Tourettesyndrom

Steckbrief: Tourette-Syndrom

  • Name(n): Gilles-de-la-Tourette-Syndrom; kurz Tourette-Syndrom oder Tourette
  • Art der Krankheit: Erkrankung des Nervensystems
  • Verbreitung: Weltweit
  • Erste Erwähnung der Krankheit: 1825 von Jean Marc Gaspar Itard und 1885 von Georges Gilles de la Tourette
  • Behandelbar: Nur Symptomlinderung
  • Art des Auslösers: Fehlbildung im Hirn
  • Wieviele Erkrankte: Circa 0;3 % der Bevölkerung
  • Welchen Facharzt sollte man aufsuchen: Hausarzt; Neurologe; Psychiater
  • ICD-10 Code(s): f95.2

Tourette-Syndrom – Wenn Ticks das Leben bestimmen
Tics, Tourette
Das Tourette-Syndrom ist den meisten Menschen vor allen Dingen durch die Darstellung in Filmen und Serien bekannt. Hier geht es oft darum, dass Betroffene anhaltend obszöne Gesten ausstoßen, ohne dass dies angebracht oder gar gewollt ist. Das Tourette-Syndrom ist jedoch wesentlich komplexer, als dies zumeist in Komödien dargestellt wird.

Richtig ist, dass Tourette mit dem unwillkürlichen und ungewollten Ausstoßen von Lauten oder komplexen Ausdrücken einhergeht. Begleitet wird dies jedoch auch von körperlichen Spontanhandlungen, beispielsweise dem Grimassieren, dem Zucken und Zwinkern oder anderen krampfähnlichen Bewegungen. Insgesamt werden sowohl die lautlichen als auch die körperlichen Äußerungen als Tics bezeichnet. Die Intensität und Dauer dieser Tics kann sehr unterschiedlich sein. Es ist zum Beispiel möglich, dass ein Betroffener lediglich unverständliche Laute äußert und kurzzeitig mit den Augenbrauen zuckt. Aber auch das Ausstoßen von Schimpfwörtern in Kombination mit obszönen Gesten ist möglich.

Zumeist entwickelt sich das Tourette-Syndrom in der frühen Kindheit, findet seinen Höhepunkt in der Pubertät und nimmt hernach wieder ab. Einige Menschen sind jedoch ein Leben lang von dieser Krankheit betroffen. Die Auslöser liegen nach neuesten Studien in einer minimalen Fehlbildung des Hirns. Sie bewirkt neben dem Tourette-Syndrom zum Teil auch eine adhs (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung), führt darüber hinaus aber zu keinen weiteren Einschränkungen. Betroffene sind also nicht mental oder hinsichtlich der Intelligenz beeinträchtigt. Ebenso ist die Lebenserwartung bei Menschen mit Tourette genauso hoch, wie bei anderen Menschen.

Definition Tourette-Syndrom?

Das Tourette-Syndrom, oder schlicht Tourette genannt, ist eine vererbte Erkrankung, die durch multiple Tics in Form unwillkürlicher Bewegung und unkontrollierter Lautausstoßung gekennzeichnet ist. Ein Tic ist eine plötzliche, schnelle, wiederkehrende, nicht rhythmische motorische Bewegung oder Vokalisierung. Um mit Tourette-Syndrom diagnostiziert zu werden, muss eine Person mehrere motorische und eine oder mehrere vokale Tics zeigen. Wesentlich ist, dass diese Tics seit mehr als einem Jahr bestehen müssen.

Die Symptome des Tourette-Syndroms treten im Allgemeinen auf, bevor der Betroffene 18 Jahre alt ist. Das Erkrankungsalter liegt typischerweise zwischen vier und sechs Jahren und die Symptome können etwa mit Beginn der Pubertät ihren Höhepunkt erreichen. Tourette kann Menschen aller ethnischer Gruppen betreffen. Männer sind allerdings drei- bis viermal häufiger betroffen als Frauen.

Manche Menschen mit Tourette-Syndrom haben über die Tics hinaus ein zwanghaftes Verhalten, das durch ein intensives Bedürfnis gekennzeichnet ist, Handlungen auszuführen, wie das Händewaschen oder die Überprüfung, dass eine Tür tatsächlich verschlossen ist. Auch die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (adhs), gekennzeichnet durch Konzentrationsschwierigkeiten, Lernbehinderungen oder Schlafstörungen, gehört zu jenen Störungen, die oftmals mit Tourette zusammen auftreten.

Im Allgemeinen wird Tourette diagnostiziert, indem eine Beschreibung der Tics gegeben und die Familiengeschichte ausgewertet wird. Bildgebende Studien, wie Magnetresonanztomographie (MRT), Computertomographie (CT) und Elektroenzephalogramm (EEG) oder bestimmte Bluttests können darüber hinaus verwendet werden, um andere Krankheiten auszuschließen, die mit Tourette verwechselt werden könnten. Darüber hinaus gibt es keine validen Tests des Tourette-Syndroms. Es existieren ergo keine Bluttests oder andere Labortests, die die Störung definitiv diagnostizieren. Studien zeigen, dass die richtige Diagnose von Tourette häufig nach dem Beginn der Symptome verzögert wird, da viele Ärzte mit der Störung nicht vertraut sind. Die Verhaltenssymptome und Tics werden leicht falsch interpretiert, was oft dazu führt, dass Kinder mit Tourette-Syndrom in der Schule, zu Hause und sogar in der Arztpraxis missverstanden werden. Eltern, Verwandte und Gleichaltrige, die mit der Krankheit nicht vertraut sind, können die Tics und andere Symptome fälschlicherweise psychologischen Problemen zuschreiben, wodurch die soziale Isolation der Betroffenen erhöht wird. Da Tics in ihrer Schwere zunehmen und schwinden können und in einigen Fällen auch unterdrückt werden können, fehlen sie oft während der Arztbesuche, was die Diagnose weiter erschwert. In vielen Fällen werden Eltern, Verwandte, Freunde und sogar die Patienten selbst auf Tourette aufmerksam, wenn diese Störung in den Medien thematisiert wird.


Was ist das Tourette-Syndrom?

Das Tourette-Syndrome, oder kurz Tourette, ist eine Erkrankung bei der Betroffene an einer Körperstelle oder an mehreren Bereichen des Körpers immer wieder ein unangenehmes Gefühl verspüren, ohne dass hierfür ein tatsächlicher Grund gegeben ist. Dieses Gefühl kann hernach allein durch lautliche Äußerungen und körperliche Handlungen beendet werden. Hierfür kann ein Beispiel gegeben werden. Ein Jucken an der Schulter führt in der Regel dazu, dass der Mensch sich an dieser Stelle kratzt. Tritt das Jucken nun täglich mehrfach auf, wird ein Betroffener sich immer wieder an der gleichen Stelle kratzen. Unterbleibt dies, wird der Juckreiz irgendwann unerträglich. Dies geschieht in etwa auch beim Tourette-Syndrom. Hier können jedoch die ursprünglichen Gefühle deutlich komplexer sein und in Zwangshandlungen und komplexe Zwangsäußerungen münden. Diese werden als Tics bezeichnet und sind maßgeblich für diese Art der Krankheit.

Die Ursachen für die Entstehung von Tourette sind nach wie vor ungeklärt. Es ist wahrscheinlich, dass aufgrund von Mutationen gewisse Bereiche im Hirn sowie Neurotransmitter beschädigt sind und einige Reize permanent falsch weitergeleitet werden. Dadurch entstehen hernach die unwillkürlichen und unabwendbaren Tics. Betroffene handeln folglich nicht aufgrund mangelnder Selbstbeherrschung, sondern können aufgrund ihres Körpers nicht anders, als den Tics nachzugehen.

Eine Heilung von Tourette ist bislang noch nicht möglich. Mit Medikamenten können lediglich einige Tics abgemildert werden. Sie verschwinden allerdings auch dann nicht. Darüber hinaus sind die meisten Medikamente, die hier eingesetzt werden können, mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden und sollten daher nur Verwendung finden, wenn ein Patient sich selbst oder andere verletzen könnte.

