der Natur und Heilmethoden liefern eine echte Chance auf eine deutliche Besserung der Symptome.

TCM (Traditionelle Chinesische Medizin)
Gerade die Ernährung spielt bei TCM eine große Rolle. Um das Gleichgewicht des Geistes wiederherstellen zu können, spricht die traditionelle chinesische Medizin von 8 so genannten Ernährungsfehlern. Darunter fallen auch unregelmäßiges, zu häufiges und zu schnelles Essen. Ausgerechnet das allerdings macht Binge Eating aus. Wer sich TCM zu Herzen nimmt, hat also eine echte Chance, der Krankheit wenigstens vorzubeugen.

Akupunktur
Akupunktur kann beispielsweise gegen Schlaf- und Angststörungen helfen aber auch Suchterkrankungen lindern. Die beliebte Ohrakupunktur wird häufig zur Behandlung von Essstörungen eingesetzt. Wie lange die Behandlung dauert hängt entscheidend von der Schwere der Erkrankung ab. Auch reines Übergewicht ohne wirkliche Zwangserkrankung wie das Binge Eating werden mit Akupunktur behandelt.

Meditation und Yoga
Die innere Stärke zu erlangen ist ein immenser Schritt. Nur den wenigsten Menschen gelingt es, durch Meditation und Yoga ganz bei sich selbst zu sein. Wer die Techniken beherrscht, kann auch Kontrolle über die eigenen Gedanken erlangen. Im Kampf gegen Essstörungen ist dies eine wertvolle Eigenschaft.

Ayurveda
Eine Ayurveda-Kur entsprang der indischen Heilkunst. Sie haben einen sehr spirituellen Hintergrund. Ausgeübt werden die Kuren in Form von Massagen und Dampfbädern, spezieller Ernährung und Bewegung.

Welche Hausmittel können helfen?

Echte Hausmittel gegen Binge Eating gibt es nicht. Da es sich um eine Erkrankung handelt, die meist über Jahre hinweg entsteht und nicht plötzlich auftritt, ist es nur sehr schwer vorzubeugen. Außerdem hat sie immer seelische Ursachen. Dennoch ist es durchaus möglich, auf recht nahe liegende Hausmittel zurück zu greifen, wenn man vermutet, dass sich eine Binge-Eating-Störung einstellen könnte:

  • Ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst,
  • bewusster Verzicht von hochkalorischen Lebensmitteln,
  • kontrollierte Einkäufe strikt nach Einkaufszettel,
  • Essen in Gesellschaft zelebrieren und
  • zum Essen am Tisch sitzen

Was so einfach und selbstverständlich erscheint, wird im Laufe der Entwicklung der Krankheit für die Betroffenen aber immer schwerer. Es ist dann nicht mehr so leicht ganz einfach am Tisch zu sitzen, zu essen und in Ruhe zu kauen. Wer bemerkt, dass normale Gewohnheiten nicht mehr möglich sind, sollte sich in schulmedizinische Hände begeben. Wenigstens aber hilft es, wenn man sich engen Freuden anvertraut, die einem bei der Suche nach Hilfe etwas unter die Arme greifen können.

Auch Anlaufstellen wie die Caritas oder die Diakonien sind als erste Kontaktaufnahme immer zu empfehlen. Vielleicht weiß jemand das eigene Problem zunächst gar nicht einzuordnen oder ist sich sogar unsicher, ob es sich wirklich um ein Problem handelt.

Heilkräuter & Heilpflanzen

Kamille

Kamille gilt als beruhigend und soll Entzündungen hemmen. Gerade wenn der Mensch droht die Kontrolle zu verlieren und sich Zwänge entwickeln, sind ruhige und besonnene Momente wichtig.

Löwenzahn
Löwenzahn hilft vor allem bei problematischer Haut. Da der übermäßige Genuss von Zucker und Fett zu unreiner Haut führt, kann Löwenzahn lindernd wirken. Er kann pur verzehrt werden und einfach einem Salat beigemischt werden. Auch gegen Blähungen und Schwierigkeiten mit der Verdauung kann er helfen.

