Lepra

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Lepra

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Was ist Lepra?

Lepra - Aussatz

Lepra

Lepra, auch Aussatz genannt, ist eine durch Bakterien verursachte Infektionskrankheit. Diese kann sowohl Haut, Schleimhäute als auch Nervenzellen betreffen.

Das Mycobacterium leprae ruft eine Lepra-Erkrankung hervor. Nach wie vor glauben viele Menschen, Lepra sei hochansteckend. Dies ist aber nicht der Fall: Die Ansteckung erfolgt grundsätzlich durch eine Tröpfcheninfektion, wobei Lepra deutlich weniger infektiös als beispielsweise Grippe ist.

In biblischen Zeiten galt Lepra als „Geißel der Menschheit“. Eine Folge der Krankheit kann die Gefühllosigkeit von Gliedmaßen sein. Dann kommen nicht nur Verletzungen, sondern auch Lähmungen und Verstümmelungen vor. Gerade das Bild verstümmelter beziehungsweise behinderter Menschen aufgrund einer Lepra-Erkrankung hat dazu beigetragen, dass Aussatz derartig gefürchtet wurde und noch immer wird.

Die Ausgrenzung Erkrankter ist nach wie vor gang und gäbe. Das Risiko sich mit Lepra zu infizieren, ist heute in Entwicklungsländern und in den Tropen gegeben – und zwar stets, wenn schlechte hygienische Bedingungen herrschen. Derzeit treten die meisten Fälle von Lepra in Indien auf. In Deutschland ist Lepra ausgerottet; die vereinzelten Fälle, die vorkommen, sind üblicherweise auf Besuche der Betroffenen in Risikogebieten zurückzuführen. Weltweit beträgt die Zahl der Neuerkrankungen pro Jahr weniger als 300.000 Fälle. Erstaunlicherweise ist nach wie vor noch nicht gänzlich geklärt, wie die Entstehung von Lepra abläuft. Tatsächlich können Menschen Träger des Erregers Mycobacterium leprae sein, ohne an Lepra zu erkranken. Durchschnittlich bricht Lepra nur bei jedem zwanzigsten Infizierten auf.

Nicht selten kommt es vor, dass erste Symptome der Erkrankung unbemerkt auftreten, aber ganz von selbst auch wieder verschwinden. Sofern die Lepra sich weiterentwickelt, kann es zu unterschiedlichen Ausprägungen kommen: lepromatöse Lepra (multibazilläre Lepra), tuberkuloide Lepra (paucibazilläre Lepra) oder Borderline-Lepra. Die lepromatöse Lepra ist als schwerste Erkrankungsform zu charakterisieren. Die tuberkuloide Lepra verläuft vergleichsweise mild. Sämtliche Varianten der Erkrankung, die zwischen diesen beiden Lepraformen anzusiedeln sind, werden als Borderline-Lepra bezeichnet. Der Einsatz von Antibiotika ermöglicht heute die erfolgreiche Behandlung Leprakranker.

Symptome der Lepra

Wie bereits erwähnt, sind zwar viele Menschen Träger des Erregers, aber die Krankheit bricht dennoch nicht aus. Prinzipiell gilt, dass die meisten Menschen  kaum anfällig sind für diese infektiöse Erkrankung. Im Durchschnitt bricht  Lepra bei jedem zwanzigsten Träger des Erregers binnen zwei bis vier Jahren nach Ansteckung aus. Obgleich die Symptome dieser Erkrankung recht unterschiedlich sein können, zeigen sich häufig deutliche Zeichen im Gesicht.

Abhängig von der Hautfarbe treten zunächst rötliche oder helle Hautflecken  (Lepra indeterminata) auf, die sich taub anfühlen. Da derartige Veränderungen der Haut auch in Zusammenhang mit anderen Krankheiten stehen können, werden sie oftmals falsch gedeutet. Beispielsweise wird das Vorliegen einer Schuppenflechte oder einer Wurmerkrankung vermutet. Zu den frühen Symptomen einer Lepra-Erkrankung zählen aber auch Taubheitsempfinden im Bereich der Finger und/oder Füße sowie angeschwollene Nervenstränge. Wie das vollständige Krankheitsbild aussieht, ist vor allem von der jeweiligen Reaktion des Immunsystems auf die Erreger abhängig.

Kann sich bei mangelnder Immunabwehr eine lepromatöse Lepra (gleichzeitig die ansteckendste Form) entwickeln, vermehren sich die verursachenden Bakterien nahezu ungehemmt: Die Dichte kann pro Gramm Gewebe bis zu eine Milliarde Bakterien betragen – was auch die Bezeichnung multibazilläre Lepra erklärt. Abgesehen von Hautveränderungen entwickeln sich knotige Leprome und es sterben Nervenzellen ab. Letzteres birgt eine erhebliche Verletzungsgefahr. Ebenfalls möglich ist der Verlust der Augenbrauen. Die fortgeschrittene lepromatöse Lepra bewirkt Muskelschwund und Lähmungen. Ist eine Antwort des Immunsystems vorhanden, kann sich eine tuberkuloide Lepra entwickeln. Diese geht ebenfalls mit fleckenartigen Hautverfärbungen und Lähmungserscheinungen einher.

Allerdings bewirkt die Immunabwehr, dass sich die Bakterien nicht so stark vermehren können. Zum Teil heilt eine tuberkuloide Lepra sogar von selbst aus. Die sogenannte Borderline-Lepra ähnelt der tuberkuloiden Lepra hinsichtlich der Hautveränderungen und des Nervenbefalls. Ist das Immunsystem intakt, verläuft die Erkrankung bakterienärmer, also tuberkuloid. Bei einem gestörten Immunsystem jedoch können sich die Bakterien stark vermehren, und es entwickelt sich die lepromatöse Form.