Tourette-Betroffene kennen das Gefühl, angestarrt und ausgelacht oder beleidigt zu werden, wenn sie in der Öffentlichkeit unterwegs sind. Viele Menschen wissen nicht, warum Tourette-Erkrankte so auftreten, wie sie auftreten, und glauben, sie würden mit Absicht so handeln und andere mit Gesten oder Worten bewusst ärgern und verletzen. Dabei können Erkrankte überhaupt nichts dafür, wenn sie Schimpfworte ausstoßen oder plötzlich laut schreien. Tourette ist für diese Handlungen verantwortlich, und niemand, der daran leidet, benimmt sich absichtlich so auffällig.

Bei Tourette handelt es sich um eine genetisch bedingte Nervenkrankheit. Sie äußert sich in verschiedenen Symptomen, vor allem in sogenannten Tics, nervöse Zuckungen. Diese können rasch hintereinander auftreten und äußern sich sowohl in Muskelzuckungen als auch in sprachlichen Ausrufen oder Lauten. Sie treten oft mehrmals hintereinander bzw. mehrmals täglich auf, und Betroffene können sie nicht vorhersagen oder steuern. Diese Unberechenbarkeit ist es, die viele gesunde Menschen irritiert: Man unterhält sich ganz normal oder geht zusammen spazieren, und völlig unvermittelt schlägt der Erkrankte mit der Hand auf den Tisch oder schreit laut, ohne dass es einen Anlass dafür gibt. Deshalb kursieren auch viele Witze über Tourette, und in diversen Filmen und Serien wurden Erkrankte als vermeintlich witzige Typen eingebaut.

Doch für Betroffene ist ein Leben mit Tics und Störungen alles andere als lustig. Sie versuchen oft, die Zuckungen zu unterdrücken und kontrollieren sich ständig. Sie stehen also konstant unter Anspannung und müssen viel Kraft aufwenden, so normal wie möglich zu funktionieren, vor allem in der Öffentlichkeit, um nicht aufzufallen und negative Reaktionen zu bekommen. Bei Kindern tritt Tourette etwas häufiger auf als bei Erwachsenen, bei Jungen häufiger als bei Mädchen. Ca. 80000 Menschen in Deutschland sind betroffen, allerdings müssen nicht alle behandelt werden, da viele Tics unauffällig sind und deshalb nicht behandelt werden müssen. Nur bei starker Beeinträchtigung wird ein Arzt hinzugezogen.

Oft werden Kinder mit Tics und Nervosität von anderen als „schlecht erzogen“ kritisiert. Am stärksten ausgeprägt ist die Krankheit während der Pubertät, und nur bei wenigen Betroffenen lassen die Symptome dann nach. Die meisten Erkrankten müssen ihr ganzes Leben lang mit Tourette umgehen und versuchen, die Tics in den Griff zu kriegen.

Welche Ursachen gibt es?

Obwohl die genaue Ursache für das Tourette-Syndrom noch unbekannt ist, weist aktuelle Forschung auf Anomalien in bestimmten Hirnregionen (einschließlich der Basalganglien, der Frontallappen und des Kortex) hin. Betroffen sind vermutlich die Schaltkreise, die diese Regionen verbinden sowie die Neurotransmittern (Dopamin, Serotonin und Noradrenalin), die verantwortlich für die Kommunikation zwischen Nervenzellen sind. Inwieweit kleine Fehlbildungen dieser Regionen beziehungsweise Zellmutationen verantwortlich sind, konnte bislang jedoch noch nicht ermittelt werden.

Lange Zeit wurde vermutet, dass Tourette, ähnlich wie Parkinson oder Chorea Huntington, erblich bedingt ist, also in hohem Maße davon abhängt, ob ein Elternteil bereits an dieser Krankheit litt. Dies konnte inzwischen allerdings widerlegt werden. Die meisten Mediziner gehen inzwischen sogar davon aus, dass Tourette per se nicht erblich ist und sich nicht auf die nachfolgende Generation überträgt. Vererbt werden allerdings, so der aktuelle Stand der Wissenschaft, verschiedene Genmutationen, die ein generelles Auftreten von Ticerkrankungen begünstigen. In Bezug auf Tourette gehen Mediziner aus diesem Grund davon aus, dass neben einigen Genmutationen noch weitere Faktoren zur Entstehung eine Rolle spielen. Treffen hernach Anlagen und weitere Ursachen aufeinander, begünstigt dies das Tourette-Syndrom. Bleiben weitere Faktoren aus, entsteht unter Umständen eine gänzlich andere Ticerkrankung.

Das Geschlecht der Person spielt ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Genexpression im Tourette-Syndrom. Gefährdete Männer haben eher Tics und gefährdete Frauen haben häufiger Zwangssymptome. Menschen mit Tourette-Syndrom können genetische Risiken für andere Störungen des neurologischen Verhaltens, wie Depression oder Drogenmissbrauch, haben. Genetische Beratung von Personen mit Tourette sollte eine vollständige Überprüfung aller potenziell erblichen Bedingungen in der Familie enthalten. Allgemeine Aussagen im Bezug auf die Nachfolgegeneration von Menschen mit Tourette lassen sich jedoch nicht treffen, da die Krankheit sehr individuell sein kann.

Dass Umweltfaktoren bei der Entstehung von Tourette eine Rolle spielen, konnte bislang noch nicht abschließend geklärt werden. Es hat sich allerdings gezeigt, dass ein höheres Alter des Vaters, ein geringeres Geburtsgewicht und das Rauchen von Müttern während der Schwangerschaft insgesamt zu einem schwereren Krankheitsverlauf führen. Gerade Menschen, die selbst eine Ticerkrankung haben, sollten dies beachten, insofern sie Nachwuchs zeugen möchten.

Fazit
Warum Tourette auftritt und ob es Risikofaktoren gibt, ist noch weitgehend unerforscht. Man vermutet eine genetische Störung in Kombination mit Problemen bei Schwangerschaft und Geburt. Es ist erwiesen, dass Kinder, deren Eltern unter Tourette leiden, ein 10-100 mal höheres Risiko haben, ebenfalls zu erkranken, als Kinder mit gesunden Eltern ohne Tourettesyndrom.

Bei einer Tourette-Erkrankung ist eine Störung des Botenstoffwechsels im Gehirn vorhanden. Die Zahl der Dopaminrezeptoren, Neurotransmitter, die Informationen weiterleiten, ist bei Tourettepatienten stark erhöht. Auch andere Botenstoffwechsel wie Serotonin, Noradrenalin, Glutamin und Opioide stehen im Verdacht, bei einem gestörten Gleichgewicht und fehlerhaften Wechselwirkungen mitverantwortlich für eine Ausbildung von Tourette zu sein.

Die typischen Tics bilden sich scheinbar in den Basalganglien tief im Gehirn. Diese Ganglien steuern normalerweise Handlungen des Menschen und regeln, ob ein Mensch auf bestimmte Impulse reagiert und wenn ja, wie. Sind diese Ganglien sozusagen durcheinandergeraten, kann Tourette entstehen. Selten kann es vorkommen, dass eine Streptokokken-Infektion der Gruppe A zum Auftreten von Tourette führt. Bei einer Erkrankung mit Scharlach beispielsweise besteht eine geringe Möglichkeit, dass vom Betroffenen entwickelte Antikörper gegen die Krankheit die Ganglien angreifen und so Tics auslösen können.

Das Tourettesyndrom zählt zu den Erkrankungen, bei denen die Forschung noch in vielen Bereichen im Dunkeln tappt. Man nimmt an, dass Genetik und Stoffwechselstörungen im Gehirn Auslöser sind. Auch das Geschlecht der Betroffenen kann eine Ursache sein, denn Jungen sind sehr viel häufiger von der Krankheit betroffen als Mädchen. Auch einige Medikamente wie Neuroleptika können Tics auslösen, und manche Hirntumorpatienten entwickeln im Lauf der Erkrankungen Symptome. Bei vielen Betroffenen werden die Tics stärker, wenn sie unter psychischen Belastungen oder Stress stehen.


