Atelektase

Was bedeutet Atelektase?

Das Wort Atelektase setzt sich aus den griechischen Wörtern Ateles (unvollständig) und Ektasis (Ausdehnung) zusammen und steht für eine Atemwegserkrankung, bei der die Lunge oder auch nur bestimmte Lungenteile nur unzureichend belüftet werden.

Zur Erfüllung ihrer Funktion muss die Lunge sowohl gut durchblutet als auch gut belüftet sein, um so den reibungslosen Stofftransfer zwischen Luft und Blut zu gewährleisten: Das CO2 wird dabei aus dem Körper ausgeschieden und parallel dazu ausreichend Sauerstoff aufgenommen.

Bei der auch Dystelektase genannten Atelektase ist dieser existenziell wichtige Austausch mehr oder weniger stark beeinträchtigt. Verursacher sind zusammengefallene und dadurch aneinander liegende Lungenbläschenstrukturen (Alveolarwände). Einzelne Lungenabschnitte werden dadurch nur unzureichend mit Luft befüllt, was zur temporären Kollabierung der betroffenen Lungenteile führt und Beschwerden beim Luftholen zur Folge hat.

Während milde Formen der Atelektase temporärer Natur sind und dadurch häufig unbemerkt bleiben, können stärkere Ausbrüche dieser Krankheit lebensbedrohlich sein und etwa zu nächtlichen Atemstillständen führen. Damit gehört die Atelektase zur Gruppe der Atemwegserkrankungen, die insbesondere für Kinder und Heranwachsende äußerst gefährlich ist und behandelt werden muss.

Je nach Herkunft unterteilt man Aktelekaseerkrankungen in zwei Kategorien. Die primäre oder auch angeborene Atelektase tritt ausschließlich bei Frühgeborenen und Neugeborenen auf und ist eine genetisch bedingte Veranlagung, die dem Betroffenen quasi in die Wiege gelegt wurde. Zu den körperinternen Faktoren zählen vor allem:

  • Eine angeborene Schädigung von Teilen des Atemzentrums
  • Fruchtwasseraspiration
  • Angeborene Lungenfehlbildungen
  • Eine durch einen unzureichenden Surfactantfaktor verursachte unvollständige Lungenreifung
  • sonstige Lungenfehlbildungen

 

Entsteht die Atelektase hingegen als Folge von Erkrankungen, Infektionen, Verletzungen oder eines eingeführten Fremdkörpers, zählt sie zur zweiten Kategorie der sogenannten sekundären Atelektasen. Im Unterschied zur primären Atelektase sind die Auslöser der sekundären Atelektase stets externer Natur. Dadurch zählt die sekundäre Aktelekase auch nicht als eine eigenständige Krankheit, sie ist vielmehr ein durch eine andere Grunderkrankung erzeugter akuter oder chronischer Zustand. Die sekundäre Atelektase unterteilt sich in nachfolgende Unterkategorien:

  • Obstruktionsatelektasen oder auch Resorptionsatelektasen entstehen meistens als Folge einer Bronchitis
  • aber auch durch die Verlegung einer Bronchie
  • Lymphknotenschwellungen oder Fremdkörperaspiration. Hauptbetroffen sind hierbei die Lungenmittellappen und Lungenoberlappen
  • Kompressionsatelektasen treten durch Kompression des Lungengewebes auf. Davon kann sowohl ein kompletter Lungenflügel als auch nur Teile von ihm betroffen werden. Schuld daran kann ein Pleuraerguss
  • ein Tumor
  • ein Zwerchfellhochstand oder eine Deformation des Brustkorbs sein.
  • Entspannungsatelektasen treten nach Lufteintritt in den Pleuraspalt auf. Dadurch löst sich der betroffene Lungenflügel von der Thoraxwand ab. Er kollabiert und die Lunge wird dadurch entspannt. Die Diagnose und Klassifizierung einer eventuell vorliegenden Atelektase erfolgt in aller Regel mittels Röntgenaufnahmen oder einer Bronchoskopie.

Ursachen von Atelektasen

Verantwortlich für die zu den Atemwegserkrankungen zählende Atelektase sind letztlich Defekte an den körpereigenen Lungenbläschen, die medizinisch Alveolen benannt werden. Bei diesen, für den lebenswichtigen Sauerstoffaustausch verantwortlichen Teilchen handelt es sich um die kleinsten, luftführenden Einheiten innerhalb des gesamten Lungensystems. Lungenbläschen sind von einem Netz aus kleinsten Blutgefäßen ummantelt. Vorbeifließende, rote Blutkörperchen entnehmen hier den zuvor aus der Luft aufgenommenen Sauerstoff und transportieren ihn weiter.