Ursachen für Lepra

Nicht zuletzt die Tatsache, dass nur etwa fünf Prozent der Personen, die den Erreger von Lepra in sich tragen, überhaupt an Lepra erkranken, gibt noch immer Rätsel auf. Ungeklärt ist zudem der eigentliche Ursprung des Lepra-Erregers Mycobacterium leprae. 1873 gelang dem norwegischen Arzt und Zoologen Gerhard Armauer Hansen die Entdeckung des Erregers der Lepra. Es handelt sich bei dieser speziellen Bakterienart um stäbchenförmige Bakterien, die 1-5 Mikrometer lang und 0,2-0,8 Mikrometer dick sind. Sie sind nicht nur säurefest, sondern insgesamt recht unempfindlich gegenüber allen äußeren Einflüssen.

Nach wie vor ist es nicht gelungen, Mycobacterium leprae in Nährmedien oder in Zellkulturen zu züchten, um es besser erforschen zu können. Abgesehen vom Menschen können unter anderem immungeschwächte Mäuse, Ratten und Gürteltiere das Bakterium in sich tragen.

In entsprechenden Tierversuchen wurden und werden Antibiotika und Impfstoffe gegen Lepra entwickelt. Vorwiegend überträgt sich Lepra durch Tröpfcheninfektionen von Mensch zu Mensch. Je schlechter es um die Ernährung und die Hygiene bestellt ist, umso bessere Chancen haben die Lepra-Erreger. Da das Mycobacterium leprae als nicht sehr ansteckend eingestuft wird, ist ein längerer und recht enger Körperkontakt zwischen einem Leprakranken und einem Gesunden Voraussetzung für eine Infektion.

Ob ein Mensch anfällig ist für Lepra oder nicht, hängt zum einen vom körpereigenen Immunsystem ab. Zum anderen gehen Mediziner davon aus, dass erbliche Faktoren eine Rolle spielen. Wer als Tourist in eine Region reist, in der Lepra vorkommt, riskiert normalerweise nur dann eine Infektion, wenn er längere Zeit engen Kontakt mit Leprakranken pflegt.

Die Inkubationszeit umfasst im Fall von Lepra sehr unterschiedliche Zeiträume: Bei einigen Betroffenen treten die ersten Symptome nach etwa neun Monaten auf, bei anderen aber erst nach rund 20 Jahren. Begründen lässt sich die lange Inkubationszeit vor allem mit der sehr langsamen Wachstumsrate des Erregers Mycobacterium leprae: Es teilt sich nämlich lediglich alle 13 Tage.

Behandlung der Lepra

Maßgeblich für die Art der Behandlung ist die jeweilige Erregermenge. Üblicherweise erfolgt der Einsatz mehrerer Antibiotika. Liegt tuberkuloide Lepra vor, werden häufig die beiden Wirkstoffe Rifampicin und Dapson kombiniert. Sofern es sich um lepromatöse Lepra handelt, wird zusätzlich noch Clofazimin verordnet. Als recht wirksam ist auch das Sulfonpräparat DDS (Diaminodiphenylsulfon) einzustufen, das schon seit dem Jahr 1941 verfügbar ist. Diaminodiphenylsulfon ist in jedem Stadium der Krankheit so einzusetzen, dass eine Weiterentwicklung der Lepra gestoppt wird.

Leider gibt es aber inzwischen Lepraformen, die DDS gegenüber resistent sind. Gemäß Weltgesundheitsorganisation (WHO) soll jegliche Lepra-Therapie etwa sechs Monate umfassen, wenn eine erregerarme Lepra (paucibazilläre Lepra) gegeben ist. Eine erregerreiche Lepra (muktibazilläre Lepra) erfordert eine etwa zwei Jahre andauernde Therapie. Es kann jedoch einzelne Fälle geben, die sogar einer noch längeren Behandlung bedürfen. Möglicherweise kommen dann auch Ersatzmedikamente, sogenannte Reserve-Leprostatika, zum Einsatz. Tatsächlich ist es nicht ungewöhnlich, dass die vollständige Ausheilung einer Lepra-Erkrankung einer mehrjährigen Therapie bedarf.

Sobald die erste Behandlung mit Antibiotika abgeschlossen ist, gelten an Lepra Erkrankte als nicht mehr ansteckend. Grundsätzlich sollte eine Lepra ausschließlich in auf die Behandlung von Leprakranken spezialisierten Einrichtungen stattfinden. Denn in nahezu jedem dritten Fall kommt es zu Reaktionen des Immunsystems, die schnellstmöglich behandelt werden müssen. Es handelt sich um plötzlich auftretende Entzündungsreaktionen, die eine bleibende Schädigung der Nerven bewirken könnten. In solchen Fällen wird mit sogenannten Glukokortikoiden therapiert, die einen stark entzündungshemmenden Effekt haben.

Beispiele für derartige Präparate sind Prednisolon und Thalidomid. Abgesehen von gut wirksamen Antibiotika ist eine unterstützende Bewegungstherapie zu empfehlen: Schließlich gilt es, Lähmungserscheinungen zu verhindern. Körperliche Schäden, die die Lepra bereits verursacht hat, können gegebenenfalls durch Operationen gelindert werden. Als Beispiel für operative Eingriffe ist der Lidschluss zu nennen, der sich zum Teil wiederherstellen lässt. Wichtig sind zudem ästhetische Eingriffe, die dazu dienen, dass der ehemals Leprakranke gesellschaftlich wieder akzeptiert wird.

 

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