Symptome & Anzeichen

Es gibt zwei Kategorien von Tics: einfache und komplexe. Einfache Tics sind plötzliche, kurze Bewegungen mit einer begrenzten Anzahl von Muskelgruppen. Sie treten einzeln oder isoliert auf und wiederholen sich oft. Einige der üblicheren Beispiele für einfache Tics umfassen Augenblinzeln, Schulterzucken, Grimassen im Gesicht, Kopfzucken, Jaulen, Räuspern und Schnüffeln. Komplexe Tics sind unterschiedliche, koordinierte Muster von aufeinanderfolgenden Bewegungen, an denen mehrere Muskelgruppen beteiligt sind. Komplexe Tics können Springen, Drehen, Berühren der Nase, Berühren anderer Menschen oder sogar selbstverletzendes Verhalten umfassen. In 10 bis 15 Prozent der Fälle können solche Tics unangemessene Worte und Phrasen sowie Gesten beinhalten. Diese Symptome der Tourette-Störung werden Koprolalie beziehungsweise Kopropraxie genannt.

Menschen mit Tourette-Syndrom können manchmal ihre Tics für kurze Zeit unterdrücken, aber die Anstrengung ist ähnlich wie bei einem Niesen. Das bedeutet, das Unterdrücken erfolgt lediglich temporär. Schließlich steigt die Spannung bis zu dem Punkt, an dem der Tic entweicht. So ist es nicht unüblich, dass Betroffene einen Tic so lange hinauszögern, bis sie an einem abgelegenen Ort sind, wo sie den Tics Raum geben können, ohne dabei beobachtet zu werden. Tics verschlechtern sich in stressigen Situationen und verbessern sich oft, wenn die Person entspannt oder in eine Aktivität vertieft ist. In den meisten Fällen nehmen die Tics im Schlaf deutlich ab.

Insgesamt gesehen können Tics sehr individuell sein. Sie reichen von kaum bemerkbaren Symptomen bis hin zu gravierenden Einschränkungen, die im Alltag problematisch werden können. Welcher Tic am prägnantesten und dominant ist, variiert von Mensch zu Mensch. Am häufigsten handelt es sich jedoch um ein Zucken im Gesicht. Schließlich können weitere Tics auftreten. Unterschieden wird in einfache physikalische und komplexe physikalische sowie einfache lautliche beziehungsweise komplexe lautliche Tics. Tourette unterschiedet sich von anderen Ticerkrankungen vor allem dadurch, dass lautliche und körperliche Tics zusammen auftreten. Ob dabei aus beiden Bereichen einfache, komplexe oder gemischte Tics vorliegen kann verschieden sein. Intensität, Dauer und Anzahl der Wiederholungen können von Betroffenen ebenfalls nicht unterdrückt werden. Auf Außenstehende wirken Betroffene hernach nervös und unruhig.

Beispiele für einfache physikalische Tics

Einfache Tics, die sich in der Motorik des Betroffenen äußern, sind zumeist nicht zielgerichtet und wirken auch auf Außenstehende willkürlich. Zum Teil sind die Tics gar nicht für andere wahrnehmbar oder sind so flüchtig, dass sie kaum Beachtung finden. Hierzu gehören beispielsweise mit den Augen zwinkern, die Augen schließen, Knirschen der Zähne, mit dem gesamten Kopf zucken, den Hals verdrehen, Nasenzucken, die Augen rollen, Drehen der Schultern, Achselzuckend, die Zunge herausstrecken oder unwillkürliches Grimassieren.

Beispiele für einfache lautliche Tics

Die milden Tics, die auf lautlicher Ebene ausgeführt werden, beinhalten keine tatsächlichen Wörter. Vielmehr werden hier einige Laute ausgestoßen und wiederholt. Hierzu gehören beispielsweise bellende Geräusche, Räuspern, Husten, Grunzen, deutlich hörbares Schlucken, Schnüffeln, Quietschen, Schreien oder Stöhnen. Die Lautstärke der akkustischen Tics ist variabel. Bei einigen Personen treten sie nur sehr leise, bei anderen sehr laut auf. Die Lautstärke ist für Betroffene oftmals nicht zu kontrollieren.

Beispiele für komplexe physikalische Tics

Komplexe körperliche Tics beinhalten in der Regel ganze Handlungsabläufe, die in verschiedener Anzahl wiederholt werden und immer wieder auftreten. Hierzu gehören beispielsweise die Kopropraxie (obszöne Gesten machen), die Echopraxie (Bewegungen anderer Leute nachahmen), flatternd den Kopf schütteln, nach Dinge schlagen, ein Muster springen oder hüpfen, nach Dinge treten, ein Schütteln des ganzen Körpers, an Gegenständen riechen sowie sich selbst oder andere berühren. Diese Tics beziehen folglich die Umwelt deutlich mehr ein und werden deshalb oftmals als gravierender empfunden. Darüber hinaus sind sie nicht selten für den Betroffenen mit Verletzungen verbunden. Gerade dann, wenn Selbstverletzung vorliegt, muss oftmals eine medikamentöse Behandlung der Tics in Betracht gezogen werden, obgleich hierdurch gravierende Nebenwirkungen eintreten können.

Beispiele für komplexe lautliche Tics

Komplexe akkustische Tics sind die bekanntesten Symptome von Tourette. Sie werden oftmals in Filmen oder Serien gezeigt und gelten im Allgemeinen als lustig. Für Betroffene stellen sie jedoch eine empfindliche Einschränkung im Alltag dar, da die Tics im realen Leben als unangebracht gelten oder die Verständigung erschweren. Zu den gängigen komplexen lautlichen Tics gehören die Intonation der Stimme variieren, Echolalia (Wiederholung dessen, was andere Personen sagen), Palilalie (die gleiche Phrase oder die gleichen Wörter bei abnehmender Lautstärke und ansteigendem Sprechtempo wiederholen) sowie Koprolalie (obszöne Wörter oder Sätze äußern oder schreien).

Begleiterscheinungen

Tics können durchaus Folgen für den Betroffenen haben. Ein permanentes Schreien beispielsweise wirkt sich natürlich auf die Stimmbänder und den Sprechapparat des Betroffenen aus. Körperliche Tics und ein häufiges Zusammenziehen der Muskeln birgt mitunter ein hohes Verletzungsrisiko.

Auf der anderen Seite sind Tics nicht selten dadurch bedingt, dass Betroffene zuvor ein unangenehmes Gefühl verspüren, dass allein mit dem Ausführen eines Tics beendet werden kann. So geht dem Blinzeln nicht selten ein brennendes Gefühl im Auge voraus. Menschen, die zu willkürlichen Zuckungen neigen, bemerken zuvor ein Spannungsgefühl in den Muskeln und Sehnen, dass deutlich zunimmt, umso länger der Tic unterdrückt wird. Eine trockene Kehle kann nur durch Grunzen oder Räuspern gelindert werden und ein Juckreiz wird nur durch das Drehen und Hüpfen erleichtert. Diese unangenehmen Beschwerden, die schließlich einen Tic herbeiführen, verschlechtern sich noch in Situationen der Angst, des Stresses, der Müdigkeit oder bei Aufregung und Verletzungen. Wird ein Tic zu lange zurückgehalten, können die vorangehenden Beschwerden unerträglich werden, bis sie sich gleichsam im Tic entladen. Hinterher verspüren Betroffene nicht selten Erleichterung. Im Gegensatz dazu führen sehr entspannte Situationen oder ablenkende Aktivitäten dazu, dass kein unangenehmes Gefühl entsteht und folglich Tics ausbleiben.

Abschließendes
Typische Symptome werden also aufgrund der Tourette Syndrom Schweregradskala (TSSS) unterteilt in Tics mit geringer Beeinträchtigung, mäßiger Beeinträchtigung und schwerer Beeinträchtigung. Menschen mit geringer Beeinträchtigung haben keine Probleme in Schule oder Beruf, da ihre Tics unauffällig sind und von anderen nicht bemerkt oder thematisiert werden. Zu diesen Tics gehören z.B. häufiges Stirnrunzeln oder Naserümpfen. Mäßig beeinträchtigt sind Menschen, die Tics haben, die auch Außenstehenden auffallen und die Betroffene darauf ansprechen oder kritisieren. Es kommt zu Problemen in der Öffentlichkeit, im Beruf oder in der Schule. Zu diesen Tics zählt ständiges Räuspern oder das Ausstoßen von Lauten, Grimassenschneiden oder Schulterzucken.

