Tollwut

Inhaltsverzeichnis Tollwut

Tollwut

Symptome

Ursache

Behandlung

Tollwut – wenn ein Tierbiss tödlich sein kann

Tollwut oder auch lange Zeit als Hundswut bekannt

Tollwut oder auch lange Zeit als Hundswut bekannt

Seit Jahrtausenden kennen und fürchten Menschen eine Infektion mit Tollwut, dass zu einer Gehirnentzündung führt. Die Krankheit wird durch das Rabiesvirus ausgelöst, weshalb sie auch auf Lateinisch und englisch Rabies genannt wird. Auch das Lyssavirus kann Tollwutinfektionen auslösen.

Sehr lange wurde die Krankheit auch Hundswut genannt, da sie sehr oft durch Hundebisse übertragen wird und die Tiere typische Anzeichen, wie Schaum vor dem Maul und aggressives Verhalten zeigen. Erst seit dem späten 19. Jahrhundert ist die Bezeichnung Tollwut gebräuchlich.

In unseren Breiten ist Tollwut sehr selten geworden; in den letzten 40 Jahren wurden 7 Fälle registriert. Anders sieht es in den Entwicklungsländern aus. Weltweit gibt es ca. 55000 Todesfälle durch Tollwut, davon 55% in Asien und 44% in Afrika. Vor allem in Indien ist die Krankheit sehr verbreitet.

Tollwut wird durch Tierbisse übertragen, doch nicht alle Tierarten sind gefährdet bzw. Gefährder, die das Virus weitergeben können. Warmblütige Säugetiere wie Hunde, Katzen und Füchse können Rabies übertragen, Vögel oder wechselwarme Tiere wie Schlangen und Echsen nicht. Durch Impfungen von Haustieren und dem Auslegen von Impfködern für Wildtiere konnte in Deutschland und Europa die Ausbreitung des Tollwutvirus weitgehend eingedämmt werden.

Das Tollwutvirus kann in den Körper eindringen, wenn es in offene Wunden oder Schleimhäute gelangt. Beißt ein infiziertes Tier zu, gelangt der Speichel mit dem Virus durch die Bisswunde in den Körper. Bei Menschen, die nicht gegen Tollwut geimpft sind, verläuft die Infektion tödlich, und es muss so schnell wie möglich eine Postexpositionsprophylaxe erfolgen, d. h. ein Gegenmittel und entsprechende Medikamente müssen innerhalb kürzester Zeit verabreicht werden, da ansonsten keine Überlebenschance besteht. Dieses Gegenmittel muss auch bei geimpften Menschen eingesetzt werden.

Bei einer Erkrankung vermehren sich die Viren zunächst nur an der Stelle, an der sie eingetreten sind, also an der Bisswunde. Danach wandern sie in die Nervenbahnen Richtung Gehirn und lösen dort Enzephalitis, Gehirnentzündung aus, die tödlich verläuft.

Schmerzen und Juckreiz – Symptome der Tollwut

Einige Anzeichen einer Tollwutinfektion ähneln einer Grippe oder einer Magenverstimmung und werden deshalb oft falsch gedeutet. Dazu zählen Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Auch Unruhe oder Angstgefühle treten oft auf.

Eindeutiger sind Symptome wie Juckreiz an der Stelle, an der das Tier zugebissen hat. Auch Schmerzen und Empfindungsstörungen wie ein Taubheitsgefühl an der Bisswunde sind typische Zeichen für Tollwut im Anfangsstadium. Sie treten in 50 bis 80% aller Tollwutfälle auf und rühren daher, dass das Rückenmark mit seinen Hinterstrangbahnen bereits infiziert ist und so Sinnesempfindungen wie Schmerz und Druck nicht mehr richtig kontrollieren kann. Spätestens jetzt sollte man sofort zum Arzt gehen!

In einem späteren Stadium tritt das Phänomen auf, das der Krankheit ihren Namen gegeben hat. Betroffene sind durch die Erkrankung des Gehirns durcheinander, reden wirr, werden sehr aggressiv und zeigen sich enorm kampfeslustig, sie zeigen Wut. Außerdem können Krampfanfälle und Halluzinationen auftreten, gefolgt von Phasen, in denen ihr Verhalten völlig unauffällig ist.

Weitere Symptome sind Herzrhythmusstörungen, Gänsehaut und ein übermäßiger Speichelfluss.

Tollwut wurde früher auch als Hydrophobie, als Angst vor dem Wasser, bezeichnet. Der Grund hierfür liegt in einem weiteren Symptom der Krankheit. In einem späteren Stadium ist der Hirnstamm gestört, die Patienten können kein Wasser, keine Flüssigkeit schlucken, da sich der Kehlkopf, das Zwerchfell und die Schluckmuskulatur zusammenziehen und verkrampfen, sobald Flüssigkeit geschluckt werden soll. Der bereits erwähnte Speichelfluss kann nicht mehr heruntergeschluckt werden, es entsteht das Phänomen des Schaumes vor dem Mund.