Bei der Atelektase erfolgt eine Deformierung dieser Lungenbläschen. Die Strukturen der Lungenbläschen (Alveolarwände) fallen geradezu in sich zusammen und liegen dadurch enger aneinander an. Als Folge können sie den Sauerstofftransport nicht mehr, oder nur unzureichend durchführen. In den davon betroffenen Bereichen der Lunge findet also kein Sauerstoffaustausch statt, Betroffene haben das Gefühl, trotz intensiven Atmens nicht genügend Luft zu bekommen, und das ist nicht nur äußerst beklemmend, sondern ein überaus ernstzunehmender Zustand. Schwerere Formen führen zu schwerer Atemnot, nächtlichen Atemstillständen und können auch Lungenentzündungen auslösen. Tritt die Aktelekase dagegen nur temporär oder in milderer Form auf, bleibt sie zumeist unbemerkt.

 

Eine Atelektase kann aber auch als Folge ungesunder Ernährung, des Rauchens oder des Lebens in verunreinigter oder Smog-verseuchter Luft entstehen. Nicht selten tritt eine Atelektase aber auch nach einer Operation auf, selbst wenn diese absolut fachgerecht durchgeführt wurde. Verursacher ist hier meist jede Form der künstlichen Beatmung, eine eventuelle Anästhesie oder auch nur ein leichtes Beruhigungsmittel, welches dem Patienten vor der Operation in Pillenform oder intravenös verabreicht wurde. Vor allem die Anästhesie hat eine temporär komprimierende Auswirkung auf das Lungengewebe und macht den Körper dadurch auch nach geglückter Operation grundsätzlich anfälliger für Lungenerkrankungen aller Art. Gleiches gilt auch für verunfallte Personen sowie bestimmte Herzoperationen und Erkrankungen, welche in irgendeiner Weise mit den Bronchien zusammenhängen. Sie alle führen zu einer Schwächung des Atemsystems und damit zu einer gewissen Anfälligkeit desselben.

Grundsätzlich werden zwei sehr unterschiedliche Ursachengruppen für den Ausbruch einer Atelektase verantwortlich gemacht. Entweder ist sie durch erbliche Vorbelastung genetisch bedingt und bricht vielleicht irgendwann (oder auch nie) aus-Dies betrifft insbesondere Frühgeburten, Säuglinge, Kinder und Heranwachsende. Oder aber die Atelektase entsteht durch externe Ursachen wie etwa eine Operation, ein Tumor oder als indirekte Folge einer völlig andersgearteten Krankheit.

Symptome von einer Atelektase

AtelektaseAls praktisch einziges Symptom für das Vorliegen einer Atelektase gilt das erschwerte Luftholen. Dies rechtfertigt nicht notwendiger Weise gesundheitliche Besorgnisse, denn es gibt es auch sehr milde und nur temporär auftretende Ausprägungen der Atelektase. Die bleiben zumeist völlig unbemerkt und klingen nach einiger Zeit von selber wieder ab. Bei stärkeren Formen der Atelektase dagegen haben Betroffene anhaltend große Schwierigkeiten beim Atmen.

Egal wie konzentriert und bewusst man dies auch versucht, es bleibt das sehr unangenehme Gefühl bestehen, nicht tief genug einatmen zu können und dadurch trotz aller Anstrengungen nicht ausreichend Luft zu bekommen. Wie stark diese Schwierigkeiten sind, hängt teils auch von krankheitsunabhängigen Begleitumständen wie der Körperhaltung oder der allgemeinen Physis wie etwa dem Körpergewicht ab. So wird der Oberkörper und damit auch die Lunge, beim Liegen und Sitzen leicht zusammengestaucht, was die Atmung naturgemäß erschwert.

Im Stehen dagegen steht der Lunge etwas mehr Körpervolumen für ihre Ausbreitung zur Verfügung. Wenngleich zumeist unbemerkt, so fällt doch selbst Gesunden im Stehen das Atmen stets etwas leichter als im Sitzen. Wichtige Indikatoren für eine eventuell vorliegende Atelektase sind zudem nächtliche Atemaussetzer, chronischer Husten, Fieber sowie vor allem Pleuraergüsse. Bei Letzteren handelt es sich um Ansammlungen wasserartiger Flüssigkeiten zwischen Rippen und Lunge. Wenn dies der Fall sein sollte, fällt das Atmen während des Sitzens oder Liegens besonders schwer, denn dann drückt das Wasser stark auf die Lungenflügel. Das Ignorieren derartiger Symptome ist sehr gefährlich und kann neben temporärem, nächtlichem Atemstillstand sogar zu einer Lungenentzündung führen.