Salbei
Salbei lindert Beschwerden im Mund– und Rachenraum. Dort kann es zu Entzündungen kommen oder auch zu Halsschmerzen durch die übermäßige Nahrungsaufnahme. Salbei kann beispielsweise als Bonbons gelutscht werden und ist sehr wohltuend.

Ätherische Öle

Ätherische Öle werden gerne bei entspannenden Massagen eingesetzt und können auch bei Essstörungen helfen.

Lavendelöl
Gewonnen wird Lavendelöl aus den Blättern des Lavendels. Besonders wirksam ist es gegen Unruhezustände und Schlafstörungen. Am einfachsten ist es in Form von Badezusätzen zu verwenden. Ein entspannendes Bad wirkt außerdem zusätzlich beruhigend.

Ingweröl
Nach einem Essanfall kann Ingwer gegen Übelkeit helfen. Regulieren kann es zusätzlich die Verdauung, die unter der ungesunden Nahrungsaufnahme in großen Mengen sehr leidet.

Teebaumöl
Nicht nur bei den klassischen Erkältungskrankheiten kann Teebaumöl Linderung verschaffen. Es soll auch die Abwehr stärken und vor Infektionen schützen. Wer unter regelmäßigen Essanfällen leidet leidet meist unter einem geschwächten Immunsystem. Dem Körper fehlen wichtige Mineralstoffe und Vitamine, weil die meiste aufgenommene Nahrung hauptsächlich Fett und Zucker enthält.

Homöopathie & Globuli

Vor allem Innere Unruhe und Schlafbeschwerden können mit Globuli behandelt werden. Darunter fallen:

Ambra (Potenz: D12)
Hilft vor allem, wenn der soziale Rückzug bereits stattgefunden hat, weil permanente Überforderung bis hin zum Burn-Out drohen. Dieser Form von Stress beeinflusst das Essverhalten massiv. Wo andere ihren Appetit verlieren, kann Stress bei anderen Menschen zu Heißhunger führen.

Arsenicum album (Potenz: D12)
Wer das Gefühl hat, keinen kühlen Kopf mehr bewahren zu können und wem alles zu entgleiten scheint, kann durch Arsenicum album Linderung erfahren. Es kann auch gegen die Angst vor dem Alleinesein (und damit oft dem nächsten Essanfall) helfen.

Tarantula hispanica (Potenz: D12)
Unkontrolliertes und extremes Verhalten lässt sich gut mit Tarantula hispanica behandeln. Auch der Schlaf soll sich verbessern und die Betroffenen endlich nicht mehr von einer Rastlosigkeit betroffen sein.

Schüssler-Salze

Für Nerven und Psyche bietet Schüssler-Salze drei geeignete Produkte an und empfiehlt sie als Kur. Die Anwendung ist als Anti-Stess-Kur bekannt, die vor allem bei psychischen Erkrankungen und deren Folgen, also auch bei Binge Eating, unterstützend zur Schulmedizin sein können:

Schüssler-Salze Nr.5 (Kalium phosphoricum D6)
Getreu dem Motto „Kalium statt Valium“ soll das Salz das zentrale Nervensystem berühren und dort für Entspannung sorgen. Es kann Anspannungen lösen und sollte am Morgen eingenommen werden.

Schüssler-Salze Nr.3 (Ferrum phosphoricum D12)
Wer unter Eisenmangel leidet, ist oft müde, blass und fühlt sich kaum in der Lage seinen Alltag zu meistern. Mit einer Einnahme um die Mittagszeit herum (ab etwa 15 Uhr) soll der Eisenhaushalt wieder ausgeglichen werden.

Schüssler-Salz Nr.7 (Magnesium phosphoricum D6)
Zum Abend hin sollte dann Magnesium phosphoricum eingenommen werden. Es soll die Muskeln müde machen und gegen Magen- und Darmbeschwerden helfen.

