Eileiterschwangerschaft

Was ist eine Eileiterschwangerschaft?

Im Normalfall wandert ein befruchtetes Ei durch den Eileiter bis zur Gebärmutter, um sich dort einzunisten. Für diese Strecke benötigt das Ei ungefähr drei bis fünf Tage.

Sollte das Ei jedoch auf Hindernisse treffen oder durch andere Umstände an einem ausreichend schnellen Transport gehindert werden, kommt es zur Einnistung im zu durchquerenden Eileiter (Tuba uterina) und somit zur Eileiterschwangerschaft (Tubargravidität).

Ein erfolgreicher Eitransport bedarf einer intakten Tubenschleimhaut sowie ausreichender Kontraktionen des Eileiters. Denn spätestens nach sechs bis sieben Tagen setzt sich das Ei fest – unabhängig davon, ob es zu diesem Zeitpunkt schon die Gebärmutter erreicht hat oder noch nicht. Eine derartige Extrauteringravidität (Einnistung des Eis außerhalb der Gebärmutter) passiert heute mit einer Wahrscheinlichkeit von ein bis zwei Prozent aller Schwangerschaften. Mit etwa 95 Prozent ist eine Eileiterschwangerschaft die am häufigsten vorkommende Art einer Schwangerschaft, die falsch lokalisiert ist.

EileiterschwangerschaftAuch gegenwärtig noch gilt eine Eileiterschwangerschaft als lebensbedrohlich. Ende des 19. Jahrhunderts war dieses Krankheitsbild eine der Ursachen, die bei jungen Frauen oftmals zum Tod führten. Dank moderner Untersuchungsmethoden und Therapiemöglichkeiten enden Eileiterschwangerschaften mittlerweile nur in den seltensten Fällen mit dem Tod: Etwa 0,1 Prozent der betroffenen Frauen sterben hieran. Innerhalb der letzten 30 Jahre hat indes die Häufigkeit von Fehleinnistungen von 0,5 auf 1-2 Prozent zugenommen.

Die Gründe für diesen Umstand dürften die zunehmende Zahl an künstlichen Befruchtungen und Eileiterentzündungen sein. Abgesehen davon wird die Diagnostik beständig verbessert: Teilweise sind Eileiterschwangerschaften in sehr frühen Stadien festzustellen. Gegebenenfalls hätte der Körper selbst noch die Notbremse gezogen und die Schwangerschaft mithin vorzeitig abgebrochen. Es wäre natürlich falsch, auf die Selbstregulation zu bauen. In jedem Fall ist es erforderlich, eine diagnostizierte Eileiterschwangerschaft schnellstmöglich zu beenden. Andernfalls könnte es passieren, dass der Eileiter reißt. Dies wiederum würde erhebliche innere Blutungen mit sich bringen, die lebensbedrohlich sein können. Grundsätzlich gilt: Eine Schwangerschaft kann nur innerhalb der Gebärmutter ausgetragen werden.

Ursachen

Immer dann, wenn die befruchtete Eizelle sich nicht in der hierfür vorgesehenen Zeit von drei bis fünf Tagen in der Gebärmutter festsetzen kann, sucht sie sich einen anderen Platz. Gründe für den verlangsamten Transport können zum einen funktionelle Störungen und zum anderen Barrieren unterschiedlicher Art sein. Für einen ungestörten Transport sorgen im Normalfall das auf der Tubenschleimhaut befindliche Flimmerepithel und die Kontraktionen des Eileiters. Als sogenannte primäre Barrieren gelten angeborene Hindernisse wie sehr lange Eileiter, sackförmige Einstülpungen und Nebentuben, die blind enden.

Sogenannte sekundäre Barrieren sind Verwachsungen, die auf eine Eileiterentzündung oder auf eine Eileiteroperation zurückzuführen sind. Unabhängig davon, wodurch die Barrieren entstanden sind, bedingen sie sowohl eine mangelhafte Durchgängigkeit als auch eine unzureichende Kontraktion des Eileiters. Als eine der Hauptursachen für funktionelle Störungen kommen wiederum Eileiterentzündungen in Betracht. Insbesondere das Flimmerepithel, das dem Ei als eine Art Förderband dient, wird durch eine bakterielle Entzündung in starke Mitleidenschaft gezogen. Fehlen zum Beispiel stellenweise Flimmerhärchen, ist das Transporttempo deutlich langsamer oder womöglich unterbrochen. Demgemäß kann das Ei nicht mehr planmäßig Richtung Gebärmutter weiterbefördert werden. Resultat ist, dass die Einnistung dort erfolgt, wo sich das Ei nach sechs bis sieben Tagen befindet.

Auch Östrogen und Gestagen, die weiblichen Geschlechtshormone, beeinflussen das Transportvermögen des Eileiters. Sobald das hormonelle Gleichgewicht gestört ist, funktioniert der Transport eines Eis nicht mehr optimal, und es kann zu einer Eileiterschwangerschaft kommen. Mediziner gehen davon aus, dass eine bakteriell bedingte Eileiterentzündung das Risiko für eine Eileiterschwangerschaft um das Sechs- bis Achtfache steigert.

Relativ häufig bedingen zudem Endometriosen (Wucherungen von Gebärmutterschleimhautgewebe) und das Tragen von Spiralen Fehleinnistungen. Eher im mittleren bis geringen Risikobereich ist ein häufiger Partnerwechsel, Rauchen und ein höheres Alter zu nennen. Davon abgesehen müssen Frauen, die schon einmal eine Eileiterschwangerschaft erlebt haben, eine Wiederholung befürchten: Die Wahrscheinlichkeit, erneut eine Eileiterschwangerschaft zu erleiden, liegt bei etwa 20 Prozent.