In manchen Fällen kommt es zu paralytischer Tollwut. Hier entsteht an der Bisswunde Muskelschwäche, die sich rasch ausbreitet und schließlich zu Lähmungen am ganzen Körper führt. Auch die Schließmuskeln arbeiten nicht mehr, der Patient kann weder Urin noch Stuhlgang halten. Bei dieser Form der Erkrankung leiden Betroffene einige Tage länger, doch auch hier endet die Infektion tödlich.

Tierbisse – die Ursache für eine Tollwutinfektion

Tollwut zählt zu den sogenannten Zoonosen, also zu den Krankheiten, die Tiere auf den Menschen übertragen.

Säugetiere wie Hunde, Katzen, Füchse, Frettchen, Dachse, Stinktiere und Wölfe können Träger des Rabiesvirus sein. Der Lyssavirus wird von Fledermäusen auf Menschen übertragen. Es kann aber auch sein, dass blutsaugende Fledermäuse, die das Virus in sich tragen, einen Fuchs oder Hund beißen und dieser dann wiederum das so erworbene Virus durch einen Biss auf den Menschen überträgt.

In manchen Fällen werden streunende Hunde oder Katzen durch Wildtiere gebissen und bringen so das Virus zum Menschen. Durch flächendeckende Impfungen von Haustieren und Wildtierimpfungen wurde Tollwut in Deutschland und in großen Teilen Europas so gut wie eliminiert. Seit 2007 gilt Deutschland als tollwutfrei.

Viele Fledermausarten tragen allerdings das Virus in sich, doch erstens sind die Tiere nachtaktiv und sehr scheu, und zweitens beißen sie nur, wenn sie sich bedroht fühlen, z.B. wenn sie gefangen werden sollen.

Gefährdete Personenkreise mit einem erhöhten Risiko einer Tollwutinfektion sind in erster Linie Menschen, die beruflich oder privat öfter mit Wildtieren oder Fledermäusen zu tun haben. Dazu zählen Förster, Tierärzte, Tierpfleger oder anderweitig im Zoo tätige Menschen oder Biologen mit dem Spezialgebiet Füchse/Fledermäuse oder andere Tiere, die potenziell Überträger von Tollwut sein können.

Tiere, die Pflanzen fressen, also Kühe, Pferde, Nagetiere wie Kaninchen oder Rehe, können zwar das Virus in sich tragen, geben es aber nur selten weiter.

Auch durch Kratzwunden kann ein mit Tollwut infiziertes Tier das Virus weitergeben. Selten, aber dennoch möglich ist eine Übertragung, wenn man ein infiziertes Tier streichelt.

Bei jeglichen Verletzungen, die man durch den Kontakt mit einem Wildtier bekommen hat, ist ein sofortiger Arztbesuch notwendig, wenn auch nur der geringste Verdacht auf Tollwut besteht. Bei einer nicht bzw. zu spät behandelten Infektion kommt es innerhalb von 7 Tagen zum Tod des Betroffenen.

Vorsicht und Impfung – die Therapie bei Tollwut

Vorbeugung ist die beste Therapie, um Tollwut gar nicht erst möglich zu machen. Eine Impfung gegen das Virus, und zwar sowohl für sich selbst als auch für sein Haustier, sollte selbstverständlich sein.

Im Falle eines Tollwut Verdachts sollte man sofort nach dem Biss zu einem Arzt gehen. Nur wenn unverzüglich gehandelt wird, lässt sich das Schlimmste vermeiden. Sobald die ersten Symptome auftreten, ist für einen nicht geimpften Betroffenen alles zu spät. Dann hat sich die Krankheit bereits im Gehirn festgesetzt, und auch eine nachträgliche Impfung hilft nichts mehr – der Patient stirbt an einer Lähmung der Atemwege oder Herzversagen.

Nach einem Biss wird der Arzt zunächst die Stelle gründlich säubern und danach eine Impfung verabreichen. Auch sogenannte Immunglobuline, Antikörper, werden injiziert, die das Virus bekämpfen. Treten dennoch erste Symptome auf, ist diese Therapie nutzlos, auch hier endet die Erkrankung tödlich. Es gilt also immer: So schnell wie möglich einen Arzt aufsuchen und keine Zeit verlieren.

Wichtig ist neben der Impfung auch eine gewisse Vorsicht im Umgang mit (Wild-)tieren. Reagieren normalerweise scheue Tiere wie Rehe, Füchse oder Wildkatzen anders und nähern sich dem Menschen, sollte man sie auf keinen Fall anfassen. Findet man ein totes Tier, muss ein Förster verständigt werden, und auch hier sollte man das Tier nicht berühren.

Vor Reisen ins Ausland, insbesondere in Gebiete, in denen Tollwut auftritt, sollte auf jeden Fall eine Impfung erfolgen. Eine Beratung beim Arzt über die verschiedenen Impfungen und mögliche Vorsichtsmaßnahmen sind ebenfalls sinnvoll, wenn man in Risikogebiete wie Indien, China oder in einige afrikanische Länder reisen will.

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