 

Bei sehr starker akuter Ausprägung und je nach individueller physischer Veranlagung kann die Atelektase auch in Form einer Zyanose auftreten. Dabei handelt es sich um durch unzureichenden Sauerstoffgehalt verursachte, bläuliche Verfärbungen von Händen und Schleimhäuten sowie insbesondere Lippen, Wangenknochen und Nagelbett. Das zweifelsfreie Erkennen einer Zyanose ist jedoch nicht ganz einfach, denn hier spielen auch die Hautpigmentierung, die Hautdicke, die Farbe des Blutplasmas sowie der Zustand der Hautkappilaren eine Rolle. Auch tritt eine Zyanose nicht bei jeder Atelektase auf.

Bei einer Atelektase ist auch zumeist der Lungenschall beeinträchtigt. Dies kann der Arzt durch Abklopfen des Brustkorbs in Erfahrung bringen. Die Atemgeräusche sind dagegen abgeschwächt. Im Röntgenbild des Oberkörpers zeigt sich eine Transparenzminderung des Lungenbilds und das einhergehend mit einer Verlagerung der Lappenspalten. Zu den indirekten und zumeist nur mittels Röntgenbild oder Ultraschall diagnostizierbaren Anzeichen zählen unzureichend belüftete oder volumenverminderte Lungenabschnitte, Lungenemphyseme, Zwerchfellhochstand, Rippenverengungen sowie eine Verlagerung des Mittelfellraums (Mediastinalverlagerung). Im Unterschied zur Pneumonie zeigt eine Atelektase kein Bronchopneumogramm.

Therapie bei Atelektase

Behandelt wird eine diagnostizierte Atelektase in aller Regel durch Absaugung der Atemwege und/oder Verabreichung antibakteriell wirkender Medikamente. Abgesaugt werden eventuell vorhandene Eiterherde, Sekrete oder auch Fremdkörper, die versehentlich eingeatmet wurden und sich in der Lunge befinden. In letzter Zeit erwies sich hier auch die sogenannte PEEP-Therapie als überaus erfolgreich.

PEEP steht dabei für „positive endexpiratory pressure“, übersetzt „positiver, endexspiratorischer Druck“. Dabei handelt es sich um eine Beatmungstherapie zur Verbesserung der Atmung und Verhinderung der Ausbildung von Atelektasen. Durch ein sogenanntes PEEP-Ventil wird dabei ein auf den jeweiligen Patienten einwirkender Lungendruck erzeugt, welcher die Sauerstoffversorgung der Lungen deutlich verbessert und zugleich auch die Atelektase zurückdrängt. Kombiniert wird die PEEP-Therapie oft auch mit der CPAP-Beatmung.

Diese hilft dem Patienten dabei, seine gesamte Atemtechnik während der PEEP-Therapie selbständig zu steuern. Zwingende Voraussetzung für das CPAP-Verfahren ist dabei die Fähigkeit des Patienten, selbständig zu atmen. Einsatzgebiete dieser Doppel-Therapien sind unter anderem die Notfallmedizin, nicht invasis beatmete Patienten, eine vorhandene Schlafapnoe oder ambulante Bereiche.

Ganz schlecht ist es, wenn die Atelektase als Folge einer Brustfellentzündung oder einer Rippenfraktur auftritt. In solchen Fällen ist eine Schmerztherapie meist unumgänglich. Die medikamentöse Therapie erfolgt in diesem Fall mittels Theophyllin, Betasympathomimetika sowie diverser Antibiotika zur bakteriellen Hemmung. Aber es muss nicht zwangsläufig zu solch aufwändigen Verfahren und Therapien kommen.

Je nach Schwere der Erkrankung reichen oftmals einfache Maßnahmen aus wie etwa Kaltwasseranwendungen, Klopfmassagen, Atemübungen oder auch nur eine Luftveränderung. So bewirkt gerade bei der Atelektase die frische Luft in der freien Natur wahre Wunder, während Großstadt-Smog, Rauchen sowie Luftverunreinigungen aller Art die Atelektase geradezu anfeuern. Wissenschaftlich umstritten ist dagegen die mancherorts empfohlene Behandlung durch Schleimverflüssigungen, der sogenannten Mukolyse.

Bitte empfehlt diese Seite oder verlinkt uns:

Bitte bewerten Sie diesen Artikel
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (57 Stimmen, Durchschnitt: 4,39 von 5)
Loading...

 Rechtliche Hinweise