Tics, die zu einer schweren Beeinträchtigung führen, sind beispielsweise Zuckungen der Arme, sodass Betroffene unwillkürlich um sich schlagen, oder auch ein ruckartiges Zurückwerfen des Kopfes. Auch das plötzliche Ausrufen von teilweise obszönen Schimpfworten oder lautes Schreien zählt zu diesen Tics. Selbstverletzungen wie mit dem Kopf gegen die Wand schlagen oder sich selbst mit einem spitzen Gegenstand stechen können ebenfalls auftreten.

Man unterscheidet bei Tourette vokale und motorische Tics. Auch hier gibt es eine Unterteilung in einfache und komplexe Tics. Betroffene können eine Vielzahl Symptome zeigen, die von ständigem Blinzeln (einfach) bis zur Ausführung obszöner Gesten reichen. Kein Betroffener kann kontrollieren, welche Tics er hat und wann er sie ausführt. Zusätzlich zu den Tics leiden Erkrankte oft unter weiteren Problemen wie Lernschwäche, adhs, Schlafstörungen und Depressionen aufgrund der Krankheit und der Reaktionen darauf. Auch Zwangshandlungen und Perfektionismus treten auf; die Erkrankten müssen eine Sache auf eine bestimmte Weise erledigen, und zwar immer in der gleichen Reihenfolge, sonst sind sie nicht zufrieden.


Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose von Tourette erfolgt nach wie vor vergleichsweise spät. Da die Krankheit nicht selten bereits in der frühen Kindheit auftritt, wird sie unter Umständen mit Zappeligkeit, genereller Unruhe oder Ungehorsam verwechselt. Erst dann, wenn das Verhalten des Kindes gravierend wird, gehen Eltern zum Arzt. Doch auch dort ist die Diagnosestellung oftmals nicht leicht. Tourette gilt erst dann als gesichert diagnostiziert, wenn die Tics seit mindestens einem Jahr bestehen und sowohl motorisch als auch lautlich auftreten. Gerade am Anfang der Krankheit kann es jedoch vorkommen, dass nur ein Tic besteht. Darüber hinaus ist es nicht selten, dass gerade beim Arztbesuch die Tics ausbleiben. Deswegen ist es notwendig, dass Eltern bestmöglichst Auskunft über Häufigkeit und Ausprägung von Tics geben und ihr Kind genau beobachten. Manchmal scheinen körperliche Tics nur minimal und lautliche Äußerungen beschränken sich auf regelmäßiges Räuspern oder Husten. Es lohnt sich auch, dass Kind danach zu befragen, welche Gefühle einem Tic vorangegangen sind.

Ein tatsächlicher Test, sei dies mittels bildgebender Verfahren, Bluttests oder Labortests existiert bei Tourette nicht. Diese können allerdings bei der Untersuchung durchgeführt werden, um andere neurologische oder psychische Erkrankungen auszuschließen. Gewöhnliche Tics werden in der Regel von sachkundigen Klinikern richtig diagnostiziert. Atypische Symptome oder atypische Präsentationen (zum Beispiel das Auftreten von Symptomen im Erwachsenenalter) erfordern jedoch möglicherweise spezielle Fachkenntnisse für die Diagnose.


Häufigkeit & Diagnosedaten

Das Tourette Syndrom wurde erstmals im 19. Jahrhundert beschrieben. Es ist jedoch davon auszugehen, dass es bereits deutlich früher schon bei Menschen aufgetreten ist und nicht als körperliche Störung, sondern als geistige Erkrankung wahrgenommen wurde. Es liegen also kaum Daten dazu vor, wann sich die Krankheit entwickelte und wo sie ihren Ursprung nahm. Heute ist lediglich klar, dass weltweit Menschen betroffen sind und die Herkunft sowie die Ethnie eines Menschen keine Rolle spielt. In jeder Bevölkerungsgruppe ist das Auftreten von Tourette in etwa gleich häufig. So ist davon auszugehen, dass circa 0,5 % der Menschen unter 10 Jahren an Tourette leidet. Bei erwachsenen Menschen ist von einer Anzahl von lediglich 0,2 % auszugehen, da in einigen Fällen die Symptome gänzlich verschwinden können, wenn das Erwachsenenalter erreicht ist.

Es zeigen sich im Hinblick auf Tourette lediglich zwei Auffälligkeiten. Zum einen sind Jungs deutlich häufiger betroffen als Mädchen. Tourette tritt bei männlichen Patienten etwa dreimal öfter auf. Zum anderen wird die Krankheit vor allem bei Menschen diagnostiziert, in deren Familie gehäuft andere Ticerkrankungen aufgetreten sind. Beides lässt darauf schließen, dass Tourette zumindest eine erbliche Komponente hat und möglicherweise auf genetischen Mutationen beruht, die vererbbar sind.

Ärzte verweisen darüber hinaus auf eine zunehmende Fallzahl. Es hat sich gezeigt, dass bei circa 10 % der Grundschüler zu irgendeinem Zeitpunkt Tics auftauchen. Inwieweit dies mit der tatsächlichen Entstehung von Tourette zusammenhängt, ist jedoch noch nicht überprüft. Die Fallzahlen für diese Erkrankung werden jedoch stetig nach oben korrigiert. Es kann also nicht ausgeschlossen werden, dass auch Umweltfaktoren bei der Entstehung der Krankheit eine Rolle spielen. Auch dies konnte bislang jedoch noch nicht belegt werden.

Insgesamt gesehen können für das Tourette-Syndrom keine genauen Angaben hinsichtlich der Häufigkeit getroffen werden. Zum einen wird die Krankheit nicht immer eindeutig diagnostiziert, zum anderen gibt es Betroffene, die lediglich unter leichten Tics leiden und daher keinen Arzt aufsuchen.


Komplikationen bei der Krankheit

Tourette ist in der Regel nicht mit geistigen oder weiteren körperlichen Beeinträchtigungen verbunden. Es handelt sich also, im Gegensatz zu Parkinson oder Chorea Huntington, nicht um eine degenerative Erkrankung. Zudem haben Patienten eine normale Lebenserwartung und sind darüber hinaus nicht zu gänzlich normalen Leistungen fähig. Es ist jedoch möglich, dass sehr stark ausgeprägte körperliche Tics dazu führen, dass Betroffene sich selbst oder andere Menschen verletzen. Dies ist selbstverständlich nicht gewollt, kann jedoch nicht unterdrückt werden. In solchen Fällen muss medikamentös behandelt werden, obgleich die Risiken für Nebenwirkungen hier vergleichsweise hoch sind.

Zum anderen können Tics zur sozialen Ausgrenzung führen. Das betrifft nicht nur Menschen mit lautlichen, sondern auch mit körperlichen Tics. Sind diese sehr auffällig, fehlt es Außenstehenden nicht selten an Verständnis. Dies wiederum führt zu Problemen wie Depressionen oder Suizidgedanken, zu schwachen Lernleistungen und Einsamkeit.

Zu den maßgeblichen Komplikationen bei Tourette gehört auch das Auftreten von bestimmten Begleitkrankheiten. Hierzu gehören unter anderem adhs, Zwangsstörungen oder Angststörungen. Zum Beispiel können Sorgen über Schmutz und Keime mit wiederholtem Händewaschen verbunden sein und Bedenken über schlechte Dinge können mit rituellen Verhaltensweisen wie Zählen, Wiederholen oder Ordnen verbunden sein. Obwohl die meisten Menschen mit Tourette in der späten Adoleszenz und im frühen Erwachsenenalter einen signifikanten Rückgang der motorischen und vokalen Tics erfahren, können die damit verbundenen neurologischen Verhaltensweisen schließlich weiter bestehen bleiben.


Wann sollte man zum Arzt gehen?

Nicht selten werden Menschen mit Tourette bereits im Kindesalter auffällig. Jedoch wird die Diagnose Tourette vergleichsweise spät gestellt. Dies resultiert zum einen aus dem recht individuellen Krankheitsverlauf, dem allgemeinen Unwissen über die Krankheit sowie daraus, dass sich Patienten beim ersten Auftreten von Symptomen in einer recht frühen Entwicklungsphase befinden und Eltern die Krankheit leicht für Ungehorsam, Trotzhaltungen oder Zappeligkeit halten können. Der Besuch bei einem Spezialisten erfolgt vermutlich erst spät, zumeist wenn das Kind bereits eingeschult ist und erste Probleme mit Lehrern und Mitschülern aufgetreten sind.

