Atherom

Was ist ein Atherom?

Ein Atherom (aus dem griechischen Wort für Weizengrütze) ist ein gutartiger und langsam wachsender Weichteiltumor, welcher sich in der Unterhaut angesiedelt hat und zumeist Zyste genannt wird. Hierbei unterscheidet die Medizin zwischen echten und falschen Atheromen, also Epidermoidzysten (Epidermis = Haut; Zyste = Aussackung) und Talgretentions- oder Talgzysten.

In der klinischen Praxis ist dieser Unterschied jedoch ohne Bedeutung, hier wird im Allgemeinen nur der Sammelbegriff Atherom verwendet. Auch besteht eine begriffliche Verwechslungsgefahr mit den bei einer Arterienverkalkung auftretenden Zellablagerungen, die ebenfalls Atherome genannt werden, aber abgesehen von der Namensgleichheit nichts mit den Zysten zu tun hat. Diese auch Arteriosklerose genannten Gefäß-Atherome korrelieren als herdförmige, inwendige Gefäßauflagerung.

Das „Standard“-Atherom wird umgangssprachlich auch Grützbeutel, Grießknoten, Weizengrütze oder Balggeschwulst genannt und kann einen sehr unterschiedlichen Umfang annehmen, angefangen von einem Stecknadelkopf bis hin zum Tennisball, in ganz seltenen Fällen erreichen sie sogar Apfelgröße. Verantwortlich für das Entstehen eines Atheroms zeichnen verstopfte Talgdrüsen. Daher besteht eine Zyste im Inneren auch aus Talg und Hautzellen, welche am Abfließen gehindert wurden. Atherome sind zwar ungefährlich, aber dennoch erscheint es oftmals angebracht, sie operativ zu entfernen, etwa zur prophylaktischen Vermeidung von Infektionen oder aus kosmetischen Gründen.

Atherome entstehen zumeist in den stärker behaarten Hautbereichen, insbesondere der Kopfhaut und Nacken sowie dem Hals, Gesicht und im Schamhaarbereich. Zu erkennen sind sie aufgrund eines gewissen Hautspannungsgefühls im betroffenen Bereich, welches aber erst im fortgeschrittenen Stadium des Atheroms feststellbar ist. Auch halten viele Betroffene das Atherom zunächst für einen Pickel und versuchen diesen auszudrücken. Insbesondere dadurch können Infektionen mit einhergehender intensiver Rötung, Schwellung, Schmerzen, Eiterbildung und dem Gefühl einer Überwärmung der betroffenen Stellen entstehen, die stark an die Symptome eines Abszesses erinnern, mit diesen aber nicht verwechselt werden sollten. Denn im Unterschied zu den gefährlicheren Abszessen sind Zysten stets lokal auf die Hautschichten begrenzt. Hat sich ein Atherom erst einmal entzündet, muss es operativ entfernt werden. Dazu wird es ähnlich wie ein Abszess nach lokaler Betäubung aufgeschnitten, um Talg und Eiter zu entfernen und den Infektionsherd mit einem Desinfektionsmittel auszuspülen. In seltenen Fällen kann auch die Verabreichung von Antibiotika erforderlich erscheinen. Erst nach dem Abklingen der Entzündung kann das Atherom dann vollständig operativ entfernt werden.

Ursachen eines Atheromes

Verantwortlich für das Entstehen eines Atheroms sind die in den Hautschichten befindlichen Talgdrüsen. Diese produzieren eine aus Fetten, Hautzellen und Säuren bestehende Flüssigkeit, das sogenannte Talgdrüsensekret. Bei einem Atherom kann dieses Sekret aufgrund von Verstopfungen in den Ausführungsgängen der Talgdrüsen nicht mehr abfließen. Diese Verstopfungen können etwa durch eingetrockneten Talg oder verkrustete Hautzellen innerhalb des Sekrets entstehen. Sie lagern sich innerhalb der Talgdrüse an deren Ausführungsgängen ab und verstopfen sie. Dadurch kann die Talgdrüse nicht mehr ihrer eigentlichen Tätigkeit, nämlich der kontinuierlichen Hauteinfettung nachkommen.

Dieser auch Sebum genannte Talg wird normalerweise über einen schmalen Talgdrüsenausgang auf die Haut abgegeben und sorgt für deren kontinuierliche Einfettung.

Stattdessen sammelt sich bei einem Anthiom der kontinuierlich produzierte Talg in den Talgdrüsen an und lässt diese und damit den umliegenden Bereich langsam anschwellen. Aufgrund der relativ geringen Talgproduktion bildet sich auf diese Weise ein derb-elastischer Knoten, welcher stetig anwächst und in aller Regel von ganz alleine auch nicht mehr verschwindet.

 

Man unterscheidet dabei einzeln stehende, solitäre Atherome und multiple Atherome, wenn mehrere alleinstehende Atherome gleichzeitig an verschiedenen Stellen des Körpers auftreten.

Ein Atherom ist immer unschön und lästig, aber schmerzhaft wird es in aller Regel erst bei einer Entzündung, die etwa beim Versuch, es wie einen Pickel auszudrücken entstehen kann. Dies geschieht, wenn Bakterien in den Grützbeutel der Talgdrüse einwandern, wenn man das Sekret ausdrückt. Eine selbst vorgenommene Desinfektion der Austrittswunde etwa durch medizinischen Alkohol kann entscheidend dazu beitragen, eine solche Infizierung zu vermeiden.

