Gallensteine

Definition Gallensteine (Cholelith)

Unter dem Begriff Gallensteine werden im Volksmund verschiedene Krankheiten zusammengefasst, die auf einer „Verklumpung“ der Gallenflüssigkeit beruhen. Beschaffenheit, Anzahl und Ursache von Gallensteinen können dabei stark variieren.

Häufig werden sie direkt in der Gallenblase, seltener in den Gallengängen der Leber gebildet.

In den meisten Fällen bleiben Gallensteine unbemerkt und müssen daher nicht behandelt werden. Gehen sie jedoch, wie in etwa 25 Prozent aller Fälle mit schweren Koliken und starken Schmerzen einher, müssen die Steine oder sie gesamte Gallenblase entfernt werden.

Steckbrief: Gallensteine

  • Namen: Gallensteine; Cholelith; Gallenkonkrement
  • Art der Krankheit: Erkrankung des Verdauungssystems
  • Verbreitung: weltweit (vor allem in Industrieländern und bei der autochthonen Bevölkerung Amerikas)
  • Erste Erwähnung der Krankheit: durch Johann Kentmann von Dresden (1518-1574)
  • Behandelbar: ja (jedoch erhöhtes Rezidivrisiko)
  • Art des Auslösers: verminderte Bewegungsaktivität der Galle; gestörte Gallensaftbildung
  • Wieviele Erkrankte: ca. 15 Prozent der Bevölkerung (überwiegend Frauen)
  • Welchen Facharzt sollte man aufsuchen: Internist
  • ICD-10 Codes:ICD-10-GM-2017 – K00-K93 – K80-K87 – K80

Was sind Gallensteine?

Gallensteine Die Gallenflüssigkeit, auch Gallensaft genannt, ist eine zähflüssige Verbindung von Wasser (ca. 80 Prozent), Gallensäuren (ca. 12 Prozent), Phospholipiden (ca. 4 Prozent), Gallenfarbstoffen (Biliverdin und Bilirubin), Cholesterin und verschiedenen Abbauprodukten der Leber (zum Beispiel von Medikamenten). Geraten diese Stoffe in ein Ungleichgewicht, können sie sich zunehmend verfestigen.

Zum einen wird dabei der sogenannte Cholesterinstein ausgelöst. Hier fällt der Säurespiegel in der Galle ab oder das wasserunlösliche Cholesterin nimmt zu und kann nicht mehr genügend durch Säure aufgespalten werden. Es beginnt sich zu verdicken und bildet eine zusammenhängende weiche gelbliche Masse, die in Extremfällen die Größe eines Hühnereis übersteigen kann. Durch einen erhöhten Wert des nahezu wasserunlöslichen Farbstoffes Bilirubin, der aus den roten Blutkörperchen über die Leber in die Galle transportiert und dort abgebaut wird, entstehen hingegen Pigmentsteine.

Diese sind im Gegensatz zum Cholesterinstein braun, dunkelgelb oder grauweis, klar umrissen bis eckig und besitzen glatte Seitenflächen. Sie treten zahlreich und dicht gedrängt auf und bleiben, da sie von nur geringer Festigkeit sind, sehr klein (in etwa sandkorngroß). Man bezeichnet das auch als Gallengrieß (Mikrolithiasis). Am häufigsten tritt der Cholesterin-Pigmentstein auf, der zum großen Teil aus verdicktem Cholesterin besteht, in das kristallisierte Farbpigmente und Kalk eingelagert sind. Seltener kommen auch schwarze, stark kalziumhaltige feste Steine vor.

Da die betroffenen Organe (Gallenblase oder -gang) ausschließlich flüssige Substanzen verarbeiten können, führen Steine zu Reizungen oder sogar Verstopfungen, die schließlich zu unterschiedlichen Erkrankungen des Gallenapparats führen können, welche unter dem Begriff Cholelithiasis (Gallensteinleiden) zusammengefasst werden. Die Medizin unterscheidet folgende durch Gallensteine ausgelöste Krankheiten:

  • Choledocholithiasis– Steine im Gallengang
  • Cholezystolithiasis – Steine in der Gallenblase
  • Cholezystitis– durch Steine verursachte Gallenblasenentzündung
  • Porzellangallenblase – eine durch Steine ausgelöste Entzündung, die zur Narbenbildung und anschließenden Verhärtung und Verkalkung der Gallenblase führt

Welche Ursachen führen zu Gallensteinen?

Nur in den wenigsten Fällen steht eine Cholelithiasis in Zusammenhang mit genetischer Disposition. Es wird sogar davon ausgegangen, dass in weit mehr als 70 Prozent aller Fälle Umwelteinflüsse als Auslöser für Gallensteine in Frage kommen. Besonders betroffen sind dabei die westlichen Industriestaaten. Hier stellen eine stark fetthaltige, ungesunde Ernährung sowie ein Mangel an Bewegung, die einen Anstieg des Cholesterinspiegels bewirken wesentliche Faktoren für die Bildung von Gallensteinleiden dar. Auch bestimmte Krankheiten, die mit einem ungesunden Lebenstil in Zusammenhang stehen, können das Säure-Cholesterin-Verhältnis der Galle beeinträchtigen. Dazu gehören unter anderem Morbus Crohn, Adipositas, Alkoholismus und Diabetis Mulitis. Negativ beeinflusst wird der Gallensafthaushalt zudem infolge von Störungen der Hormonproduktion beispielsweise durch die Einnahme von Kontrazeptiva oder Erkrankungen der Nebenschilddrüse.

Als besondere Risikogruppe gelten jedoch Frauen über 40. Sie erkranken in etwa doppelt so häufig wie Männer. Die Ursache hierfür ist im Einsetzen des Klimakteriums zu suchen, da dieses nicht nur mit Übergewicht sondern auch einer Östrogendominanz einhergeht, welche eine Bildung von Gallensteinen begünstigt. Bisher ist allerdings der Zusammenhang von Östrogen und Gallenleiden noch nicht umfassend erforscht.

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