Symptome

Leider sind die Beschwerden, die im Zusammenhang mit einer Eileiterschwangerschaft auftreten, denen einer normalen Schwangerschaft sehr ähnlich. Es kommt also zunächst zum Ausbleiben der Periode sowie zu verstärktem Harndrang, zu Brustspannen und zu Unwohlsein. Erst in der sechsten bis neunten Woche der Schwangerschaft treten die für Fehleinnistungen typischen Symptome wie Bauchschmerzen und Schmierblutungen auf.

Sofern es zu konkreten Unterleibsschmerzen kommt, sind diese an der Stelle zu lokalisieren, an der sich das Ei im Eileiter eingenistet hat. Schon bei leichten Berührungen ist ein Abwehrmechanismus des Unterleibs festzustellen. Möglicherweise ist die Körpertemperatur der Schwangeren bereits erhöht. Es gibt durchaus Fälle, in denen Blutungen im Bauchraum nicht nur den Zwerchfellnerv reizen, sondern sogar Schmerzen in der Schulter bewirken.

Der Verlauf einer Eileiterschwangerschaft kann sehr unterschiedlich sein und ist stark abhängig vom jeweiligen Einnistungsort. Das Spektrum reicht von Beschwerdefreiheit über Unterleibsschmerzen bis hin zu einem Zerreißen des Eileiters. Im günstigsten Fall geht der Embryo aufgrund der ungünstigen Entwicklungsbedingungen so frühzeitig ein, dass die Schwangerschaft gänzlich unbemerkt bleibt. Sofern eine Eileiterschwangerschaft in der Ampulle des Eileiters abläuft, hat der Embryo verhältnismäßig viel Platz sich zu entwickeln.

Indes kommt es zumeist zu einer Fehlgeburt, wobei der Embryo durch das offene Eileiterende in die Bauchhöhle befördert und dort abgebaut wird. Geschieht dies nicht während der ersten sechs bis neun Schwangerschaftswochen, ist der Embryo so groß, dass Unterleibsschmerzen und Schmierblutungen auftreten. Am bedrohlichsten sind Eileiterschwangerschaften, die im engen Teil des Eileiters stattfinden. Denn dieser Bereich ist kaum dehnbar, und ein natürlicher Abort ist nicht möglich.

Das Risiko einer Tubarruptur (Zerreißen des Eileiters) ist sehr groß. Mit dem Zerreißen des Eileiters gehen massive Blutungen einher, die einen hämorrhagischen Schock nach sich ziehen können. Hierbei handelt es sich um einen Kreislaufzusammenbruch, der dem immensen Verlust an Blut geschuldet ist. Sobald eine Tubarruptur diagnostiziert wurde, ist diese schnellstmöglich operativ zu behandeln.

Therapie

Fällt die Entscheidung für eine Operation, bedeutet dies das operative Entfernen der Fehleinnistung. Nahezu ausnahmslos kann endoskopisch operiert werden, indem eine Laparoskopie durchgeführt wird. Durch einen kleinen Schnitt in der Bauchdecke kann die mikrochirurgische Maßnahme durchgeführt werden. Zum einen ist der Blutverlust sehr klein, zum anderen schreitet der Genesungsprozess recht schnell voran. Patientinnen, die unter einem instabilen Kreislauf und/oder größeren Verwachsungen leiden, werden auf herkömmliche Weise operiert.

Das heißt, ein Bauchschnitt (Laparotomie) wird vorgenommen und das Schwangerschaftsgewebe (oder der komplette Eileiter) entfernt. Auch bei Vorliegen eines Eileiterrisses muss eine Laparotomie erfolgen. Die medikamentöse Therapie beinhaltet zumeist den intravenösen oder intramuskulären Einsatz des Zellgiftes Methotrexat, damit das embryonale Gewebe abstirbt. Prinzipiell wird dieses Verfahren nur gewählt, wenn der Embryo samt umgebendem Gewebe noch keine vier Zentimeter misst und das Schwangerschaftshormon HCG einen bestimmten Schwellenwert unterschreitet.

Die Beobachtung als weitere Vorgehensweise ist in Deutschland recht selten. Eigentlich gilt es, beständig zu kontrollieren, ob sich die Schwangerschaft von selbst wieder zurückbildet. Möglich ist diese Therapie ohnehin nur, wenn die Schwangerschaft noch in einem sehr frühen Stadium ist. Dem steht gegenüber, dass eine Eileiterschwangerschaft größtenteils erst dann festgestellt wird, wenn umgehend gehandelt werden muss. Auf jeden Fall muss die Patientin beschwerdefrei sein, und im Blut sollte nur eine niedrige Konzentration des Schwangerschaftshormons HCG nachzuweisen sein.

Eine engmaschige Kontrolle des Fortgangs der Eileiterschwangerschaft ist unabdingbar. Eine Schwangere, die sich für diese Therapieart entscheiden kann, trägt viel Eigenverantwortung. Klar sollte zudem sein, dass jederzeit ein operativer Eingriff unumgänglich sein kann. Auf diesen Fall müssen sowohl die Patientin als auch der Arzt vorbereitet sein, damit schnellstmöglich operiert werden kann.

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