Der letztlich verantwortliche Auslöser eines Atheroms lässt sich nur sehr selten ermitteln. Oftmals ist auch nur eine familiäre Veranlagung dafür verantwortlich, genetisch bedingte aber medizinwissenschaftlich noch nicht erfasste erbliche Faktoren können die Entstehung eines Atheroms begünstigen. Auch soll der Hauttyp einen gewissen Einfluss auf die Entstehung von Atheromen zu haben. Menschen mit fettiger Haut scheinen häufiger von Atheromen betroffen zu sein als solche mit trockener Haut. Dies ist jedoch zurzeit nur ein empirisch noch unbelegter Verdacht.

Symptome von einem Atherom

Abgesehen von den bereits vorhandenen dickeren Hautstellen wie etwa an den Fußsohlen kann jede Verdickung der Haut ein Anzeichen für ein sich entwickelndes Atherom sein. Denn selbst eine leichte, abnorme Hautverdickung deutet zumeist auf eine Entzündung oder zumindest auf eine Hautreaktion auf wiederholte Entzündungen hin wie etwa bei der Neurodermitis oder der Schuppenflechte. Insektenstiche sind damit natürlich nicht gemeint, sie gelten als Schwellung, die nach einigen Tagen ohne jegliches Zutun wieder verschwindet.

Zu den für Atherome typischen Symptomen gelten daher jeweils bezogen auf die betroffenen Hautbereiche:

  • Rötungen
  • Lokale Schmerzen
  • Hautspannungsgefühle
  • Schwellungen
  • Gefühl der Überwärmung
  • Eiter

Diagnostiziert wird das Atherom durch den Hausarzt, der die betroffenen Stellen durch Abtasten sorgfältig untersucht. Schon durch einfaches Abtasten kann der Arzt in den meisten Fällen die Zyste diagnostizieren und eingrenzen.

Nur falls dabei der berechtigte Verdacht auf einen bösartigen (maligen) Tumor entsteht, sollte ein Dermatologe hinzugezogen werden. Um diesen Verdacht auszuschließen, kann es erforderlich sein, das verdächtige Gewebe nach dessen operativer Entfernung feingeweblich (histologisch) daraufhin zu untersuchen. Dies ist aber der absolute Ausnahmefall, in aller Regel sind Atherome gutartig und die Heilungsprognose ganz ausgezeichnet. Auch ist es zwar durchaus möglich, aber doch eher unwahrscheinlich, dass operativ entfernte Zysten erneut an der gleichen Hautstelle auftauchen. Etwas heikler sind infektiöse Atherome im Gesichtsbereich. Hier besteht die Gefahr, dass sie bis in das Gehirn streuen.

Therapie bei Atheromen

Atherome bilden sich in aller Regel nicht von alleine zurück, sondern wachsen zwar langsam, aber ständig an. Die Homöopathie oder gar selbst angewandte Methoden bleiben wirkungslos bis kontraproduktiv: durch das versuchte Ausdrücken eines Atheroms können äußerst schmerzhafte und für einen längeren Zeitraum andauernde Entzündungen zur Folge haben. Auch ist es zwar unwahrscheinlich, aber dennoch nicht auszuschließen, dass es sich dabei eben doch um kein harmloses Atherom, sondern um einen bösartigen Tumor handelt. Aus diesen Gründen gehört die Behandlung von Atheromen trotz ihrer potentiellen Harmlosigkeit in die Hände von Fachleuten. Und dies ist zumeist der Hausarzt, der den Betroffenen in ganz seltenen Ausnahmefällen an den Dermatologen überweist.

Ein Atherom erfordert einen kleinen, chirurgischen Schnitt, zumeist ambulant und unter örtlicher Betäubung. Nur bei außergewöhnlich großen Atheromen ist eine Vollnarkose erforderlich. Die Zyste wird aufgeschnitten, ausgespült und desinfiziert. Danach gibt es zumeist ein Pflaster und nach ein paar Tagen ist die Sache vergessen. Nur in seltenen Ausnahmefällen ist eine Nachbehandlung erforderlich, in aller Regel verschwindet das Atherom damit auf Nimmerwiedersehen.

Soweit zur Behandlung eines nicht-infizierten Atheroms. Etwas komplizierter wird es, wenn es sich um ein infiziertes Atherom handeln sollte, das etwa durch den vorab unternommenen, vergeblichen Versuch des Betroffenen entstand, das Atherom wie einen Pickel auszudrücken. Bei einem eitrigen oder infizierten Atherom besteht die Gefahr, dass sich während des chirurgischen Eingriffs Bakterien im Körper verteilen.

Um dies zu verhindern, darf nur der Inhalt des Atheroms entfernt werden, eine vollständige Entfernung der Kapsel ist vorerst nicht möglich. Stattdessen entspricht der Eingriff dem einer Abszess-Operation. Das Atherom wird vereist und anschließend aufgeschnitten. Dann wird das Sekret entfernt und die Wunde desinfiziert. Um zu verhindern, dass sich dabei Bakterien im Körper ausbreiten, werden je nach Schwere der Entzündung nachträglich Antibiotika verabreicht.

 

Der geleerte Atherom-Sack füllt sich zwar danach wieder mit Fett auf und es besteht so die Gefahr der erneuten Atherom-Bildung, dafür braucht es aber in etwa vier bis sechs Wochen. Sollte sich das Atherom in dieser Zeit neu bilden, so kann es vor einer erneuten Infizierung durch einen dann vollständig durchgeführten chirurgischen Eingriff problemlos entfernt werden. Bei besonders ausgeprägten Atheromen kann manchmal nach der Operation eine entstellende Hautdelle zurückbleiben. Diese muss dann durch eine weitere Operation, bei der das Unterhautfettgewebe verschoben wird, beseitigt werden.

Bitte empfehlt diese Seite oder verlinkt uns:

Bitte bewerten Sie diesen Artikel
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (55 Stimmen, Durchschnitt: 4,70 von 5)
Loading...

 Rechtliche Hinweise