Dabei wäre es von Vorteil, wenn Lehrer und Betreuer des Kindes, früh über die Krankheit informiert werden und entsprechend auf die Bedürfnisse des Betroffenen eingehen könnten beziehungsweise mehr Verständnis für den Betroffenen hätten. Dies könnte den Alltag sowie das Sozialleben des Patienten entscheidend verbessern. Nicht selten ist es darüber hinaus möglich, dass Tourette-Betroffene eine normale Schulbildung erleben, wenn die Krankheit diagnostiziert ist. Aus diesem Grund sei an dieser Stelle angeraten, einen Arzt aufzusuchen, wenn Tics, sowohl im sprachlichen als auch im motorischen Bereich, auftreten und länger als ein halbes Jahr bestehen bleiben, einen Arzt aufzusuchen. Es empfiehlt sich den Arzt auch direkt auf das Tourette-Syndrom anzusprechen.

Behandlungsmethoden & Therapie

Grundsätzlich gilt, dass Tourette nach aktuellem Stand noch nicht heilbar ist. Das bedeutet, dass die Ursache für diese Erkrankung nicht behoben werden kann und lediglich einige Symptome abgemildert werden können. Da die Symptome von Tourette die meisten Patienten nicht beeinträchtigen und die Entwicklung in den meisten Fällen normal verläuft, benötigen die meisten Menschen mit Tourette-Syndrom keine Medikamente. Es stehen jedoch einige Mittel zur Verfügung, die helfen können, wenn die Symptome den Alltag beeinträchtigen. Leider gibt es kein Medikament, das für alle Tourette-Patienten hilfreich ist, und auch keine Medikamente, welche die Symptome vollständig beseitigen können. Allerdings ist es möglich, mithilfe der verfügbaren Medikamente, bestimmte Symptome zu reduzieren. Ob solche Mittel eingenommen werden, liegt in der Regel im Ermessen des Arztes und richtet sich nach dem individuellen Leidensdruck des Patienten. Nahezu alle einsetzbaren Mittel haben gravierende Nebenwirkungen und sollten nach Möglichkeit keine Anwendung finden, wenn ein normaler Alltag trotz der Krankheit möglich ist.

Einige Patienten, die Medikamente benötigen, um die Häufigkeit und Intensität der Ticsymptome zu verringern, können mit Neuroleptika wie Haloperidol und Pimozid behandelt werden. Diese Medikamente werden in der Regel in sehr kleinen Dosen gegeben, die langsam erhöht werden, bis das bestmögliche Gleichgewicht zwischen Symptomen und Nebenwirkungen erreicht wird. Neurologische Nebenwirkungen wie ein Tremor, dystone Reaktionen (Drehbewegungen oder -haltungen), parkinsonähnliche Symptome und andere dyskinetische (unwillkürliche) Bewegungen sind weniger häufig und können leicht mit einer Dosisreduktion behandelt werden. Dies muss ebenfalls unter Beobachtung eines Arztes erfolgen, denn atypische Neuroleptika nach Langzeitanwendung müssen langsam abgesetzt werden, um eine Zunahme der Tics und Entzugssymptome zu vermeiden.

Kürzlich haben Wissenschaftler entdeckt, dass die Langzeitanwendung von Neuroleptika eine unwillkürliche Bewegungsstörung verursachen kann, die als tardive Dyskinesie oder Spätdyskinesie bezeichnet wird. Dieser Zustand verschwindet jedoch normalerweise, wenn die Medikation gänzlich abgesetzt wird. Diese Nebenwirkungen können durch Medikamente verringert werden, die üblicherweise zur Behandlung der Parkinson-Krankheit verwendet werden. Andere Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Depressionen, Angstzustände, Gewichtszunahme und Denkschwierigkeiten können hingegen problematischer und von Dauer sein.

Antiepileptika wie Fluphenazin und Clonazepam sowie Antihypertensiva wie Clonidin und Guanfacin werden ebenfalls zur Behandlung von Tics verwendet. Die häufigste Nebenwirkung dieser Medikamente, die eine weiter Verwendung ausschließt, ist eine komplette Sedierung. Müdigkeit, ein trockener Mund, Reizbarkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Libidoverlust, Appetitverlust und Schlaflosigkeit sind häufige Nebenwirkungen im Zusammenhang mit diesen Mitteln. Darüber hinaus ergeben sich aus der gleichzeitigen Einnahme dieser Medikamente und diverser Neuroleptika Wechselwirkungen.

Wirksame Medikamente sind auch verfügbar, um einige der mit Tourette verbundenen Verhaltensstörungen zu behandeln. Stimulanzien wie Methylphenidat und Dextroamphetamin, die normalerweise für die Behandlung von adhs verschrieben werden, sind ebenfalls als wirksam beschrieben worden, ohne dass Tics schwerer wurden. Bei Zwangssymptomen, die das tägliche Funktionieren des Patienten erheblich stören, können Fluoxetin, Clomipramin, Sertralin oder Paroxetin verschrieben werden.

Insgesamt betrachtet, ist es vorzuziehen, das Tourette-Syndrom nicht medikamentös zu behandeln. Zumeist dauert es lange, bis ein richtiges Gleichgewicht zwischen Tics und Nebenwirkungen gefunden wurde. Darüber hinaus verschwinden die Symptome durch die Medikation nicht komplett. Es handelt sich folglich um eine Maßnahme, die nur dann ergriffen wird, wenn ein besonders gravierender Fall von Tourette vorliegt, der einen Alltag des Patienten unmöglich macht. Andere Arten der Therapie sind jedoch dennoch angeraten beziehungsweise vorzuziehen. Obwohl psychische Probleme keine Tourette verursachen, kann beispielsweise Psychotherapie helfen, dass der Patient besser mit der Störung und mit den sekundären sozialen und emotionalen Problemen umgehen kann. Psychotherapie hilft jedoch nicht, die Tics des Patienten zu unterdrücken. In jüngerer Zeit haben spezifische Verhaltensbehandlungen, die Bewusstseinstraining und konkurrierendes Reaktionstraining beinhalten, wie zum Beispiel das freiwillige Bewegen als Reaktion auf einen Vormerkungsdrang, Wirksamkeit in kleinen kontrollierten Versuchen gezeigt. Hierzu werden aktuell eine Reihe groß angelegter Studien durchgeführt.

Zusammenfassendes
Vor allem für Eltern ist es eine Erleichterung, wenn sie für ihr Kind eine aussagekräftige Diagnose erhalten und es nicht heißt, ihr Kind ist verhaltensgestört und schlecht erzogen, sondern leidet an Tics durch das Tourette-Syndrom. Eine umfassende Aufklärung und psychologische Beratung für Familien ist eine gute und wichtige Hilfe im Umgang mit der Erkrankung.

Je nach Schwere der Tics gibt es Betroffene, die gar keine Behandlung brauchen und möchten, weil sie gut mit der Krankheit zurechtkommen und keine Probleme im sozialen Umfeld haben. Andere benötigen eine Verhaltenstherapie und weitere Hilfen wie beispielsweise Yoga oder Maßnahmen, um Stress abzubauen wie Entspannungstechniken. Ist das Tourettesyndrom stark ausgeprägt, können Medikamente helfen. Diese führen allerdings oft zu starken Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Schwindel oder Störungen im Sexualtrieb.

Wichtig sind auch Verhaltenstherapie und das Behandeln der Krankheiten, die sich als Nebenfolge von Tourette ergeben, also z.B. adhs oder Zwangsstörungen. Hier werden erfolgreich sogenannte Response Präventionen eingesetzt, um bei ersten Anzeichen eines Tics gegensteuern zu können. Durch Habit Reversal Training lernen Betroffene, ihre Selbstwahrnehmung zu schulen und Verhaltensmuster zu ändern, um Tics zu verhindern oder abzuschwächen. Das Tourettesyndrom ist nicht heilbar, kann aber durch verschiedene Therapien oft stark gemildert werden. Betroffene können in vielen Fällen ein ganz normales Leben führen und sind oft kreativer und reaktionsschneller als andere. Nur wenn die Symptome den Erkrankten stark beeinträchtigen und er sich durch negative Reaktionen seiner Umwelt zurückzieht, sollten Medikamente oder eine Operation eingesetzt werden.