Diät & Ernährung

Die Ernährung leidet beim Binge Eating am meisten. Wenn etwas gegessen wird, dann enorme Mengen, die Magen und Darm gleichermaßen überfordern. Und was gegessen wird ist oftmals wenig gesund. Zwischen den Essanfällen bleibt der gesunde Appetit dann häufig aus, weil der Körper so viel zu verarbeiten hat. Wenn es also möglich ist, sollte vor allem auf die Ernährung geachtet werden.

Wenigstens eine warme dun geregelte Mahlzeit am Tag sollten die Betroffenen dauerhaft einführen. Ob es ein Frühstück oder ein Mittagessen ist: Eine gewisse Routine sollte sich einspielen. Der Teller sollte möglichst bunt aussehen. Je mehr Farben er aufweist, desto gesünder ist die Mahlzeit. Idealerweise ist das Essen außerdem warm, so dass die Zubereitung selbst zur Gewohnheit wird. Wer am Herd steht und eine Mahlzeit für sich selbst und/oder die eigene Familie zubereitet, entwickelt dabei automatisch ein besseres Verhältnis zur Nahrung.

Fastfood sollte so gut es geht vermieden werden. Zu groß ist die Gefahr, dass das hastige Verspeisen zwischen Tür und Angel die Krankheit nur weiter voran bringt. Viel eher sollte so etwas wie Slow Food praktiziert werden.

FAQ – Fragen & Antworten

Ich habe oft Heißhunger – Leide ich unter Binge Eating?

Heißhunger ist eigentlich etwas völlig Normales. Unsere Hormone und unser Gehirn kann durchaus spezielle Lust auf Essbares entwickeln. wir sehen oder riechen etwas und möchten es auch gerne haben – Das ist Heißhunger und nicht weiter tragisch. Gerät das Verlangen aber außer Kontrolle und ist es nicht mehr möglich das Essen zu stoppen nach der vielleicht fünften Tafel Schokolade, so ist die Wahrscheinlich groß, dass eine Essstörung vorliegt.

Wie kann man nahe stehenden Personen helfen?
Erst einmal sollte niemand verurteilt werden. Wer seinem Gegenüber klar macht, dass er keinesfalls schwach ist oder sich schuldig fühlen muss, sondern stattdessen dringend Hilfe in Anspruch nehmen sollte, tut schon einmal das Richtige. Dennoch gilt: Es kann nur geholfen werden, wenn die Betroffenen das auch selbst möchten. Wer och nicht bereit ist und keine Hilfe annehmen kann, sollte nicht gedrängt werden. Eine Therapie würde dann sicher keinen Erfolg bringen.

Können auch Kinder und Jugendliche unter Binge Eating leiden?
Natürlich. Genauso wie auch Bulimie und Magersucht ist Binge Eating eine Essstörung, die sogar relativ häufig die Jüngeren betrifft. Wenigstens aber entwickeln sich bereits früh im Leben die Tendenzen zu einer Essstörung. Liegt bei einem Kind oder einem Jugendlichen starkes Übergewicht vor, das sich die Eltern selbst nicht erklären können, so sollte auch immer eine Esssucht dahinter vermutet werden. Womöglich isst das betroffene Kind heimlich und isoliert.

Woran erkennt man, dass man selbst betroffen ist?
Wer vermutet, er könnte unter Binge Eating leiden, hat es vermutlich auch. Alleine die Vermutung resultiert immer aus einem Gefühl der Hilflosigkeit heraus. Wer einen zwang spürt, den er nicht unterdrücken kann und wenn das Essen immer häufiger außer Kontrolle gerät, ist ärztlicher Rat erforderlich.

Kann Binge Eating geheilt werden?
Ja! Es gibt zwar keine Medikamente dagegen, aber die Ursachen können effektiv behoben werden. Meist sind die Ursachen eine Depressionen, Ängste und Sorgen im Allgemeinen. Eine Medikation ist unter Umständen nötig, um die Blockaden zu lösen und so bessert sich häufig schon nach kurzer Zeit auch das Verhältnis zum Essen. Allerdings fehlen bislang Studien darüber, wie häufig es nach einer vermeintlichen Heilung zu einem Rückfall kommt.

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