Vorbeugung – Impfung & Prävention

Da die Ursachen für Tourette noch nicht eindeutig geklärt sind, ist es nach wie vor nicht möglich, dieser Krankheit vorzubeugen. Es kann auch anhand einer Fruchtwasseruntersuchung oder mittels genetischer Tests nicht vorhergesagt werden, ob Eltern ein Kind mit Tourette bekommen oder nicht. Es ist lediglich bekannt, dass dann, wenn bereits Ticerkrankungen in der Familie verbreitet sind, das Alter der Eltern bei der Zeugung vergleichsweise hoch ist und die Mutter Raucherin ist, dass Risiko für Tourette steigt. Diesen Eltern sei jedoch auf keinen Fall empfohlen auf Kinder zu verzichten. Zum einen handelt es sich bei dieser Krankheit nicht um eine gravierende Gesundheitsgefährdung, zum anderen sind die Kinder weder geistig noch körperlich über das Maß von Tics hinaus beeinträchtigt und haben zudem eine normale Lebenserwartung.

Leidet ein Mensch bereits unter Tourette, gibt es einige Maßnahmen, die ergriffen werden können, um die Tics abzumildern oder zu verzögern. Hier helfen beispielsweise Verhaltenstherapien und autogenes Training. Es ist bekannt, dass stressige und angstauslösende Situationen einen Tic bestärken können. Werden solche Situationen vermieden, treten Tics deutlich seltener auf. Das gilt auch für Momente, in denen der Betroffene abgelenkt ist. Nicht selten raten Ärzte daher zu einem anspruchsvollen Hobby, wie beispielsweise zum Musizieren oder Denksport. Es ist allerdings nicht möglich, hierdurch Tics komplett auszuschalten.

Es lässt sich zusammenfassen, dass einem Tourette-Syndrom nicht vorgebeugt werden kann. Dies gilt im gleichen Maße auch für andere Ticerkrankungen. Allerdings ist es durchaus möglich, dass Betroffene mit gewissen Übungen ihren Alltag gut bestreiten können.


Prognose zur Heilung

Obwohl es keine Heilung für das Tourette-Syndrom gibt, verbessern sich die Bedingungen für die meisten Patienten. Zumeist kann mit einer normalen Lebenserwartung gerechnet werden. Obwohl die Störung im Allgemeinen lebenslang und chronisch ist, handelt es sich nicht um eine degenerative Erkrankung. Tourette beeinträchtigt außerdem die Intelligenz nicht. Weiterhin neigen Tics dazu, sich mit zunehmendem Alter zu verringern, sodass einige Patienten beispielsweise auf Medikamente gänzlich verzichten können. In einigen Fällen tritt darüber hinaus eine vollständige Remission nach der Adoleszenz auf.

Obwohl Tic-Symptome mit zunehmendem Alter tendenziell abnehmen, ist es möglich, dass neurologische Verhaltensstörungen wie Depressionen, Panikattacken, Stimmungsschwankungen und antisoziales Verhalten anhalten und das Erwachsenenleben beeinträchtigen können. In diesen Fällen hilft vor allen Dingen eine ausgefeilte Psychotherapie, die dem Patienten beibringt, mit der eigenen Erkrankung umzugehen.

Zumeist sind Kinder und Jugendliche stark von Tourette betroffen. Zum einen sind hier die Tics besonders ausgeprägt, zum anderen liegt häufig im Kindesalter noch keine gültige Diagnose vor. Darüber hinaus wird das Lernverhalten nicht selten von weiteren Erkrankungen und Störungen, wie beispielsweise adhs, begleitet. Hier ist es besonders wichtig, dass Lehrer und Betreuer informiert sind. Sonst kann es leicht geschehen, dass Tourette fälschlicher Weise mit einer Lernbehinderung verwechselt wird. Mit geschultem Personal und Rücksicht auf die Erkrankung können auch Kinder mit Tourette eine normale Schullaufbahn durchleben.


Tipps für Angehörige

Tourette stellt in der Regel nicht nur eine Belastung für den Betroffenen selbst, sondern oftmals für das gesamte Umfeld und ganz besonders für die Familie dar. Fehlt es Betroffenen jedoch an familiärem Rückhalt, kann dies durchaus zu einer Verschlechterung der Symptome beitragen, da diese durch Stress und Angst noch begünstigt werden. Aus diesem Grund seien an dieser Stelle einige wesentliche Tipps gegeben, die im Umgang mit der Tourette-Erkrankung für Angehörige hilfreich sein können.

An erster Stelle sei hier die Akzeptanz genannt: Die Symptome von Tourette können nicht unterdrückt werden. So sehr es Betroffene auch versuchen, irgendwann muss ein Tick sich entladen. Man stelle sich beispielsweise ein aufkommendes Niesen vor. So sehr man es auch versucht, es lässt sich kaum oder gar nicht unterdrücken. Die Nase scheint gleichsam die Kontrolle über die Gesichtsmuskeln zu übernehmen und irgendwann kommt das Niesen einfach heraus. Ähnlich gestaltet sich die Situation in Bezug auf Tics für Tourette-Betroffene. Das ist keine böse Absicht oder gewollt, auch wenn ein Tic beispielsweise eine beleidigende Geste oder das Nachsprechen von Wörtern ist. Wird der Tic akzeptiert, erleichtert dies die Situation für Betroffene, da sie oftmals an Schuldgefühlen leiden.

Besonders Eltern sollten ein Auge darauf haben, dass Kinder mit Tourette nicht gemobbt werden. Zieht sich das betroffene Kind zunehmend zurück, findet keine Freunde oder weigert sich in die Schule zu gehen, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass es von Klassenkameraden nicht akzeptiert und gehänselt wird. Hier empfiehlt es sich beispielsweise mit dem Klassenleiter zu sprechen. Oftmals würde eine Aufklärung über die Krankheit helfen, dass Mitschüler die Tics verstehen und infolgedessen Verständnis auch für das Kind zeigen. Nicht immer stehen der Schule Möglichkeiten zur Verfügung, selbst eine solche Aufklärung vorzunehmen. Hier könnte es helfen, wenn Angehörige selbst in die Klasse kommen und gemeinsam mit den Kindern über Tourette sprechen. Gerade das Gerücht, es handle sich bei dieser Erkrankung um eine geistige Behinderung, sollte aufgelöst werden. Das gilt unter Umständen nicht nur im Bezug auf Mitschüler, sondern auch auf das Lehrpersonal.

Letztlich gilt es, dass Tourette offen kommuniziert werden kann. Wird die Krankheit vor anderen verschwiegen, schämen sich die Angehörigen für den Betroffenen und halten ihn von Bekannten fern, wird dies oftmals dazu beitragen, dass der Erkrankte an Depressionen leidet. Wird Tourette hingegen offen kommuniziert und das Umfeld über die Krankheit aufgeklärt, kann auch der Betroffene selbst freier mit seinen Tics umgehen und diese besser kontrollieren und in seinen Alltag integrieren.


Alternative Behandlungsmethoden

Tourette ist eine Krankheit, die nach wie vor unheilbar ist. Dies liegt in erster Linie daran, dass die Ursachen für die Entstehung dieses Leidens noch nicht abschließend geklärt sind. Dies bewirkt weiterhin, dass auch die Symptome nicht vollkommen unterdrückt werden können. Es existieren zwar einige Medikamente, mit denen ein Abmildern möglich wäre, diese haben jedoch eine Reihe gravierender Nebenwirkungen, welche den positiven Nutzen gleichsam negieren und aus diesem Grund nur im Notfall eingesetzt werden. Aus diesem Grund greifen Patienten nicht selten zu anderen Methoden, ihre Tics in den Griff zu bekommen. Hierzu gehört in erster Linie eine Psycho- beziehungsweise eine Verhaltenstherapie. Ein geschulter Therapeut bringt einem Betroffenen dabei Verhaltensweisen bei, die es ermöglichen Tics zum Teil zu vermeiden oder diese soweit es möglich ist zu unterdrücken. Letzteres ist jedoch nur einen kurzen Zeitraum über möglich. Allerdings können, wenn sich ein Tic anbahnt, Betroffene einen ruhigen Ort suchen, an welchem es unbeobachtet möglich ist, den Tic auszuleben. Hierdurch kommt es seltener zu sozialen Problemen.

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten den Tics zum Teil vorzubeugen. Entspannungsübungen können hier genauso eingesetzt werden wie Sportarten. In den letzten Jahren wurde darüber hinaus spekuliert, dass gerade das Musizieren einen positiven Effekt auf Betroffene hat. Durch sich wiederholende Beats und die notwendige Konzentration gelingt es Betroffenen zum Teil, ihre Tics für einen Moment zu vergessen. Dies kann als sehr erleichternd wahrgenommen werden und führt insgesamt zu einem besseren Wohlbefinden. Ein gänzlich ticfreies Leben ist jedoch auch hierdurch nicht möglich.

Da die Krankheit noch nicht gänzlich erforscht wurde, gibt es keine einheitliche Therapie, die bei dieser Krankheit angeraten ist. Betroffene sollten nach Möglichkeit sich selbst kennenlernen und verschiedene Methoden ausprobieren. Ein Arzt oder ein Therapeut können hierbei hilfreich sein. Der Phantasie sind jedoch keine Grenzen gesetzt. Lediglich auf die selbstständige Einnahme von Medikamenten, ob chemisch oder pflanzlich, sei zu verzichten.

Welche Hausmittel können helfen?

Es existieren aktuell keine Heilmittel für das Tourette-Syndrom. Auch Hausmittel können gegen diese Krankheit kaum Wirkung zeigen. Es ist lediglich möglich, einige Maßnahmen zu ergreifen, die Situationen abmildern, welche einen stärkeren Tic auslösen. Beispielsweise können Stress und Angst minimiert werden, wodurch Tics milder und seltener auftauchen. Hierzu können beispielsweise folgende Mittel genutzt werden:

  • ausreichend Schlaf
  • regelmäßige körperliche Aktivität
  • Entspannungsübungen
  • das Halten eines Normalgewichts
  • Verzicht auf Drogen, Rauschmittel, Alkohol und Zigaretten
  • Vermeiden von bekannten ticauslösenden Situationen

Heilkräuter & Heilpflanzen

Lange Zeit wurden Heilpflanzen und Kräuter in den Bereich der Scharlatanerie eingeordnet. Ärzte bezweifelten, dass überhaupt eine Wirkung von Pflanzen ausgehen könnte und setzten vielmehr auf die moderne Chemie. Inzwischen ist jedoch bekannt, dass die Chemie vielfach Wirkstoffe nachbildet, die bereits in der Natur vorkommen. Ärzte setzen aus diesem Grund wieder vermehrt auf pflanzliche Wirkstoffe. Ihr Einsatz hat jedoch auch Grenzen: Krankheiten, die aufgrund genetischer Mutationen und Fehlbildungen entstehen, können kaum mit Pflanzenprodukten behandelt werden. Der Grund hierfür ist, dass Mutationen sich in allen Zellen finden und nicht entfernt werden können. Autoimmunerkrankungen oder Krebsgeschwüren ist folglich nicht mit pflanzlichen Mittel beizukommen. Dies gilt auch für das Tourette-Syndrom. Die Ursachen dieser Krankheit sind nicht behandelbar, weshalb die Krankheit nach wie vor als unheilbar gilt. Lediglich eine Abmilderung der Symptome ist aktuell möglich. Ob pflanzliche Mittel dies bewirken können, ist noch nicht geklärt, wird von Ärzten aber als unwahrscheinlich angesehen. Aus diesem Grund sollte eine konventionelle Therapie nicht durch die Einnahme von Heilpflanzen ersetzt werden. Diese können lediglich unterstützend angewendet werden.

Im Folgenden finden sich einige Pflanzen und Kräuter, die als beruhigend und krampflösend gelten:

  • Zwiebel
  • Orange
  • Ingwer
  • Arnika
  • Salbei
  • Wacholder
  • Beinwell
  • Gänsefingerkraut
  • Engelwurz
  • Knoblauch

Die genauen Daten zur Dosierung und zur Art der Anwendung sind der Packungsbeilage zu entnehmen oder mit dem zuständigen Heilpraktiker abzuklären.

Ätherische Öle

Bei vielen Krampferkrankungen hat sich gezeigt, dass ätherische Öle zur Entspannung des Körpers beitragen können und dergestalt tatsächliche Wirkung bei der Krampflinderung zeigen können. Sie sind darüber hinaus stressreduzierend und wirken entspannend. Tourette ist jedoch nicht durch Stress ausgelöst. Hier erfolgen Muskelzuckungen aufgrund einer Störung im Hirn. Die Anwendung von Ölen zeigt sich aus diesem Grund bei dieser Erkrankung nicht als wirksam. Öle können jedoch dafür angewendet werden, den Patienten zu beruhigen und zu entspannen, wenn er ob seiner Krankheit an Depressionen oder Schlafstörungen leidet. Es sei jedoch explizit darauf verwiesen, dass Öle keine konventionelle Therapie ersetzen können, sondern lediglich begleitend angewendet werden sollten. Zudem empfiehlt es sich, den Arzt über den Einsatz von Ölen zu informieren.

Die folgenden Öle gelten als entspannend, krampflösend oder beruhigend:

  • Lavendel
  • Melisse
  • Ackerminze
  • Ylang-Ylang
  • Zitrone
  • Rosmarien
  • Weihrauch
  • Ysop
  • Vanille

Die genauen Daten zur Dosierung und zur Art der Anwendung sind der Packungsbeilage zu entnehmen oder mit dem zuständigen Heilpraktiker abzuklären.

Homöopathie & Globuli

Die genauen Ursachen für die Entstehung von Tourette sind nach wie vor noch nicht bekannt. Es gibt bereits einige Vermutungen, welche Faktoren eine solche Erkrankung auslösen können, genaue wissenschaftliche Studien liegen jedoch noch nicht vor. Aus diesem Grund kann die Krankheit nach wie vor nicht geheilt werden. Darüber hinaus ist nur in einigen, besonders gravierenden Fällen eine Behandlung mit Medikamenten notwendig. Oftmals hilft eher eine Verhaltens- oder Bewegungs- sowie eine Psychotherapie. Welchen Einfluss homöopathische Mittel bei der Symptombekämpfung haben, wurde bislang noch nicht überprüft. Es ist jedoch davon auszugehen, dass pflanzliche Mittel kaum Einfluss auf eine Symptomverbesserung haben. Von den meisten Ärzten wird eine generelle Wirkung von Globuli bezweifelt, da eine solche nie wissenschaftlich von einem unabhängigen Institut belegt werden konnte. Grund hierfür ist, dass die enthaltenen Wirkstoffe zumeist in so geringer Dosis vorliegen, dass kaum ein Einfluss auf den Körper erfolgen kann. Es ist jedoch nicht undenkbar, dass die Einnahme von homöopathischen Globuli den sogenannten Placebo-Effekt auslösen kann und dergestalt zu einem besseren Befinden des Patienten beitragen kann. Bei Tourette wäre beispielsweise die Einnahme folgender Mittel denkbar. Sie sollte jedoch mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Die genauen Daten zur Dosierung und zur Art der Anwendung sind der Packungsbeilage zu entnehmen oder mit dem zuständigen Heilpraktiker abzuklären.

Schüssler-Salze

In den vergangenen Jahren ist eine Behandlung mit Schüssler Salzen immer populärer geworden. Dennoch raten die meisten Ärzte davon ab, eine konventionelle Therapie durch diese Mittel zu ersetzen und bezweifeln darüber hinaus ihre Wirksamkeit. Hierfür gibt es eine Reihe plausibler Gründe. Zum einen basiert die Therapie mit Schüssler Salzen auf einer Annahme aus dem 19. Jahrhundert, wonach Krankheiten allein aus einem Ungleichgewicht des Mineralhaushaltes resultieren. Inzwischen ist jedoch bekannt, dass unter anderem Mutationen, Bakterien, Viren und Stoffwechselstörungen verantwortlich für die Entstehung von Krankheiten sind. Ein Ungleichgewicht des Mineralhaushaltes hat darüber hinaus zumeist andere organische Gründe und entsteht in der Regel nicht spontan und ohne zugrundeliegende Erkrankung. Die Annahme, auf welcher die Therapie mit Schüssler Salzen beruht, ist ergo obsolet. Darüber hinaus wurde selbstverständlich wissenschaftlich überprüft, ob eine Einnahme von Mineralien bei der Heilung von Krankheiten sinnvoll ist. Dies konnte nur bei speziellen Erkrankungen belegt werden. Gerade bei genetischen Erkrankungen oder Autoimmunstörungen, Krebs oder Virusinfektionen können Schüssler Salze jedoch keine Wirkung zeigen, da sie nicht gegen die Ursachen der Krankheit vorgehen können. Dies gilt letztlich auch für Tourette. Heilpraktiker empfehlen zwar einige Salze zur Symptombekämpfung bei Tourette, deren Wirkung wurde jedoch nicht wissenschaftlich belegt. Ob eine Einnahme sinnvoll oder angeraten ist, sollte daher mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Im Folgenden sind die oftmals von Heilpraktikern empfohlenen Salze aufgeführt. Sie sollen vor allem Krämpfe lösen.

Die genauen Daten zur Dosierung und zur Art der Anwendung sind der Packungsbeilage zu entnehmen oder mit dem zuständigen Heilpraktiker abzuklären.

Diät & Ernährung

Die Ernährung hat nach aktuellem Stand keinerlei Einfluss auf die Entstehung oder die Ausprägung von Tourette. Es handelt sich hier um eine Krankheit, die eine Fehlbildung im Hirn voraussetzt, welche weder drrch Lebensmittel ausgelöst, noch durch diese beeinflusst wird. Allerdings kann eine gesunde Ernährung dazu beitragen, dass der Betroffene insgesamt ein erhöhtes Wohlbefinden hat und Stress besser meistern kann. Hierdurch können Tics abgemildert werden. Es gelten dabei im Grunde genommen alle Regeln einer gesunden Ernährung. Das bedeutet, dass täglich frisches Obst und Gemüse konsumiert werden sollte. Fleisch hingegen gilt es nur in Maßen zu essen. Die meisten Ernährungsberater empfehlen beispielsweise, den Fleischkonsum auf zwei Tage in der Woche zu beschränken und helles Fleisch, also Hühnchen oder Pute, dunklem Fleisch wie Rind oder Schwein vorzuziehen. Einmal in der Woche sollte darüber hinaus Fisch verzehrt werden, da dieser besonders reich an Omega-3-Fettsäuren ist. Diese soll den Cholesterinspiegel senken und gilt auch darüber hinaus als gesundheitsfördernd. Letztlich ist es angeraten Vollkornprodukte zu verwenden. Diese sorgen für ein längeres Sättigungsgefühl und sind reich an Ballaststoffen.

Im Gegensatz hierzu ist es zu empfehlen, auf sehr zuckerhaltige und fette Speisen zu verzichten. Auch Limonaden und koffeinhaltige Getränken dürfen nur in geringem Maße konsumiert werden. Ungesüßte Tees oder Wasser sowie verdünnte Fruchtsäfte sind als Durstlöscher wesentlich besser geeignet. Darüber hinaus raten die meisten Ernährungsexperten dazu, keine Fertigprodukte zu verwenden, sondern stattdessen einfach selbst zu kochen. Denn nicht selten befinden sich in Fertigprodukten Zusatzstoffe, versteckte Zucker und Fette sowie Geschmacksverstärker und Konservierungsmittel, die im Verdacht stehen verschiedene Krankheiten auszulösen.


FAQ – Fragen & Antworten

Haben Tourette-Patienten einen niedrigeren IQ?

Menschen, die an Tourette leiden, fallen nicht selten in der Schule und bei Mitmenschen negativ auf. Die Tics werden oftmals mit Unruhe, Zappeligkeit oder Ungehorsam verwechselt. Darüber hinaus bedingen die Tics, dass gewisse Handlungen mehr Zeit erfordern, als bei anderen Menschen. Wissenschaftler vermuten, dass gerade dann, wenn ein Tic unterdrückt werden soll, dies enorme Anstrengung und Mühe erfordert und deswegen der Patient insgesamt langsamer erscheint als andere Menschen. Hierdurch entsteht nicht selten der Eindruck, dass Menschen mit Tourette eine geistige Behinderung oder eine Lernschwäche haben. Dies ist allerdings nicht der Fall. Der IQ (Intelligenzquotient) eines Tourette-Patienten ist in der Regel gänzlich normal. Auch darüber hinaus unterscheiden sich diese Menschen nicht von anderen.

Ist Tourette erblich?

Die Medizin geht aktuell davon aus, dass viele Faktoren aufeinandertreffen müssen, damit eine Tourette-Erkrankung entsteht. Hierzu gehören sehr wahrscheinlich auch genetische Faktoren. Es konnte nachgewiesen werden, dass sich bei Menschen mit Tourette innerhalb der Familie viele Angehörige mit Ticerkrankungen befinden. Eine direkte Vererbung mit Tourette ist jedoch unwahrscheinlich. Es wird vielmehr davon ausgegangen, dass die Anlage für Tics erblich ist und in einigen Fällen mit weiteren Faktoren zusammen trifft und hernach Tourette entsteht.

Fluchen alle Tourette-Patienten?

Besonders in Filmkomödien wird das Tourette-Syndrom durch Fluchen oder obszöne Gesten dargestellt. Diese, als Koprolalie und Kopropraxie bezeichneten Symptome des Tourette-Syndroms treten jedoch nur bei einigen Patienten auf und sind im Vergleich zu anderen Symptomen deutlich seltener anzutreffen. In den meisten Fällen werden diverse Sätze oder Wörter wiederholt, die nicht zwangsläufig obszön sein müssen. Auch einzelne Laute ohne inhaltlichen Wert können vom Patienten wiedergegeben werden. Ähnliches gilt für Bewegungen. Neben Krämpfen, Bewegungswiederholungen und unbestimmten Gesten treten nur selten obszöne Gesten als Zwangshandlungen auf. In diesem Sinne sind Filmcharaktere oftmals überzeichnet und geben ein falsches Bild von Tourette wieder.

Tritt das Tourette-Syndrom zeitlich begrenzt auf?

Tourette entsteht zumeist in der frühen Kindheit, also etwa im Alter von drei oder vier Jahren. Ihren Höhepunkt erreicht die Krankheit schließlich mit der Pubertät. Hernach kann es vorkommen, dass einige Patienten die Symptome im zunehmenden Alter gänzlich verlieren. Bei anderen wiederum sind die Symptome abgeschwächt oder lassen sich besser kontrollieren. Darüber hinaus gibt es jedoch auch Patienten, bei denen das Tourette-Syndrom ein Leben lang bestehen bleibt. Ob dies auf einen Patienten zutrifft oder nicht, kann von Ärzten in der Regel nicht vorhergesagt werden. Hierzu fehlt es an grundlegendem Wissen über die Krankheit selbst.

Ist das Tourette-Syndrom ansteckend?

Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass die genauen Ursachen für die Entstehung des Tourette-Syndroms noch nicht bekannt sind. Ärzte spekulieren aktuell, inwiefern Umwelteinflüsse und genetische Mutationen zusammenfallen müssen, damit diese Krankheit entsteht. Ausgeschlossen ist jedoch, dass es zu einer Ansteckung kommt. Hierfür wäre ein Virus oder ein Bakterium nötig, dass die Krankheit auslösen kann. Dieses existiert jedoch nicht und wäre beispielsweise durch einen Bluttest oder bei einer Autopsie bereits nachgewiesen wurden.

Ist das Tourette-Syndrom tödlich?

Obgleich beim Tourette-Syndrom eine Störung im Hirn vorliegt, ist die Erkrankung nicht mit gravierenden körperlichen Ausfallerscheinungen oder Degenerationen verbunden. Sie setzt auch nicht die Lebenserwartung herab. Insgesamt beschränken sich die Symptome auf Tics. Tödlich ist Tourette daher nicht.

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